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Interview


18.04.1997 - 

"Offene Standard sind meine Religion"

Die monatelange Suche nach einem Nachfolger für den im August letzten Jahres zurückgetretenen CEO Bob Frankenberg hat kürzlich ein Ende gefunden. Die Netzwerker rekrutierten Eric Schmidt, bis dahin CTO bei der Sun Microsystems Inc.

CW: Warum reizt Sie der Job?

Schmidt: Novell ist weltweit der größte Anbieter von Netzwerksoftware. Das Unternehmen ist finanziell stabil, hat 60 Millionen Kunden und verkaufte im letzten Jahr 250000 Server. Außerdem denke ich, daß das Networking in den nächsten fünf bis zehn Jahren bei allen interessanten Aktivitäten in der Industrie eine wichtige Rolle spielen wird. Warum also nicht in einem Unternehmen beginnen, das in diesem Markt bereits führend ist?

Novell hat sich zudem vom proprietären Protokoll zugunsten offener, auf dem Internet Protocol (IP) basierender Standards verabschiedet. Das ist meine Religion, das ist Musik in meinen Ohren. Ich habe die Möglichkeit, mit Leuten zu arbeiten, die sich 100prozentig zu dem bekennen, was auch mir wichtig ist.

CW: Welche Novell-Technologien sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens?

Schmidt: Alle. Novell hat die vier Produktlinien Intranetware, Groupwise, Managewise und die Verzeichnisdienste, die alles überspannen. Ich denke, die richtige Positionierung ist, alle vier Lösungen zugleich zu verkaufen.

CW: Analysten bezeichneten IPX früher als eine wunderbare Sache. Mittlerweile gilt das Protokoll aber als Erblast. Birgt diese Einschätzung nicht eine Gefahr für Novell?

Schmidt: Sie haben recht, wenn Sie sagen, IPX war wundervoll. Doch die Welt hat sich geändert und Novell ebenso.

CW: Hat Novell nicht mit dem Schwenk zu offenen Standards auch seinen Wettbewerbsvorteil verloren?

Schmidt: Im Gegenteil. In einem Umfeld mit offenen Protokollen muß man zeigen, warum man besser ist. Ich habe einige Jahre bei Sun damit verbracht, zu sagen: "Sicher, wir sind offen, aber unsere Implementierung ist besser." Ich hoffe, bei Novell behaupten zu können: "Sieh doch, jeder benutzt ähnliche Protokolle, aber unsere Lösung ist besser." Lassen Sie mich das Beispiel Windows NT anführen: NT ist nicht sicher, es läßt sich nicht verwalten, es ist nicht zuverlässig, das Domain-Konzept ist ein Desaster. Novell hat Produkte entworfen, die all diese Probleme beheben. Die Novell Directory Services (NDS) sind daher ein strategisches Produkt, und darum hat Sun auch ein Lizenzabkommen mit Novell.

CW: Aber NDS für Windows NT kommt nicht vor Ende des Jahres auf den Markt. Zur gleichen Zeit soll Microsofts Active Directory erscheinen.

Schmidt: Haben Sie schon einmal Microsofts Ankündigungen mit der Realität verglichen? Sicher wird Microsoft in diesen Markt gehen, doch sie sind heutzutage überall. Man arbeitet mit Microsoft und findet Wege, ihnen zu helfen. Auf der anderen Seite gibt es immer Bereiche, in denen man miteinander konkurriert.

CW: Sie haben angekündigt, die von Novell eingeschlagene Richtung weiterzuverfolgen, und sprechen gleichzeitig über neue Technologien. Welche dieser Verfahren werden in naher Zukunft für Novell wichtig sein?

Schmidt: Das Verfahren, das mich am meisten beeindruckt, sind Border Services. Es wird aber auch einen Boom bei Proxy Cache und sicheren Firewalls geben.

CW: Was ist mit Push-Verfahren?

Schmidt: Es ist noch zu früh, darüber etwas zu sagen. Es gibt noch keine Standards, doch ich mag das Push-Modell, weil es Informationen sinnvoll nutzbar macht. Es wird zudem eines der Dinge sein, die ich intern fördern werde.

CW: Angeblich hat es Reibungen zwischen den Niederlassungen in Utah und Kalifornien gegeben. Wo werden Sie Ihr Büro haben, und wie werden Sie die Konflikte beilegen?

Schmidt: In jeder großen Company gibt es Spannungen zwischen Geschäftsbereichen. Das Unternehmen hat einige operationelle Änderungen vorgenommen, auch um eine allgemeingültige Technologie- und Marketing-Richtung einzuschlagen. Soweit ich es einschätzen kann, werde ich die meiste Zeit im Flugzeug verbringen. Die Geschäftseinheiten in Kalifornien und Utah haben ihre speziellen Fähigkeiten. Für mich sieht die derzeitige Konstellation gut aus.

CW: Welche Niederlassungen haben denn welche Spezialitäten?

Schmidt: Lassen Sie mich dies dem Novell-Volk später mitteilen. Derzeit kann ich keine präzise Antwort geben.