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16.02.1979

Offene Fragen

Noch leistungsfähigere, preiswertere Zentraleinheiten, noch größere Plattenspeicher und ein "Fertigsoftware"-System - IBM tut alles, damit die Fachabteilungen "mehr Datenverarbeitung direkt am Arbeitsplatz nutzen können". So simpel, ganz "Basis-Datenverarbeitungsgemäß", wurden in Böblingen die Führpferde für IBMs "untere Mittelklasse" gewechselt.

Aus der Sicht kleinerer und mittlerer Anwender nimmt sich die Modellvielfalt (/3, /34, /38, 8100, /370-115/-125, 4331, 4340 zunehmend als grotesker Konkurrenzkampf der IBM-Geschäftszweige "Basis-Datenverarbeitung" und "Datenverarbeitung" um ihre Gunst aus.

Doch der DV-Bereich, verantwortlich für die neuen Rechner 4331 und 4341, kappt das Betriebssystem-Band nicht abrupt. Wenngleich IBM DOS/VS ab Release 34 einfriert, so können Tausende von Benutzern des "Disk Operating System/Virtual Storage" aufatmen: DOS/VS wird ihnen auch in der "E-Serien"-Ära erhalten bleiben, denn das Anschlußgleis DOS/VSE (Disk Operating System/Virtual Storage Extended) ist gelegt - ein Spurwechsel sei (so IBM) nicht erforderlich.

Um bei diesem Bild zu bleiben: Die superschicken neuen Waggons 4331 und 4341 sollen so lange auf DOS-Schienen rollen, bis ein moderneres Gleisnetz - sprich Betriebssystem - fertiggestellt ist. Vorläufig wurden nur die Bohlen erneuert und die Gleisfugen abgedichtet.

Über kurz oder lang, so spekuliert IBM vermutlich, werden die Kunden das Angebot zum Umsteigen annehmen. Am liebsten wäre IBM freilich, jeder DOS-Benutzer würde sich für Online-Anwendungen unter DOS/VSE eine Zweitmaschine hinstellen. Wer das "Sonderangebot" nutzen will, muß allerdings ein neues Ticket lösen. Denn auf den "E-Linien" gibt's nicht mal mehr die "Bestecke" umsonst - daß IBM die Lunch-"Pakete" lizenzpflichtig machen würde, war zu erwarten. Die Rede ist vom neuen "IPO/E"-System Installation Productivity Option/Extended, vgl. Seite 1), das die Versorgung der "E"-Klasse-Passagiere mit dem notwendigen Software-Proviant regelt. Die IPO-Karte ist zwar umfangreich, doch steht zu befürchten, daß ausgefallene Menüwünsche das noch ungeübte (Software-) Küchenpersonal überfordern, so daß mit längeren Wartezeiten gerechnet werden muß.

Erschwerend (für IBM) kommt hinzu, daß gleichzeitig drei (Betriebssystem-) Spezialitäten auf der Flamme gehalten werden müssen: DOS/VS, VM/370 und DOS/VSE.

Was läge näher, es würde nur ein Eintopfgericht angeboten, das den Anwender von der Entscheidung entbindet, weiche Betriebssystem-Versionen, welche Datenbank- und Datenfernverarbeitungs-Software er nehmen soll.

Dieses "Über"-Betriebssystem für IBMs kleine und mittlere Anlagen ist offenbar kurz vor dem Garwerden angebrannt. Dafür spricht, daß die Ankündigung der E-Serie mehrfach verschoben wurde, Heißt das jedoch, daß IBM die Entwicklung total portabler Betriebssystem-Software eingestellt hat? Wohl kaum Eher dürfte schon zutreffen, daß die trotz langer Vorbereitung überhastet wirkende 4300-Vorstellung die Befreiung aus einer Zwickmühle war, Tatsächlich könnte die 4300 das Leistungsloch im unteren 370-Bereich, Angriffspunkt für diverse Mitbewerber, ein für allemal stopfen.

Noch scheint IBM freilich in Verlegenheit, wie der Betriebssystem-Kompromiß plausibel werden soll. Zu viele Fragen bleiben offen: Gibt es eine Verbindung zu MVS? Warum wurde nicht auf die Karte "VM/370" gesetzt? Wie soll Timesharing im das funktionieren? Kollidieren die 4300-Rechner mit der Serie 303X? Sind IP0s auch auf Fremdmaschinen einsetzbar? Besteht Abwärtsverträglichkeit mit dem System/3? Wenn DOS/VSE "grundlegend überarbeitet und intern neu strukturiert wurde", wie IBM sagt. Wie weit hat es sich dann von DOS/VS entfernt? Vor allem aber Kommen weitere 4300-Modelle, die erneut die Leistungsgrenzen verschieben?

Wenn die Anwender die Augen offen und die Ohren steif halten, ist der Konflikt programmiert. Allerdings, so IBM zur COMPUTERWOCHE: "Wir leben vorn Wunsch zur Beteiligung." So kann man es auch sagen.