Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Netz-Verwaltungssystem von AT&T kommt OSI am nächsten

Offene Systeme fordern das Netz-Management heraus

28.09.1990

*Franz-Joachim Kauffels ist unabhängiger Unternehmensberater in Euskirchen. Die unterschiedliche Komplexität der Netze stellt immer höhere Anforderungen an das Netzwerk-Management. Deshalb beginnen alle namhaften Hersteller mit Ausnahme der IBM ihre Netz-Management-Systeme auf die zunehmende Nachfrage nach heterogenen Netz-Lösungen abzustimmen. Dieser vierte Beitrag einer Serie von Franz-Joachim Kauffels* beleuchtet die Struktur der "Unified Network Management Architecture" (UNMA) von AT&T.

Diese und die nächste Folge werden sich mit der Frage befassen, wie die Anbieter AT&T, Digital Equipment (DEC-) und Hewlett-Packard mittel- und langfristig auf OSI-Standards reagieren und welche Strategien sie aus bestehenden und zukünftigen Konzepten entwickeln. Nachdem die Betrachtung des Netzwerk-Managements im IBM-Umfeld bereits im ersten Teil erfolgte, nimmt dieser Beitrag die Strategie von AT&T unter die Lupe.

Die Konzepte der drei Unternehmen sind im Gegensatz zu IBM nicht auf eine herstellerabhängige Kommunikations-Infrastruktur ausgerichtet. Sie migrieren ihre hauseigenen Management-Systeme in einem längerfristigen Prozeß , in Richtung OSI. Dabei gehen sie von der Vorstellung aus, daß sowohl herstellerspezifische wie auch OSI-Lösungen mindestens für das nächste Jahrzehnt koexistieren werden. Deshalb gestalten sie ihr Netzwerk-Management so, daß die unterschiedlichen Systemwelten von einer gemeinschaftlichen Oberfläche aus steuerbar sind, wenn schon die vollständige Integration nicht erreichbar ist.

Die "Unified Network Management Architecture" (UNMA) ist AT&Ts Strategie für das integrierte Netzwerk-Management von Sprach- und Datennetzen in heterogener Umgebung. Die Ziele von UNMA gehen sowohl über die von Netview als auch über die der ISO hinaus: Netview liegt im wesentlichen ein relativ homogenes Datennetz, der ISO ein heterogenes Datennetz zugrunde. Das Management von AT&T hingegen ist davon überzeugt, daß auch Sprachnetze oder besser integrierte Sprach- und Datennetze zur Informationsverarbeitung in hohem Maße beitragen werden. UNMA ist eine dreischichtige Architektur und folgt dem IS0 Management Framework soweit dies definiert und stabil ist. Die Kernkomponente von UNMA ist der Accumaster Integrator.

Sowohl Netview als auch UNMA erlauben dem Benutzer eine getrennte Beobachtung physikalischer und logischer Aspekte des Netzes. Für das Netz-Management können drei strukturelle Grundbereiche angegeben werden:

- Endbenutzerbereich

- Bereich des lokalen Datenaustausches

- Fernnetz

SNA und andere Management-Konzepte realisieren üblicherweise die Steuerung der Fernnetze nicht mehr und überlassen sie höherrangigen logischen Komponenten. UNMA hingegen wird nach Aussagen von US-Analysten in seinen ersten Ausprägungen speziell ein Instrument zur Steuerung der Fernnetzbereiche sein. Dies ist für den europäischen, besonders den bundesdeutschen Markt, jedoch von untergeordnetem Interesse. AT&T profitiert in den Vereinigten Staaten vor allem aus seinen Erfahrungen als Netz-Service-Anbieter. Diese Erfahrungen sind jedoch nur sehr begrenzt auf Europa übertragbar.

UNMA hat eine sogenannte "Drei-Lagen-Struktur" (engl. "Tier", als Abgrenzung zu OSI-"Layer").

Lage 1 besteht aus den Netzwerkelementen, die kundenspezifische Einrichtungen (Customer Premise Equipment) wie Modems, Multiplexer, LANs, Hosts und Nebenstellenanlagen oder aber auch Netze im Lokal- oder Fernbereich (Local Exchange Carrier Networks, Interexchange Services, PTT oder International Services) umfassen. Gerade hier sieht man besonders deutlich, daß sich UNMA aus dem US-Netzwerk-Leistungsspektrum von AT&T entwickelt hat. Kaum jemand in der Bundesrepublik stellt sich vor, daß, es zwischen lokalen und öffentlichen Netzen noch einen Local Exchange Carrier geben könnte.

Lage 2 besteht aus den Element-Management-Systemen (EMS ), die, wie ihr Name schon sagt, Netz-Elemente managen. Ein EMS realisiert lokale Netz-Management-Fähigkeiten, insbesondere was den Betrieb, die Verwaltung und die Wartung angeht und stellt Funktionen für die Benutzung aus Lage 3 bereit. Heute enthalten die bestehenden Netze eine Reihe von EMS, die im wesentlichen aus den unterschiedlichen herstellergebundenen Netz-Architekturen resultieren. In einem großen Anwendernetz findet man heute sogar unterschiedliche Komponenten für die Steuerung einer Systemgruppe, wie zum Beispiel LANs. Jedes EMS arbeitet heute eigenständig. Dies hindert den Administrator jedoch daran, eine einheitliche Ende-zu-Ende orientierte Lösung des Netzes zu finden.

Lage 3 ist dazu gedacht, diese gewünschte integrale Ende-zu-Ende-Lösung zu realisieren: durch Kommunikation zwischen den EMS und dem Accumaster-Integrator, dem Kern von UNMA. Der Accumaster Integrator kommuniziert mit den EMS durch einen gemeinsamen Protokoll-Stack.

Dieser Stack mit dem Namen NMP (Network Management Protocol) ist AT&Ts Implementierung von OSI-Management-Spezifikationen, soweit diese heute existieren. Auch Integrator-Systeme selbst kommunizieren über diesen Protokoll-Stack. Die Kommunikation zwischen Lage-3- und Lage-2-Elementen geschieht also grundsätzlich über NMP.

Lage-2-Elemente können mit ihren untergeordneten Lage-1-Elementen über eigene, lokale Protokolle kommunizieren, sofern diese dazu geeignet sind. Eine standardisierte Kommunikation auch auf dieser Ebene ist momentan nicht vorgesehen, könnte sich aber in der Zukunft entwickeln.

Der Accumaster-Integrator erlaubt den vollen Durchgriff auf die EMS. Dadurch kann ihm zum Beispiel auch Netview untergeordnet werden. Ein weiteres Element der Lage 3 ist das "Unified User Interface", welches ein logisches Gesamtbild des Netzes oder der Teilnetze erzeugen soll. Im Produkt Accumaster Integrator wird dies durch eine grafische SUN-Workstation realisiert.

Management-System von AT&T kommt OSI sehr nahe

AT&T hat mehrere Dokumente über NMP offengelegt, die es Fremdherstellern erlauben sollen, ihre EMS-Produkte an den Integrator anzupassen. NMP ist heute vermutlich die Realisierung, die den OSI-Management-Standards am nächsten kommt. NMP basiert auf dem siebenschichtigen OSI-Modell und wird auf den Schichten 4 bis 7 implementiert. Das macht NMP gegenüber Änderungen auf den Schichten 1 bis 3 unabhängig. NMP selbst muß wahrscheinlich im Laufe der Zeit noch mehrfach geändert werden, denn es basiert auf Entwürfen zu Standards, die noch nicht fertig sind.

AT&T unterteilt seine Services in der Anwendungsschicht in zwei Klassen: Transaktions-Services und File Transfer Services. Einfache Services basieren auf CMIS, ROSE und ACSE (ISO-OSI Common Management Information Service, Remote Operations Service Element, Association Control Service Elements). Erweiterte Transaktions Services benutzen zusätzlich Synchronisations-Mechanismen (Two Phase Commit, Chaining) aus CCR (Commitment, Concurrency and Recovery). Die File Transfer Services brauchen ACSE und FTAM (File Transfer Access and Management).

Neben der Implementierung von NMP über die Schichten 4 bis 7 hat AT&T Application Message Sets für Konfigurations- und Fehler-Management veröffentlicht, auf die noch einzugehen ist. Diese beiden Funktionsbereiche sind in der Standardisierung etwas weiter gediehen als die anderen.

UNMA definiert neun Funktionsbereiche, die mit Problembereichen des Netz-Managements korrelieren. Die ersten fünf gehören auch den OSI-Vorschlägen an:

- Fehler-Management

- Konfigurations-Management

- Leistungs-Management

- Abrechnungs-Management

- Sicherheits-Management

- Planung

- Betriebsunterstützung

- Programmierbarkeit

- Integrierte Kontrolle

Die letzten vier aufgeführten Bereiche zeigen deutlich, daß AT&T die Praxis berücksichtigt.

Der Accumaster Integrator ist ein Unix-System und läuft auf einer AT&T 3B2/600. Implementierungen für andere Maschinen sind geplant, Für farbige Darstellungen des Netzes umfaßt er eine SUN-Workstation. Zunächst hat er zwei Funktionsbereiche: Alarmintegration- und korrelation sowie Konfigurations-Management. Die Alarmkorrelation vergleicht Alarme, die der Integrator empfängt, bestimmt die wahrscheinlichste Ursache für den Alarm und unterdrückt sekundäre Alarme. Der Integrator benutzt Geräteprofile, die in einer Informix-Datenbank abgespeichert sind, in Kombination mit eigener Logik zur Korrelation. Dies kann Netz-Managern dabei helfen, Probleme schneller zu isolieren. Das Feature ist jedoch nicht unfehlbar: Es besteht die Gefahr, daß die tatsächliche Problemstelle ignoriert wird. Der Integrator zieht logische Netzwerkinformation zum Beispiel aus der UNMA-Applikation und kombiniert sie mit Daten des physischen Netzes, die er über NMP-Interfaces erhält. +

(wird fortgesetzt)