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Hüniken:" Warum gutes Geld schlechtem hinterherwerfen?"


12.06.1992 - 

Offene Systeme bieten den besten Schutz für die DV-Investitionen

BERLIN (sc) - Behalten die Anwender ihre zögernde Haltung weiterhin bei, können sie noch lange auf offene Systeme warten. So jedenfalls lassen sich die Diskussionen auf dem Berliner "Unix Forum '92" zusammenfassen. Die Teilnehmer warfen den Herstellern mangelndes Open-Systems-Engagement vor. Diese wiederum verschanzten sich hinter Problemen bei der Standardisierung.

Interesse für offene Systeme ist auf seiten der Anwender offensichtlich vorhanden, aber vielen mangelt es noch an Entschlossenheit, die neue DV-Technik tatsächlich einzusetzen. Auf Dauer dürfte sich die abwartende Einstellung jedoch nicht aufrechterhalten lassen. Wie Rudolf Munde vom Marktforschungsinstitut IDC feststellt, werden sich die Unternehmen in Zukunft unweigerlich von alten IT-Strukturen trennen müssen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Heute scheint dies noch nicht zwingend zu sein, betrachtet man die erst langsam anlaufenden Open-Systems-Projekte. Obwohl mittlerweile fast jeder Hersteller Unix-Systeme im Programm führt, bleibt die Nachfrage im kommerziellen Bereich den Äußerungen zufolge gering.

Für Michael Thuleweit von der Software AG liegt der Hund bei Mother Blue begraben, die ihre Kunden noch fest im Griff habe. "Der Leidensdruck der IBM-Anwender ist noch nicht groß genug", äußert der Marketing-Manager. Dem pflichtet auch Oliver Steinmetz, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater (BDU) e.V. bei, der DV-Chefs immer noch für IBM-minded hält. Mit dieser Meinung stehen die beiden Re ferenten nicht allein, die IDC-Analysten kommen offensichtlich zu dem gleichen Ergebnis. So kritisiert Munde ebenfalls die Rechenzentren die alte IT-Strukturen konservieren würden.

Die Anwender argumentieren mit Altlasten, etwa Cobol-Programmen. Es gebe keine grüne Wiese, daher sei es sehr schwer, in die offene Welt zu wechseln. "Ich kann die Maschinen doch nicht einfach für einen Tag ausschalten", bemerkt ein DV-Verantwortlicher - worauf Georg Hüniken, Geschäftsführer von Everex Systems Deutschland, sofort erwidert: "Besser die Rechner für einen Tag abschalten als vielleicht in einem Jahr das ganze Unternehmen zusperren."

OSF und ACE fallen auseinander

Aus ökonomischer Sicht sei es unhaltbar, weiterhin proprietäre Systeme einzusetzen. "Warum gutes Geld schlechtem hinterherwerfen?", fragt der Everex-Boß.

Die Zurückhaltung der Anwender liegt jedoch auch in dem "Standardisierungs-Geplänkel" der Hersteller begründet, wie es Bernhard Hadaschik vom Rechenzentrum der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen ausdrückt. Ständig bilden sich neue Herstellervereinigungen, um Standards herauszubringen. Andere wiederum, auf die manche Anwender zuvor gesetzt hatten, fallen auseinander, etwa die OSF und ACE. "Wir machen uns das Leben selbst schwer, deswegen hat Unix kommerziell noch keinen Erfolg", kommentiert Thuleweit die endlose Diskussion über Standards, die auch in Berlin überwiegend von der Herstellerseite geführt wurde.

Während die Anwender un sicher die Entwicklung der Startdardisierung verfolgen, scheinen die Hersteller über die fehlenden Normen nicht unglücklich zu sein. Man hatte auf dem Unix-Forum den Eindruck, daß die Machtkämpfe der verschiedenen Vereinigungen den Herstellern als Schutzschild gegen Vorwürfe der Teilnehmer dienen, die ihrerseits mangelndes Open-Systems-Engagement anprangern.

Herstelleraussagen wie "Wir haben Probleme mit den Schnittstellen-Definitionen" von Andreas Grill, Bull, stehen gegen Anwenderkritik - wenn etwa Volker Kipp von der Kreisverwaltung Mettmann einwirft: "Mit der Offenheit der Hersteller scheint es nicht weit her zu sein." Dem stimmt auch Munde zu, der bemerkt, daß man von einer echten Interoperabilität zwischen den Systemen noch weit entfernt sei.

"Hinter den Herstellervereinigungen steht immer das Ziel, Standards in den Markt zu bringen, die den eigenen Interessen entgegenkommen", erklärt Munde. Deswegen werde es noch einige Jahre dauern, bis es in der Computerindustrie Verhältnisse wie in der Elektro- beziehungsweise Comsumer-Branche gebe.

Für die Anwender sollte die Uneinigkeit der Hersteller jedoch nicht bedeuten, auf den Käufermarkt zu verzichten, den es in der Informationstechnologie bisher nur im PC-Markt gibt. Bereits heute läßt sich ein Umstieg auf offene Systeme realisieren - auch für Großunternehmen. Outsourcing sei hier als Brücke für eine langsame Migration erwähnt. Georg Winter vorn Unix International-Arbeitskreis rät den Verantwortlichen in den DV-Abteilungen zudem, Einkaufsregelungen aufzustellen. Eine Möglichkeit sei dabei, auf den Spezifikation der X/Open aufzubauen - einem Gremium, das mehr Anwendernähe zeige als die Herstellervereinigung Unix International. Auch Steinmetz fordert die Anwender auf, beim Kauf darauf zu achten, daß Produkte zum Beispiel SQL unterstützen. Er betont, daß Standards und offene Systeme den besten Investitionsschutz bieten würden.