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19.04.1991

Offen sind nur die Fragen

Engländer haben etwas übrig für Humor. Darum nahmen sie es eher von der spaßigen Seite, als sie "das Konsortium des heutigen Tages" ausriefen. Gemeint ist die ACE-Gruppe, wieder einmal eine Interessenvereinigung - keine Liebeshochzeit - von Unternehmen, welche sich für den Anwender den Kopf zerbricht.

"Sie hat Spezifikationen für Hard- und Softwareplattformen definiert, zwei Hochleistungs-Betriebssysteme entwickelt und eine offene, portierbare Anwendungsumgebung gefördert." Das haben wir so ähnlich schon einmal gehört.

Sie tut das - eine gänzlich philanthropisch gesinnte Unternehmensvereinigung - natürlich aus ganz uneigennützigem Streben: "Wir wollen schließlich die Standards schaffen, die die Kunden verlangen und die ihre langfristigen Investitionen schützen", so John L. Doyle von HP.

Auch diese Rhetorik hat vor allem den Bekanntheitswert für sich. Beide Aussagen stammen allerdings von einer anderen Veranstaltung, sie wurden 1988 der OSF ins Gründungsbuch geschrieben. Auf den Standard warten wir heute noch.

Jetzt also ACE: Man muß sich ja nicht der Meinung von Kritikern anschließen, die in dem Konsortium eine auffällige Sammlung von Losern sehen - vereinigt gegen die Winner Sun und IBM im Bestreben, aus einem Schnittstellen-Cocktail einen Unix-Standard mehr zusammenzumixen.

Man sollte den Sirenenklängen der ACE-Gruppe trotzdem nicht ohne weiteres erliegen. DEC wird als der eigentliche Nutznießer des Konsortiums gehandelt, weil sie neben 2000 Ultrix-Anwendungen den größten Architekturbeitrag beigesteuert hat. Vor allem aber bietet DEC ein ausgedehntes Service- und Support-System und die Erfahrung in Multivendor-Umgebungen.

Im Gegensatz dazu lebt Trittbrettfahrer Compaq von der Hoffnung: Die Texaner müssen erst noch beweisen, daß für sie als reinem PC-Boxenverkäufer das Anforderungsprofil des Midrange-Kunden nicht eine Nummer zu groß ist und sie der DEC -Konkurrenz Vergleichbares entgegensetzen können.

Über Microsofts Umsatz braucht man sich wohl am wenigsten Gedanken machen. Mips wiederum, nach Compaq-Manager Andreas Barth das "Intel der 90er Jahre", muß sich die Pfründe der Allianz mit fünf Herstellern der RISC-CPU teilen.

Die Konkurrenz schläft derweil nicht: IBMs AS/400-Ankündigung soll mit einem Wort überschrieben sein: Offenheit. Marktführer Sun und HP konterten die ACE-Initiative mit einem eigenen hardwaretransparenten Softwarekonzept. Und Unix Laboratories soll im Mai bieten, was ACE heute verspricht: eine einheitliche Schnittstelle (API) für die Mips -Architektur. Die Referenzimplementation läuft auf Unix System V. Die Zeit läuft dem ACE -Konsortium schon jetzt davon.