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BP setzt auf offene Systeme


27.07.1990 - 

Öl-Multi verläßt den blauen Mainframepfad

MÜNCHEN (hv) - "Wir sorgen für Bewegung", verspricht Öl-Gigant British Petrol in einem Werbespot - und beginnt mit der Umsetzung dieser Pläne bei der eigenen DV: IBM-Großrechner und kompatible Systeme werden ausgemustert und durch eine verteilte Umgebung von Unix-Systemen ersetzt.

"Das Projekt mit der Bezeichnung ,European Systems Programme' (ESP) läuft seit Oktober 1989 und sieht bis 1993 die Neuentwicklung unserer Kern-Systeme vor", teilt die britische Muttergesellschaft mit. Die derzeit eingesetzten Großrechnersysteme seien zum Teil älter als 20 Jahre. Um auf dem bevorstehenden Binnenmarkt konkurrenzfähig zu sein, gelte es, die zentralen Systeme rechtzeitig auf einen einheitlichen und modernen Stand zu bringen. Dazu wollen die Briten auf offene Systeme und das Betriebssystem Unix setzen.

Der Hardwarebestand bei BP, so die Informationen eines Geschäftspartners, war bisher eher heterogen. Unterschiedliche Systeme von verschiedenen Herstellern kamen zum Einsatz. Dazu BP: "Unsere Schlüsselgeschäfte wurden auf großen proprietären Systemen abgewickelt.

Daher ist bei der DV-Umstellung besondere Vorsicht geboten, denn die Migration zu offenen Systemen darf nicht unsere tagtägliche Geschäftsabwicklung behindern."

Welche Hardwareprodukte künftig zum Einsatz kommen sollen, ist noch nicht entschieden. Ihre alten Softwaresysteme will die Ölgesellschaft ausmustern. Mit der aufwendigen Konvertierung bestehender Anwendungen kann und will man sich nicht herumschlagen: "Die wichtigste Software wird nicht im traditionellen Sinne konvertiert; wir führen ein komplettes Re-Design aller Produkte durch."

Um den Zuschlag für eine neue, unternehmensweit eingesetzte Finanzsoftware haben sich nach Mitteilungen eines Insiders einige namhafte europäische Softwarehäuser bemüht. Nach einer Mitteilung des englischen Branchen-Informationsdienstes "Computergram" ist BP Oil jetzt mit Oracle ins Geschäft gekommen. Beide Unternehmen haben einen Vertrag über etwa 2,5 Millionen Pfund abgeschlossen .

Über das Budget des ganzen ESP-Projektes besteht noch Unklarheit. Von einer 100-Millionen-Pfund-Umstellung war in verschiedenen Berichten die Rede. BPs Stellungnahme zu dieser Zahl ist ausweichend: "Man kann davon ausgehen, daß jedes Re-Development-Verfahren auf einer solchen paneuropäischen Ebene einen beträchtlichen Aufwand - sowohl in Manpower als auch in Equipment ( beanspruchen wird."

Mit der Umstellung der wichtigsten Geschäfte auf eine Unix-Umgebung will das Unternehmen nach eigenem Bekunden dem jüngsten Trend in der Datenverarbeitung Rechnung tragen, nämlich der wachsenden Akzeptanz von Client-Server-Architekturen. Eine ähnlich konsequente DV-Umstellung in Richtung herstellerunabhängige Systeme haben in Europa bisher in erster Linie Behörden realisiert. In einem Punkt stellt die britische Ölgesellschaft bereits eine Ausnahme dar: Zumindest beim europaweiten Vertrieb setzt BP laut "Computergram" schon seit einiger Zeit auf verteilte Systemumgebungen.