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18.10.1996 - 

Thema der Woche

Offene Standards locken IT-Manager ins Intranet

Schlägt die plattformübergreifende Internet-Technologie wirklich bis in die Unternehmensnetze durch? Ist das häufig gehörte "Ja" der Entscheider zum Intranet nur ein Lippenbekenntnis? Wie stark grassiert das Intranet-Fieber in Deutschland, und wie verläuft die Fieberkurve? Die Redaktion wollte es genau wissen und schrieb zu diesem Zweck über 5000 DV-Profis an. In die Wertung kamen 445 Fragebögen.

Lassen wir die Katze gleich aus dem Sack: Es herrscht Aufbruchstimmung in Richtung Intranet - das IT-Management hierzulande hält offenbar, was es verspricht. Nur knapp ein Drittel der Befragten hat mit Intranets derzeit nichts im Sinn, exakt 70 Prozent der Einsender setzten sich hingegen mit der neuen Technologie bereits konkret auseinander.

Nimmt man die Gruppe der Befürworter näher unter die Lupe, zeigt sich folgendes Ergebnis: Immerhin 44 Unternehmen, also ein Zehntel, geben an, schon eine Intranet-Lösung im Einsatz zu haben. 66 Companies (15 Prozent) sind gegenwärtig in der Einführungsphase, und 203 Firmen - sprich 45 Prozent aller Teilnehmer - planen kurz- oder mittelfristig ein Netzwerk auf Basis der Web-Technik.

Bei der Intranet-Realisierung haben Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern laut Umfrage die Nase vorne. Ein Fünftel der Firmen dieser Kategorie sagt allerdings auch noch klar nein zur Netzrevolution. Erstaunlich hoch ist die Zahl der Verweigerer in der mittelständischen Firmengruppe mit 101 bis 500 Angestellten. Hier haben 33 Prozent der Befragten mit Intranets noch nichts am Hut. Nur knapp über diesem Wert führen die Kleinbetriebe mit 37 Prozent Ablehnern das Anti-Intranet-Lager an.

Noch mehr als die Traditionalisten interessieren an dieser Stelle jedoch die Intranet-Verfechter und natürlich, wie es um deren Entschlossenheit bestellt ist. Ein Blick in die Pläne der Teilnehmer zeigt, daß immerhin 16 Prozent noch in diesem Jahr die Migration anpacken wollen. Der Löwenanteil, nämlich gut die Hälfte, plant 1997 das Abenteuer Intranet. Knapp ein Fünftel aller Interviewten nimmt sich bis 1998, ein Zehntel bis 1999 Zeit. Nur eine Minderheit von zwei Prozent will erst im neuen Jahrtausend zu Intranet-Ufern aufbrechen (siehe Abbildung 1).

Als sehr mutig in puncto Intranet-Umstieg erweisen sich der Studie zufolge kleine Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten sowie Großunternehmen mit über 500 Mitarbeitern. Ein Fünftel der Großen beabsichtigt, noch 1996 den Schritt in die Intranet-Ära zu wagen, bei den Kleinen sind es sogar stattliche 36 Prozent.

Vornehme Zurückhaltung üben hingegen noch die Firmen mit 21 bis 50, 51 bis 100 sowie 101 bis 500 Mitarbeitern in diesem Jahr, wobei mittelständische Unternehmen mit einer Quote von 60 Prozent für 1997 ein äußerst starkes Interesse am Intranet signalisieren. Mit Nennungen von jeweils über 50 Prozent machen, wie schon angedeutet, die Unternehmen aus den anderen Kategorien allerdings auch deutlich, im nächsten Jahr vermehrt auf den Intranet-Zug aufspringen zu wollen.

Äußerst bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß die Intranet-Idee bei den deutschen IT-Managern keineswegs an der Campus-Grenze Halt macht. Die Studie erlaubt vielmehr den Schluß: je höher die Standortzahl, desto größer die Bereitschaft zu migrieren. Nahezu ein Drittel der Unternehmen mit mehr als 20 Außenstellen hat nämlich bereits ein Intranet realisiert. Ein Fünftel der Konzerne dieser Größenordnung befindet sich laut Umfrage zudem gerade in der Einführungsphase.

Der Trend, das Intranet als Lösung für das Enterprise Network zu betrachten, wird außerdem durch die Quoten des Kontra-Lagers untermauert. Hier rangieren Companies mit elf bis 20 beziehungsweise noch mehr Standorten an letzter Stelle (14 sowie 18 Prozent). 41 Prozent der Nein-Stimmen versammelt hingegen die Schar der Unternehmen auf sich, die keine Filialen besitzen.

Die Suche nach einer Erklärung dafür wirft natürlich die Frage nach den Gründen auf, die für Intranets sprechen. Die Umfrage entlarvte den Wunsch der DV-Strategen nach einer offenen Plattform mit Abstand als stärkste Triebfeder. In der Werteskala folgen dann fast gleichauf die Kriterien LAN- und WAN-Eignung sowie das Internet-Protokoll TCP/IP. Als weitere wesentliche Argumente für ein Intranet nannten die Befragten die Kriterien "kostengünstig" sowie "benutzerfreundlich" (siehe Abbildung 2).

Diese Hit-Liste liefert schwarz auf weiß Antworten auf die Frage: Warum wird das Intranet nicht nur als simple LAN-Lösung, sondern vielmehr als probates Mittel zur Realisierung des Enterprise Network verstanden? Die Anwender erhoffen sich davon eine sämtliche Plattformen übergreifende Kommunikationsplattform. Sie stellt mit Hilfe des De-facto-Standards TCP/IP ein kompatibles Netzwerk- und Transportprotokoll für das LAN und WAN gleichermaßen bereit und beinhaltet außerdem mit HTTM, HTTP, FTP, SMTP (siehe Glossar, Seite 12) etc. einheitliche Spezifikationen für den Daten- und Mail-Austausch sowie Dokumentformate.

Welch hohen Stellenwert TCP/ IP hat, mußte in der Vergangenheit schon Marktgigant Big Blue erfahren, in dessen SNA-Welt sich das Internet-Protokoll gegen die IBM-Entwicklung Advanced Peer-to-Peer Networking (APPN) durchsetzte. Den mittlerweile hohen Verbreitungsgrad dokumentiert auch die Studie. Sie sieht TCP/IP deutlich vor dem Novell-Protokoll IPX/SPX.

Dieses Ergebnis ist sicherlich auch als Wegweiser Richtung Intranet zu deuten, oder anders formuliert: Für proprietäre Standards wird es eng. Konkret betroffen sind Anbieter von Netzwerk-Betriebssystemen sowie Groupware-Lösungen, darunter Novell, IBM, aber auch Microsoft. Sie alle wurden von der Internet- und Intranet-Welle überrollt und versuchen nun, ihre herstellerspezifischen Produkte wie Netware, Notes, NT Server etc. auf die Internet-Spezifikationen zu trimmen und als High-end-Lösungen für das Intranet zu vermarkten.

Zumindest Microsoft, das den Internet-Boom anfangs verschlief, hat, wie die Umfrage beweist, in einem gewaltigen Entwicklungs- und Marketing-Kraftakt den Anschluß an Marktführer Netscape geschafft. Bei den Befragten gibt in Sachen Browser noch der "Navigator" des Senkrechtstarters mit 50 Prozent den Ton an, den "Explorer" von Gates nutzt aber schon exakt ein Drittel - Tendenz steigend.

Im Fall der Intranet-Server hat David Netscape gegen Goliath Microsoft, zumindest im Kreis der Teilnehmer, das Nachsehen. Mit 35 Prozent liegen hier der "Internet Information Server" & Co. an der Spitze (siehe Abbildung 3, Seite 9). Kein Kunststück allerdings, wenn man bedenkt, daß Bill Gates die Produkte teilweise zum Nulltarif unter die Leute bringt. Konkurrent Netscape hingegen, der mit 25 Prozent folgt, läßt sich jede Server-Variante der Serie "Suitespot" bezahlen.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz drei bei den Web-Servern liefern sich laut Umfrage Novell und Oracle. Mit dem "Netware Web-Server" gewannen die Networker um Haaresbreite. Acht Prozent erzielten sie in der Erhebung und hegen, wie die Ankündigung von "Intranetware" kürzlich deutlich machte, ehrgeizige Pläne in diesem Marktsegment. Novell geht hier übrigens einen ähnlichen Weg wie Microsoft, das seinen Internet Information Server mit dem NT Server bundelt. Gleiches tut die seit kurzem von dem Bob-Frankenberg-Nachfolger Joe Marengi geleitete Truppe jetzt mit dem Web-Server, der unter anderem zusammen mit Netware 4.11 und TCP/IP zum Intranetware-Bündel geschnürt wurde.

Dennoch muß sich die Company aus Orem gewaltig nach der Decke strecken, will sie nicht ins Abseits geraten. Die Analyse der Umfrage bestätigte zwar den Marktanteil von 60 Prozent, den die beiden Netware-Generationen 3.x und 4.x gemeinsam halten, sieht den NT Server (42 Prozent der Nennungen) in deutschen Unternehmen aber klar vor Netware 4.x (24 Prozent).

Die Unsicherheit in den Fachabteilungen ist groß

Natürlich wollte die CW-Studie auch in Erfahrung bringen, welche Rolle das Server-Betriebssystem bei der Realisierung des Intranet spielt. Ein Zehntel der Entscheider vertritt hier die Überzeugung, sich im Zuge der Migration vom alten System trennen zu müssen, während die Hälfte glaubt, damit auch weiterhin klarzukommen.

Verblüffend ist jedoch die hohe Restquote (40 Prozent) derer, die noch unschlüssig sind. Sie läßt den Schluß zu, daß die Intranet-Marschroute in vielen Firmen noch nicht endgültig definiert ist. Ein Grund dafür könnte das in den DV-Abteilungen noch geringe Fachwissen zu offenen Systemen und damit ein teilweise noch vorhandener Unsicherheitsfaktor zum Thema Intranet sein. Um so erstaunlicher ist deshalb, daß 45 Prozent der Weiß-nicht-Fraktion schon 1997 ihre Intranet-Absichten in die Tat umsetzen wollen.

Das Gros der Unternehmen, die mit dem Intranet ein neues Betriebssystem einführen, sagt laut Studie Netware 3.x adieu, zu den Verlierern zählen außerdem der LAN Manager, OS/2 und Unix. Nutznießer ist Windows NT, zu dem mehr als die Hälfte der Netware-Aussteiger überläuft. Es ist leider nicht zu belegen, wie stark die Integration des Internet Information Server in NT die Entscheidung der IT-Planer zugunsten der Microsoft-Lösung beeinflußte. Zum Zeitpunkt der Umfrage im September war die oben erwähnte Web-Server-Strategie von Novell, die Microsoft wieder Kunden streitig machen könnte, noch kaum bekannt.

Eine relativ unbekannte Größe ist derzeit auch der Network Computer (NC). Mit 2,7 Prozent trägt er in der Liste der Clients weit abgeschlagen die rote Laterne. Trotzdem ist dieses Resultat fast sensationell. Immerhin zwölf Unternehmen arbeiten mit einem dieser - salopp gesagt - Prototypen. Gegenwärtig ist das Angebot an NCs äußerst spärlich. Lediglich Wyse, früher ein Hersteller von X-Terminals, und wenige andere haben bisher solche Rechner auf den Markt gebracht, von den großen Propagandisten IBM, Sun und Oracle einmal ganz zu schweigen.

Ziemlich gemischt sind die Gefühle der Anwender bei der Frage, ob der NC eine sinnvolle Alternative zu den gewohnten Clients ist. Nur sechs Prozent sind Feuer und Flamme, 27 Prozent hegen Sympathie, 42 Prozent halten sich bedeckt, und gar 25 Prozent zeigen dem NC die kalte Schulter. Das Lager der Widersacher dürfte bei den Jüngern von Windows besonders groß sein, das natürlich die Client-Charts deutlich anführt. Nummer eins, so die Erhebung, ist Windows 3.11 mit 220 Nennungen, gefolgt von Windows 95 mit stattlichen 168 Einträgen und NT mit 87 Hits. Noch vor NT rangieren allerdings die Terminals und Unix-Workstations.

Ginge es, etwas spitzfindig gesagt, nach dem Willen der Unix-Puristen, würden viele Unternehmen nur lupenreine Intranet-Lösung schaffen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Nur elf Prozent der Befragten streben eine solche einheitliche Installation an, während der Rest gemischte Umgebungen - sprich eine Koexistenz von proprietären und offenen Systemen (siehe Abbildung 4) mehr oder weniger bevorzugt. Hier spricht die Studie eine deutliche Sprache: Aus den Antworten der Teilnehmer läßt der Investitionsschutz grüßen. Das klingt auch plausibel, da kaum eine Company ihr Intranet von der grünen Wiese aus planen kann.

Es wäre aber fatal, die Entscheidung pro oder kontra Intranet allein unter dem Aspekt der Kosten zu bewerten. Die COMPUTERWOCHE wollte deshalb von den Administratoren wissen, welche Gründe ihrer Meinung nach gegen den Einsatz von Intranets sprechen (siehe Abbildung 5). Am schwersten liegt den IT-Planern dabei der Punkt Sicherheit im Magen. Sorgen bereitet ferner die Verwaltung. Eine Erklärung dafür könnte sein, daß nur ein Viertel der ausgewerteten Unternehmen ein Netz-Management-System einsetzt. Auf Platz drei der Mängelliste folgt dann die aus Anwendersicht teilweise als schwierig empfundene Integration von Applikationen.

Stichwort Sicherheit: Firmenintern nehmen es die Befragten mit der Security nicht ganz so genau. Insgesamt geben 13 Prozent zu, kein Firewall-Konzept zu haben, wobei der Anteil bei Betrieben mit bis zu 20 Mitarbeitern höher liegt. Den Schutz nach außen nehmen immerhin neun Prozent des Intranet-Lagers auf die leichte Schulter.

Die Erhebung ist aber auch als Indiz dafür zu werten, welch große Unsicherheit in puncto Firewall bei den Anwendern herrscht. 54 Prozent sind im Fall der internen Sicherheit derzeit nämlich noch ohne endgültiges Konzept, beim Absicherungsverfahren gegen externe Eindringlinge sogar 60 Prozent.

Intern wie extern sind Proxy/ Gateway-basierte Lösungen laut Umfrage unter den Teilnehmern beliebt. Im Schutz gegen die Außenwelt dominiert jedoch mit knappem Vorsprung der Router-getriebene Sicherheitsansatz, während dieses Konzept im Unternehmen selbst kaum eine Rolle spielt. Hier verbuchte die Methode der TCP-basierten Sicherung die meisten Nennungen. Kaum ins Gewicht fallen nach innen wie außen Verfahren, die mit Hilfe von Bridges realisiert sind.