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03.05.2005

Offene ERP-Plattform soll Kunden locken

Mit "My Open Factory" wollen Forscher und Hersteller einen Quasi-Standard für die anbieterübergreifende Vernetzung von Fertigungssystemen etablieren.

Wir brauchen die Breite im Markt, um My Open Factory als Quasi-Standard umzusetzen", wirbt Günther Schuh, Direktor des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen, für die geplante offene ERP-Plattform. Anlässlich der 12. PPS-Tage am 27. und 28. April in Aachen trommelten Forscher und Softwarehersteller gemeinsam für ihr jüngstes Projekt.

Ziel der My-Open-Factory-Initiative ist es, Anwendern ein Internet-basierendes Koordinationsinstrument an die Hand zu geben, um Informationen zwischen verschiedenen ERP-Systemen austauschen zu können. Unternehmen sollen über die Online-Plattform Projekte und Aufträge firmenübergreifend abwickeln können. Auf Basis einheitlicher Datenstrukturen will das FIR gemeinsam mit Anbietern von Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Lösungen einen Quasi-Standard für Anwender aus dem produzierenden Gewerbe schaffen. Während das Forschungsinstitut das "Cockpit" beisteuert, mit dessen Hilfe Anwender auf die verschiedenen Systeme zugreifen, sorgen die Softwarehersteller für die notwendigen Schnittstellen und erbringen Beratungs- und Wartungsdienstleistungen.

"Die Plattform ist für alle ERP-Anbieter offen", lädt Schuh zum Mitmachen ein. Derzeit sind mit Infor, Proalpha und Psipenta allerdings erst drei Hersteller mit an Bord. Diese drei kämen jedoch auf einen stattlichen Anteil der Fertigungssysteme im deutschen Mittelstand, versichert der Forscher. "Erklärtes Ziel der Initiative ist es, dass bereits in naher Zukunft die Gesamtheit der mittelständischen ERP-Anbieter diesem Standard folgt."

Bis dahin dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Das Projekt wird mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) noch bis März 2007 unterstützt. Derzeit gibt es einen Prototypen, der zwar Grundfunktionen beherrscht, aber noch nicht stabil läuft, berichtet Schuh. Ab August dieses Jahres werde zwar eine robustere Betavariante folgen, die jedoch nach wie vor als Testversion zu gelten habe. Als möglichen Starttermin der My-Open-Factory-Plattform nennt er das Frühjahr 2006.

Frage nach Geschäftsmodell

Bevor es so weit ist, gilt es für die Projektverantwortlichen noch einige Hausaufgaben zu erledigen. So müssen beispielsweise weitere Anbieter für die Plattform geworben werden. Kooperierende Softwarehersteller seien erfolgreicher als der Branchendurchschnitt, wirbt der FIR-Direktor.

Außerdem müssen sich alle Beteiligten ein Geschäftsmodell überlegen. Dies sei auch die nächste formale Hürde, die es zu überwinden gelte, räumt Schuh ein. Laut den bislang bekannt gewordenen Plänen soll sich eine Genossenschaft um den Betrieb von My Open Factory kümmern. Die Beratungen über ein mögliches Preismodell stehen dagegen erst am Anfang. Neben einem Jahresbeitrag von etwa 3000 Euro für die Nutzung der Plattform wird auch über ein transaktionsorientiertes Abrechnungsmodell diskutiert. In jedem Fall sollen die Kosten den teilnahmewilligen Anwendern keine Steine in den Weg legen. Schuh will auch den Kleinunternehmen die Türen zu My Open Factory aufhalten.

Ob es jedoch gelingt, die Anwender für die neue ERP-Plattform zu gewinnen ist keinesfalls sicher. Derzeit zeigen sich die Kunden kaum bereit, in neue Systeme zu investieren (siehe CW 16/05, Seite 14: "ERP-Kunden halten Taschen geschlossen"). Auch auf den PPS-Tagen scheint das Interesse der Anwender zumindest unter dem quantitativen Gesichtspunkt gering. So hätte sich beispielsweise Matthias Scharpe, Senior Sale Manager der Quintiq GmbH, mehr Standkommunikation mit potenziellen Kunden im Ausstellerbereich gewünscht. Auch Vertreter von Psipenta bemängelten den geringen Zuschauerzustrom.

Hohe Besucherqualität

Dennoch zieht Scharpe eine positive Bilanz der PPS-Tage. Wenn auch die Zahl der Kontakte mangelhaft war, so seien die wenigen Besucher zumindest qualifiziert gewesen. Zufrieden mit der zweitägigen Veranstaltung äußerte sich auch Benedikt Schweicher vom FIR. Vor allem die Qualität der Besucher sei gut gewesen, betonte der Veranstalter: 35 Prozent IT-Leiter, 20 Prozent Abteilungsleiter und 15 Prozent Geschäftsführer. Insgesamt habe das Institut 280 Besucher gezählt, 120 hätten an der Fachtagung teilgenommen. Damit sei es gelungen, im Vergleich zu den 200 Teilnehmern im Jahr 2004 die Zahl der Besucher deutlich zu steigern. Allerdings stagniert die Teilnehmerzahl der Fachtagung seit Jahren: "Das ist noch ausbaufähig."