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08.11.1991 - 

Umweltverordnung wirft viele Fragen auf

Öko-Konzepte der Hersteller haben noch so manche Lücke

MÜNCHEN (hp) - Umweltengagement ist werbewirksam. Von der umstrittenen Rücknahmeverordnung des Umweltministeriums zusätzlich angestachelt, entwickelt ein DV-Hersteller nach dem anderen sein spezielles Ökokonzept. Daß für Problemstoffe wie Bildröhren noch keine Verwertungsmöglichkeit in Sicht ist, wird allerdings meist unter den Tisch gekehrt, so auch bei der Recycling-Veranstaltung der Deutschen Congress Gesellschaft.

Wie die geplante Abfallverordnung, die Ende 1993 in Kraft treten soll, nun endgültig aussehen wird, ist bis jetzt noch nicht geklärt. Fest steht aber, daß die DV-Hersteller, Importeure und Händler in die Pflicht genommen werden. Nach dem aktuellen Stand der Diskussionen müssen sie beim Neukauf alte Geräte zurücknehmen, und das, unabhängig davon, ob sie bei ihnen gekauft wurden oder nicht. Die ausgemusterten Geräte sollen zum Großteil recycelt werden, und nur was nachweislich nicht verwertet werden kann, kommt zum Abfall.

Will der Kunde kein neues Gerät kaufen, sondern nur sein altes zurückgeben, muß der Händler ihm eine geeignete Annahmestelle nennen. "Die Verordnung soll DV-Hersteller zu einer ökologischeren Produktplanung veranlassen", erklärt Axel Schönfeld, wissenschaftlicher Direktor beim Umweltamt in Berlin. Die Kosten für die Sammlung, Verwertung und Entsorgung sollen die Anwender durch erhöhte Geräteneupreise tragen.

lnitiatoren sind heftiger Kritik ausgesetzt

Über die Rücknahmeverordnung diskutieren die Behörden und der Recycling-Arbeitskreis von ZVEI und VDMA seit einigen Monaten. Die Initiatoren der Verordnung sind hier, vor allem was den relativ knappen Zeitrahmen anbetrifft, heftiger Kritik ausgesetzt. Aber auch bei der Logistik und Finanzierung gibt es noch viele ungeklärte Fragen. Darüber ist sich auch die Behörde im klaren.

Kopfzerbrechen bereitet ihr die Beschränkung der Verordnung auf Deutschland. "Ein großes Problem sind Versandhäuser, die per Post nach Deutschland importieren, hier aber keinen Sitz haben. Oder wie stellt man sicher, daß die Daten auf den Festplatten der alten Geräte nicht in die falschen Hände geraten", gibt Schönfeld zu bedenken. Auch die Frage, wie die EG auf den Alleingang der Bundesrepublik reagiert, steht noch in den Sternen. Dazu Schönfeld: "Wenn es hier Schwierigkeiten gibt, hat es zumindest den Vorteil, daß sich die EG mit dem Thema Recycling beschäftigt."

Einige Hersteller haben der Verordnung vorgegriffen und bieten schon jetzt die Rücknahme von Geräten an. Eines der ersten Recycling-Konzepte stellte Nokia letztes Jahr vor. Die Rechner, Bildschirme oder Drucker werden von Hand in sieben Fraktionen auseinandergelegt: Eisen- und Metallschrott, Kunststoffe, Leiterplatten, Stecker und -verbindungen, Kabel, Batterien und Glas. Die einzelnen Teile gibt Nokia an die entsprechende Verwertungsfirmen weiter. Auch SNI nimmt inzwischen alte Geräte zurück.

Die DV-Hersteller stehen allerdings alle vor dem gleichen Problem: Für die Bildröhren, Kondensatoren, Batterien und Kunststoffe gibt es noch keine befriedigende Verwertungsmöglichkeit. Schwierigkeiten beim Kunststoff bereiten vor allem die bromhaltigen Flammschutzmittel, die bei der Verbrennung Dioxine freisetzen. Nokia hat darauf reagiert und verzichtet auf Brom.

Kunststoffe müssen entweder sortenrein oder gekennzeichnet sein, um sinnvoll weiterverarbeitet werden zu können. "Bei der Kennzeichnung sind wir auf die Hilfe der Kunststoffhersteller angewiesen, die bis jetzt wenig kooperativ waren", kritisiert Günter Jobs, Leiter der Qualitätssicherung bei Mannesmann Tally. Der Druckerhersteller initiierte ein Pilotprojekt zur Wiederverwertung von Kunststoff und kam zu dem Ergebnis, daß bei der Verwendung von 25 Prozent Regranulat sowohl die technischen Daten als auch die Farbe zur Zufriedenheit ausfielen.

Ein nach wie vor ungelöstes Problem ist das Recycling von Bildröhren deren Glas mit Schwermetallen wie Barium und Blei versehen ist. Sofern sie nicht im Mülleimer der Haushalte landen, werden sie als Sondermüll deklariert und in Deponien gelagert. Bis jetzt sieht sich die Glasindustrie nicht in der Lage, wesentliche Mengen Glas anzunehmen, selbst wenn es sortenrein und ohne Beschichtung vorliegt.

Die Hersteller sind sich einig, daß schon bei der Produktion die spätere Wiederverwendbarkeit berücksichtigt werden müsse. Je weniger Schrauben am Gerät desto einfacher ist die Demontage, die meist von Hand erfolgt.