Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.11.1985

OECD warnt vor Fehleinschätzung der Softwareindustrie:Wachstumspotential ist noch nicht ausgereizt

PARIS (CW) - Die Bedeutung von Software als eigenständiger Industriebereich wird immer noch nicht genügend erkannt. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) in einem in Paris vorgelegten Bericht zur Situation auf dem Softwaremarkt.

Der Softwaresektor, so heißt es in der Veröffentlichung, gehörte derzeit zu einer der am schnellsten expandierenden Branchen. Seit Mitte der 70er Jahre sei der Umsatz in fast allen OECD-Ländern um jährlich zwischen 10 und 20 Prozent gestiegen, in einigen Marktbereichen liege das Wachstum bei 30 bis 40 Prozent.

Das Gesamtvolumen des Marktes wird für dieses Jahr mit rund 35 Milliarden angegeben. Dabei ist die beim Anwender erstellte Software noch nicht berücksichtigt, die noch einmal mit derselben Summe zu Buche schlägt. Die USA lägen mit etwa 60 Prozent des Marktes an erster Stelle, gefolgt von Europa mit 30 Prozent, woran Frankreich mit einem Fünftel den größten Anteil hat. Der Rest entfällt auf Japan mit 10 Prozent.

Eines der Hauptmerkmale dieses Industriebereichs ist seine niedrige Konzentrationsrate, wird in dem Bericht betont. In den USA beispielsweise gebe es mehr als 4000 mit der Erstellung von Software befaßte Unternehmen, von denen die größten 20 zusammen aber nur einen Marktanteil von 30 Prozent hätten. In Europa und Japan sei die Konzentration bereits etwas weiter fortgeschritten. Diese Entwicklung werde sich mit steigendem Wettbewerb auch weiter fortsetzen. Die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche liegt in diesem Jahr in Europa bei rund 200 000 (davon 40 000 in Frankreich), in den USA bei 400 000 und in Japan bei 50 000.

Software, im Report definiert als "Daten und Instruktionen, die Hardware (Geräte) aus dem Bereich der Informationstechnologie dazu bewegen, bestimmte Funktionen auszuführen", werde bisher nur innerhalb der direkt betroffenen Kreise im Computergeschäft richtig eingeschätzt. In der übrigen Industrie, ebenso wie in den Verwaltungen, beziehen sich dem Report zufolge die Strategien für den Computereinsatz immer noch zunächst auf den Gerätesektor. Software werde als untergeordnet betrachtet, als sekundärer Aspekt eben jener technologischen Entwicklung, die man mit dem Anschaffen der Computer einleiten wolle. Die Software sei aber derart bedeutend, daß sie eigener Strategien und klarer Unterstützung bedürfe, um ihr Gewicht voll ausschöpfen zu können.

Den Regierungen der OECD-Länder kommen dem Bericht zufolge bei dieser Problematik entscheidende Aufgaben zu, die vom Privatsektor nicht allein zu lösen sind. Dazu gehöre im wesentlichen, daß sie die Schaffung neuen wissenschaftlichen und technischen Wissens, beruflicher Qualifikationen, den Ausbau der Infrastruktur und angemessener Standards sowie den finanziellen, legislativen und juristischen Rahmen förderten.

Mehr Ausbildung im Forschungsbereich

Zur Forschungspolitik wird in dem Bericht hervorgehoben, daß die dafür bereitgestellten Mittel noch immer recht begrenzt sind. Das Hauptaugenmerk müsse allerdings auf die Ausbildungspolitik für diesen Bereich gelegt werden, denn die Zahl der im Informatikbereich tatsächlich qualifizierten Fachleute sei weit vom Bedarf entfernt, zumal dieser im Softwarebereich immer größer werde.

Der Report führt aber auch Argumente auf, die besagen, daß der Bedarf an professionellen Softwareentwicklungen abflachen werde, wenn es mehr Geräte gebe, die dem Benutzer den Aufbau eigener Softwareprogramme ermöglichten. In jedem Falle sei die Software für Regierungen schon deshalb von großer Bedeutung, weil sie nicht nur im öffentlichen Dienst immer wichtiger werde, sondern auch innerhalb der Regierungsbehörden. So bestehe unter anderem auch im Verteidigungsministerium ein erheblicher Bedarf. Bisher sei der Ausbau der Software auch in diesen Bereichen hinter den rein technischen Computerproblemen zurückgestellt worden.

In dem Bericht werden ferner verschiedene Gründe dafür genannt, daß es in diesem Bereich zu einem Engpaß kommen könnte. Zum einen müsse man klar erkennen, daß diese Branche sich erst im formativen Stadium befinde und derzeit noch mehr ein Handwerk denn echte Technologie sei. Wohl würden bei der Programmierung ernsthafte technologische Fortschritte erzielt, nach wie vor gebe es aber deutliche Mängel bei Verfahrensregeln und Methoden, mit denen sich die Definition und Qualität von Software verbessern lasse.

Zum anderen stammten die Schwierigkeiten daher, daß die Erstellung von Software noch nicht als industrielle Aktivität wie jede andere verstanden werde und deshalb noch nicht Gegenstand systematischer Auswertung sei. Die wichtigsten Entscheidungen in diesem Bereich würden von Technikern vorgenommen, die ihrerseits wenig von wirtschaftlichen Optimierungsmodellen verstünden oder sie zumindest nicht anwendeten. Software, oft innerhalb eines Unternehmens erstellt, bleibe so nicht nur fern von jedem Wettbewerb, sondern sei häufig eine eigener Einschätzung überlassene privilegierte Tätigkeit.

Nicht übersehen werden dürfe auch, daß es auf dem Arbeitsmarkt eine deutliche Lücke zwischen dem Bedarf an spezialisierten Kräften und dem Angebot an Arbeitskräften gebe; gleichzeitig erschwere dieser mangel an spezialisierten Arbeitnehmern aber die qualitative Anpassung an die technologischen Fortschritte.

Bei den Softwareprodukten seien hingegen genau gegensätzliche Erscheinungen festzustellen - dort gebe es kaum Bedarf an neuen Produkten, hauptsächlich, weil die potentiellen Nutzer der Programme lange Zeit bräuchten, um sich an das vorhandene Angebot zu gewöhnen, heißt es in dem OECD-Bericht. Außerdem dürfe nicht übersehen werden, daß auf der Angebotsseite sowohl professionelle Dienstleistungen als auch Fertigprogramme sehr schnellen technischen Entwicklungen unterlägen und auf der Abnehmerseite große Unsicherheit im Hinblick auf diese Produkte herrsche.

Fortschritte zur Steigerung der Produktivität und Zuverlässigkeit seien bisher vor allem in Form von "Softwareentwicklungsprogramme" erzielt worden. Der insgesamt schwierigste Abschnitt - die Definition und Spezifizierung der Programme - habe bisher am wenigsten von diesen Fortschritten profitiert.

Kostendruck führt zu internen Computermärkten

Die mit der Untersuchung Beauftragten stellten in ihrem Bericht außerdem einen Trend zu "internen Computermärkten" fest. Diese hätten sich unter dem auf Unternehmen und Behörden lastenden Kostendruck herausgebildet und könnten ihrerseits später Konkurrenz auf dem freien Markt bekommen. Es liege zwar auf der Hand, daß man versuche, diese internen Einheiten in die Gewinnzone führen zu wollen, dem stünden aber derzeit noch technische, organisatorische oder auch juristische Schwierigkeiten entgegen.

Die OECD hebt in ihrem rund 200 Seiten starken Bericht ferner die Rolle der Standards hervor, die mit zunehmender Einführung von Computersystemen mit integrierten Interfaces (Software/Software oder Hardware/Software) immer wichtiger werde. Zukünftig müßten auf gegenseitigem Konsensus beruhende Dejure-Standards entwickelt werden.