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05.08.1994

Oeffentliche Hand fuettert die ostdeutschen DV-Dienstleister

Der Aufschwung Ost findet in vielen Bereichen statt. Einer davon ist zweifellos der DV-Service. Mit einem ueberdurchschnittlichen Wachstum von fast 30 Prozent vermehrte sich im vergangenen Jahr der Umsatz der Anbieter in den neuen Bundeslaendern auf deutlich ueber eine halbe Milliarde Mark; Tendenz weiter steigend. Bisher sind es vor allem Behoerden und oeffentliche Verwaltungen, die den Unternehmen die Zuwaechse bescheren.

Die gute Konjunktur fuer informationstechnische Dienstleistungen hat recht pausible Gruende: Die ostdeutschen Servicefirmen haben die Rolle eines Kooperationspartners uebernommen, mit dessen Unterstuetzung in moeglichst kurzer Zeit die Probleme beiseite geraeumt werden sollen. Zwar hat die Rechnerausstattung groesstenteils schon westliches Niveau erreicht, es hakt aber an vielen anderen Stellen.

In Sachen IT besteht offenbar grosser Handlungsbedarf. Nach einer Marktuntersuchung der Berliner Fiducia Geno-Datenservice sehen 58 Prozent der Anwender einen engen Zusammenhang zwischen moderner Informationstechnik und der Wettbewerbsfaehigkeit eines Unternehmens. Gleichzeitig beklagen sie jedoch sehr grosse Innovationsdefizite. Auch eine Studie der DIC Deutsche Industrie Consult in Duesseldorf kommt zu dem Ergebnis, dass es bei 40 Prozent der Firmen an der elektronischen Datenverarbeitung hapert. Nach den Erkenntnissen der DIC-Analysten wiegen diese Probleme kaum weniger schwer als die unzureichende Produktivitaet in vielen Betrieben oder die groesstenteils noch veralteten Produktionsmaschinen, die dem unternehmerischen Erfolg noch im Weg stehen.

Bezogen auf die Informatik - so die Fiducia-Untersuchung - bilden vor allem mangelndes Know-how, Schwaechen in der organisatorischen und strategischen Ausrichtung sowie ein schmales Investitionsbudget die schwer zu ueberwindenden Huerden. "Der oekonomische Nutzen ist erst mit Verzoegerung spuerbar. Wir brauchen aber den schnellen Erfolg", begruendet Steffen Hofmann die weit verbreitete Zurueckhaltung. Auch fuer seinen Betrieb zeichnet der Geschaeftsfuehrer der Breeskower Maschinen und Stahl GmbH ein wenig zufriedenstellendes Bild. "Realistisch betrachtet, sind unsere DV- Anforderungen erst zu 20 bis 25 Prozent erfuellt."

Dies betrifft zweifellos nicht alle Unternehmen. Wer durch Investoren oder finanzstarke Muttergesellschaften in die Lage versetzt wurde, bei Null zu beginnen und eine voellig neue IT- Infrastruktur aufzubauen, steht heute teilweise sogar besser da als viele Wettbewerber aus den alten Bundeslaendern. "Die DV ist essentiell wichtig fuer den Markterfolg", begruendet Udo Jannisch, Geschaeftsfuehrer der Magdeburger Baugesellschaft Homag, warum er rasch auf dem neuesten Stand der Technik sein wollte. "Sonst haetten wir grosse Chancen verspielt."

Fuer die ueberwiegende Mehrheit verlaeuft der Weg zur Informationstechnik aber ueber den Einkauf massgeschneiderter Services. Sie machen weitgehend unabhaengig von detailliertem technischem Wissen und bieten im Regelfall Kostenvorteile gegenueber dem Eigenbetrieb. Hinzu kommt, dass sich die Loesungen schneller realisieren lassen.

Vorgemacht haben es die ostdeutschen Landes- und Kommunalbehoerden, die nach der Wende sofort funktionsfaehig sein mussten und keine Zeit hatten, eigene technische Infrastrukturen aufzubauen. Sie vertrauten sich privatisierten Datenverarbeitungszentren (DVZs) oder neu gegruendeten Servicefirmen an. Mit dieser Klientel verdienen die IT-Anbieter im Moment noch mehr als jede zweite Mark. Jeder groessere Dienstleister hat spezielle Loesungen fuer die oeffentliche Hand im Angebot.

Dieses Marktsegment ist laengst nicht ausgeschoepft. Haben die Anbieter erst einmal Tritt gefasst, richten die meisten ihr Marketing auch in Richtung der Wirtschaftsunternehmen, die im Interesse einer raschen IT-Konsolidierung und anders als in den alten Bundeslaendern wenig Beruehrungsaengste gegenueber externen Dienstleistern zeigen. Beispielsweise die Berliner Fiducia Geno- Datenservice, zweitgroesstes Service-Rechenzentrum in den neuen Bundeslaendern. Sie begann mit der Betreuung der ostdeutschen Volks- und Raiffeisenbanken, strebte dann aber schnell eine groessere Branchenoeffnung an.

Die von Solidaritaetsdenken gepraegte Priorisierung ostdeutscher Dienstleister foerdert ihre positive Konjunkturentwicklung. Allerdings profitiert nicht jeder Anbieter von diesem Heimvorteil. Im vergangenen Jahr verzeichnete jeder fuenfte Ertragsrueckgaenge oder mindestens eine Stagnation des Geschaefts. Einige wie die Chemnitzer GEK/Complex-Informationssysteme oder die Data Experts in Neubrandenburg waren mit Umsatzeinbussen in zweistelliger Groessenordnung besonders stark betroffen.

Der Grund dafuer ist die langsam beginnende Marktbereinigung. Wie anderswo auch, kristallisieren sich die Player heraus, andere werden in Nischenpositionen zurueckgedraengt. Darin liegt besonders fuer die grosse Zahl kleiner Softwarehaeuser eine Gefahr. Zwei Drittel der gut 200 Anbieter erwirtschafteten im vergangenen Jahr weniger als jeweils zwei Millionen Mark Umsatz und beschaeftigen im Durchschnitt weniger als ein Dutzend Mitarbeiter. Sie gehoeren zwar zu den positiven Erscheinungen der ostdeutschen Entwicklung, nicht allen duerfte aber das Glueck zuteil werden, sich ausreichend stark im Wettbewerb zu etablieren.

Die wichtigsten DV-Dienstleister in den neuen Bundeslaendern

Name/ Umsatz Beschaeftigte Service- Branchen-

Ort '93 (Mio.) Angebote orientierung

VW-Gedas 65,0497 ST1, ST2, ST3,A, OE, I,

Berlin/Zwickau B, P, SI, K, CH, V

Fiducia Geno- 50,0200 ST1, St2, ST3,OE, F, I, H,

Datenservice, Berlin SI, B, BS, P D, E, V

Alldata GmbH 44,1240 ST1, ST2, B, OE, B, V, D

(ABI) BS, K, SI, P

Dete CSM, Magdeburg45 240 ST3, SI, B, P OE, I, B. E

SRS Software-/41,9300 ST1, ST3, BS, M, OE, V, D

Systemhaus, Dresden N, B

Isicad, Boehlitz 41,8104 C M

Datenverarbeitungszentrum- 33,1300 ST3, P, Oe

Mecklenb./Vorpommern B, K

GEK/Complex Informa- 26,3180 ST2, B, POE, I, H, D

tionssysteme,Chemnitz

DVZ Suhl 20,2230 ST3, K, BOE, H, C

NTG Netzwerk und 20,0 70 N, K, B OE, F, H

Telematic, Chemnitz

Data Expert, 19,0150 ST3, SI, K OE, B, H, V,

Neubrandenburg B, D

Data Informatik, Zeitz 5 31 ST1, B OE, C

Debis Systemhaus, k. A. k. A. ST1, ST2, ST3,OE u. a.

Berlin, Leipzig u. a. SI, P, B

Abkuerzungen

Serviceleistungen: ST1 (Standardsystem SAP), ST2 (Standardsystem PAISY), ST3 (andere bzw. eigene Standardanwendungen), BS (Branchensoftware), B (Beratung), S1 (Systemintegration), K (Kommunikationsloesungen),

N (Netzwerkloesungen), P (Produktionsservice), C (CAD/CAM)

Branchenorientierung: OE (Oeffentliche Verwaltungen), I (Industrie), H (Handel), D (Dienstleistungsbetriebe),

F (Finanzwirtschaft), B (speziell Baugewebe), V (speziell Versorgungsunternehmen), C (speziell Chemische Industrie), M (speziell Maschinenbau), A (speziell Automobilindustrie)

Wilfried Heinrich

Der Autor arbeitet als Journalist in Koeln.