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16.09.1983

Öffentliche Verwaltungen wollen mit Btx mehr Bügerservice realisieren

Starke Nutzung von Bildschirmtext erwarten Experten auch durch die öffentliche Verwaltung. Die Einsatzmöglichkeiten sind in der Tat vielfältig, das haben die Aktivitäten der unterschiedlichsten Institutionen bereits im Feldversuch gezeigt. Paul Mantek vom IBM Branchenzentrum für Wissenschaft und Verwaltung in Bonn mißt gerade diesen Anwendungen aus der Pilotphase des neuen flächendeckenden Post- Dienstes große Bedeutung bei. Johann Haimerl vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium begründet hier die Umstellung einer landwirtschaftlichen Datenbank auf Btx. Lutz Elzner von der Fernuniversität Hagen schildert im folgenden den Versuch via Btx Teile des Informatikstudiums am heimischen Fernseher respektive Btx- Terminal abwickeln zu lassen. Günstiges Preis-/ Leistungsverhältnis pro Interaktion und mehr "Kundennähe" beziehungsweise mehr "Bürgerservice" sind demzufolge auch in der öffentlichen Verwaltung die Hauptargumente mit denen der Einsatz oder die Umstellung auf Btx begründet wird.

Dr. Lutz Elzner

Fernuniversität und Gesamthochschule Hagen

Wie kann Studenten einer Fernuniverisität DV- Kapazität zur Verfügung gestellt werden? Mit diesem Problem muß sich die Fernuniversität in Hagen auseinandersetzen, deren Studenten über das ganze Bundesgebiet verteilt oder sogar im Ausland ansässig sind und zu Hause, statt am Ort der Hochschule, ihrem Studium nachgehen. Seit Ende letzten Jahres wird am Hagener Hochschulrechenzentrum deshalb ein DFG gefördertes Projekt erprobt, studentischen Btx- Teilnehmern einen Dialogzugriff auf den Hagener Rechner (3031 unter MVS) zu ermöglichen.

Geeignete Erweiterungen in der Btx- Rechnerverbund- Software erlauben, eine Verbindung zum Dialogsystem TSO aufzubauen, wobei dem TSO gegenüber entweder ein zeilenorientiertes oder ein vollschirmunterstützendes Endgerät simuliert wird. Entsprechend der Anzahl PVCs können derzeit maximal zwölf Fernstudenten parallel eine Dialogsitzung führen und damit vom Wohnzimmer aus die Rechnersoftware nutzen. Beispielsweise können sie zum Erlernen einer Programmiersprache Programme über SPF eingeben und editieren, zur Ausführung bringen und anschließend am Btx- Bildschirm anschauen. Drucklisten werden auf Anforderung per Post zugesandt.

Bildschirmtextbedingte Einschränkungen wie das kleine nur 24 x 40 Zeichen umfassende Btx- Fenster oder das Fehlen spezieller Programmfunktionstasten erweisen sich dabei als hinderlich. Auch der Direktanwahl von Btx- Seiten während einer Btx- TSO- Sitzung kann nicht stattgegeben werden; stattdessen werden bestimmte *nnn#- (?) Anforderungen interpretiert als Auslösen nicht vorhandener Tasten oder als Anforderung zum Verschieben des Fensters. Damit ist es grundsätzlich möglich, eine TSO/ SPF- Sitzung über Btx abzuwickeln, wie auch die zunehmende Nutzung zeigt. Derzeit machen 30 von 60 fernstudentischen Btx- Teilnehmern von diesem Service Gebrauch, der werktags von 16 Uhr bis 6 Uhr morgens und am Wochenende durchgehend angeboten wird.

In der Feldversuchsumgebung fallen für den Teilnehmer im Raum Berlin oder Düsseldorf nur die Telefonkosten und einmalige Kosten für die Anschaffung einer alphanumerischen Tastatur (die auf Wunsch auch leihweise zur Verfügung gestellt wird) an. Es ist geplant, im Btx- Regeldienst den Zugriff auf das Dialogsystem CMS des Hagener VM- Rechners zu realisieren. Eine Abschätzung ergibt, daß dann etwa 4 Mark Gebühren pro Stunde Sitzungsdauer an die Post zu entrichten sind. Da in der Btx- Rechnerverbund- Software ein Endgerätetyp simuliert wird (3767 beziehungsweise 3278), kann prinzipiell auch der Zugang zu anderen Dialogsystemen geschaffen werden. So wurde eine IMS- Sitzung einschließlich Message Format Service über Btx erfolgreich getestet. Ein Rechnerzugriff dieser Art erscheint damit auch für andere Institutionen interessant.

Paul Mantek

Betriebswirt (grad.),

IBM Branchenzentrum für Wissenschaft und Verwaltung Bonn

Zweifellos beobachtet auch die öffentliche Verwaltung den neuen Bildschirmtext- Dienst der Deutschen Bundespost intensiv und analysiert ihn auf seine Verwendbarkeit für die Aufgaben und Leistungen der verschiedenen Behörden. Das läßt sich allein schon von der Vielzahl der Informationsanbieter aus der öffentlichen Verwaltung ableiten, die sich aktiv am Feldversuch beteiligen und ihre Beteiligung oftmals mit wissenschaftlichen Begleituntersuchungen versehen. Einige Bereiche seien besonders genannt:

Kommunalverwaltungen:

Hier fällt auf, daß die Zahl der Stadtverwaltungen, die am Feldversuch teilnehmen und nicht im unmittelbaren Feldversuchs- Einzugsbereich angesiedelt sind, recht hoch ist. Charakteristisch für die Art der angebotenen Informationen ist dabei die folgende Informationsstruktur:

- allgemeine Informationsangebote,

- aktuelle Informationsangebote,

- Informationen nach Zielgruppen und Bereichen.

Dabei steht das Bemühen im Vordergrund, die oft vielfältigen Behördenleistungen hervorzuheben sowie die Möglichkeit, diese zu nutzen und für die Btx- Teilnehmer transparent zu machen. Zugleich versucht man, Ängste und Unwissenheit der Bürger abzubauen und über Rechte und Pflichten aufzuklären. Neben diesen mehr statischen Informationsangeboten wird der direkte Dialog über Btx zunehmen.

Dazu zählen zum Beispiel das Reservieren und Bestellen von Eintrittskarten für bezuschußte Bildungs- und Kultureinrichtungen, die Belegung von Volkshochschulkursen und der Abruf von städtischen Dienstleistungen sowie die Kontoabfrage für Gebühren, Steuern und Abgaben, die an die Gemeinde zu entrichten sind. Niedrige Investitionskosten und günstige Betriebskosten für Btx- Teilnehmerterminals bilden die Voraussetzung, mit Bildschirmtext auch bestehende und zukünftige Datenfernverarbeitungsanwendungen zu ergänzen (Inhouse- Netze).

Landes- und Bundesverwaltungen:

Auch hier beschäftigen sich bereits zahlreiche Verwaltungen und Körperschaften mit Bildschirmtext. Sie nutzen Btx als Beratungs- und Kommunikationsmedium zum Beispiel für die Bereiche Polizei, Agrarwirtschaft, Finanzverwaltung, Land- und Bundestag, Verkehrswesen.

Gesetzliche Sozialversicherung:

Auch im Bereich der gesetzlichen Sozialversicherung (Renten-, Kranken- und Unfallversicherung sowie Arbeitsvermittlung) werden von den einzelnen Körperschaften über Bildschirmtext Informationen angeboten. Hier kann ebenfalls davon ausgegangen werden, daß sich der Anwendungskatalog zukünftig erheblich erweitert. Zum einen will man den Service für die Versicherten und Mitglieder verbessern, zum anderen Bildschirmtext für die Kommunikation innerhalb der verschiedenen Körperschaften in geschlossenen Benutzergruppen einsetzen. So würde sich Btx für bereichsübergreifende Informationen von der Bundesebene bis zur lokalen Geschäftsstelle eignen.

Energieversorgungsunternehmen:

Dieser Bereich befaßt sich ebenfalls mit der Entwicklung höchst interessanter Anwendungen. Dabei kann man zwischen reinen Informationsangeboten (wie Energievorteile, anwendungstechnische Systemvergleiche, Erläuterung von Wärmeschutzmaßnahmen), Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel Imagebildung des Unternehmens, Zusammenhänge zwischen Energie und Wachstum, Unterrichtsprogramme), Tarifinformationen (wie Preise je Energieart, Bestabrechnung) und Dialoganwendungen (zum Beispiel Änderungsdienst für Adressen und Tarife, Zählerstandsübermittlung durch den Kunden, Zahlungsverkehr, Verkaufsabrechnung) unterscheiden.

In der Gesamtheit betrachtet zeigen diese Beispiele, daß die öffentliche Verwaltung die Bedeutung des neuen Mediums Bildschirmtext richtig einschätzt. Zu den Gründen, die privatwirtschaftliche Unternehmen veranlassen, sich mit Btx- Anwendungen zu beschäftigen, kommen weitere hinzu. Bürgerbezogenheit des Informationsangebotes, einfacher und kostengünstiger Zugriff zählen zu den Argumenten, die den Einsatz von Bildschirmtext durch die öffentliche Verwaltung im breiten Maße rechtfertigen. Letztlich wird die Qualität des Informationsangebotes entscheiden, ob der Bürger dieses neue Medium nutzt oder weiterhin die Beratungs- und Auskunftsdienste der öffentlichen Verwaltung beansprucht und damit die Sach- und Personalausgaben erhöht.

Dr. Johann Haimerl

Ministerialrat, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, München

Der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung als Fachverwaltung obliegen im wesentlichen die seit 100 Jahren eingeführte Beratung der Landwirte und der Haushalte in Fragen der Ernährung und des Haushalts, der Vollzug von Bundes- und Landesgesetzen sowie EG- Verordnungen, das Betreiben landwirtschaftlicher und hauswirtschaftlicher Fachschulen sowie die angewandte Agrarforschung. Diese Aufgaben machen einen sehr engen, intensiven und raschen Informationsaustausch notwendig. Zur möglichst bürgernahen Erledigung werden daher bereits seit Mitte der 50er Jahre neue Informationstechniken und Medien wie EDV eingesetzt.

1972 wurde mit dem Aufbau des integrierten computergestützten Bayerischen Landwirtschaftlichen Informationssystems- "Balis"- begonnen. In ihm sind Daten über die und für die bayerische Landwirtschaft gespeichert. Über ein landesweites Teleprocessing- Netz geschieht derzeit die Nutzung von Balis im Dialog. Aus technischen und Kostengründen endete bisher die unmittelbare Nutzung von Balis beim Sachbearbeiter an der Außenstelle, also am Amt für Landwirtschaft, an der Außenstelle einer Selbsthilfeeinrichtung oder eines landwirtschaftlich orientierten Verbandes.

Das neue Medium Bildschirmtext macht es nun möglich, daß sowohl Landwirte wie auch Bürger nicht mehr den aufwendigeren Weg zur Dienststelle machen müssen, sondern rund um die Uhr dieses Medium Balis unmittelbar zur Verfügung haben und nutzen können. Ständig können aktuelle Informationen abgerufen und Berechnungen im Dialog ausgeführt werden, beispielsweise über das aktuelle Wettergeschehen, über Fragen der pflanzlichen und tierischen Produktion, Berechnungen und Abrufe zur Verbesserung des Betriebsmanagements, über Urlaub auf dem Bauernhof, Fragen der Ernährung und der Haushaltsführung. Der Landwirt kann dabei auch auf seine in Balis gespeicherten Daten zugreifen.

Aus diesem Grunde hat das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bereits 1980 mit dem Aufbau eines Btx- Angebotes begonnen, das in der Btx Düsseldorf unter *7869# abgerufen werden kann. Um in Zusammenarbeit mit Landwirten ein aktuelles und akzeptables Angebot erarbeiten zu können- sowohl in Düsseldorf wie auch in Berlin sind Landwirte als Teilnehmer nicht vertreten- hat die Deutsche Bundespost einen landwirtschaftlichen Praxistest von Bildschirmtext in drei ausgewählten Gebieten (das sind die Landkreise Kaufbeuren, Landshut und Bayreuth) ermöglicht.

Da davon auszugehen ist, daß es für Landwirte als Btx- Teilnehmer von großem Vorteil ist, wenn landwirtschaftliche Informationen gebündelt in einem Fachprogramm angeboten werden, haben sich landwirtschaftlich ausgerichtete Btx- Anbieter (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bayerischer Bauernverband, BLV- Verlangsgemeinschaft sowie bayerische Selbsthilfeeinrichtungen und landwirtschaftliche Verbände) entschlossen, durch Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft ein gemeinsames Informationsangebot zu erstellen.

Wolfgang Wissing

Institutsleiter, Stadtverwaltung Düsseldorf

Das Angebot der Bundespost zur Nutzung des Mediums "Bildschirmtext " ist eine Herausforderung auch für die öffentliche Verwaltung und hier nicht zuletzt für den kommunalen Bereich. Den interessierten Bürgern, natürlich auch Firmen, Verbänden und sonstigen privaten Einrichtungen wird neben Telefon, Radio und Fernsehen eine weitere Variante nutzbringender Informationstechnik verfügbar gemacht: Ein dialogfähiges Terminal mit Verbindung zu jedermann, zu hoffentlich vertretbaren Konditionen.

Information in Richtung auf den Bürger und Dialog mit diesem ist bestimmender Inhalt vieler Verwaltungsverfahren der Städte, Kreise und Gemeinden. Bereits die durch Feldversuche gewonnenen Erfahrungen kommunaler Stellen (Berlin, Augsburg, Düsseldorf, Mettmann, Neuss) bei der Präsentation aktueller Informationen für Btx- Teilnehmer, aber auch die insbesondere vom Handel und den Geldinstituten praktizierten Dialoganwendungen öffnen für Behörden eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten.

Es versteht sich, daß die äußerst knappen öffentlichen Haushaltsmittel zu kritischen Nutzenanalysen zwingen, die neben einem verbesserten "Bürgerservice" auch Verbesserungen in der Wirtschaftlichkeit des Verwaltungshandelns und der Funktionalität der Behörde aufzeigen können. Größere Investitionen in Hard- und Software sind unerläßlich, wenn man das Anwendungsspektrum in Richtung auf den Dialog, also in Verbindung mit der Datenverarbeitung und der Textverarbeitung, öffnen will.

Letztlich wird es eine Summe von Abstimmungsprozessen geben, denn es sollten kommunale Standards beispielsweise Suchvorgänge (Suchbaum, Schlagwortverzeichnis) und für Darstellungsformen (Design) vorhanden sein, einheitlich abgestimmte Gebührenregelungen in Kraft gesetzt und gemeinsame zweckorientierte Angebote in der Region vereinbart werden. Gedacht ist hierbei unter anderem an Platzbuchungsverfahren für die unterschiedlichsten Kultur- , Freizeit- und Bildungsangebote.

Schon heute sind bundesweit kommunale Arbeitskreise, Anwendungsgemeinschaften und Schuluhgsstätten aktiv, die Erkenntnisse sammeln, vertiefen und weitergeben. Ein Schwerpunkt in der Erarbeitung übertragbarer Anwendungslösungen mit Förderung der Bundespost und Unterstützung durch das Betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation (Uni Köln) liegt bei der Arbeitsgemeinschaft Kommunale Datenverarbeitung in Nordrhein- Westfalen (AKD).

In drei abgestimmten Projektgruppen (Projektleitung Stadt Düsseldorf und Kommunale Datenzentrale Niederrhein, Moers) wurde mit Analysen und Verfahrensvorgaben begonnen. Große Aufmerksamkeit findet im Rahmen der Projektarbeit die Nutzung eigener Rechnerkapazitäten und bestehender Datenfernverarbeitungsnetze für Btx- Anwendungen. Fachwissen, Erfahrung aus DV- Projekten und personelle wie maschinelle Kapazitäten lassen frühe und übertragbare Verfahrenslösungen erwarten.