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Für heutige und zukünftige Anwendungen:

Offene Systeme sind auch im Büro unumgänglich

14.06.1985

Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind eine ganze Reihe von technischen Hilfsmitteln für den Büro- und Verwaltungsbereich entwickelt worden. Die Schreibmaschine und das Telefon sind die traditionellen Arbeitsmittel des Büroarbeiters. Lokale Netze oder Dokumentenerfassungssysteme gehören zu den neuesten Errungenschaften. Büroautomation ist zuerst einmal die Integration aller dieser Hilfsmittel am Arbeitsplatz.

Im Mittelpunkt der Büroautomation steht nicht - wie häufig angenommen wird - die Textverarbeitung, sondern die Datenverarbeitung. Denn die Datenverarbeitung ist das komplexere und in seinen Problemstellungen bedeutend vielschichtigere Arbeits- und Anwendungsgebiet. In der Abbildung sind die kommunikationstechnischen Elemente der Büroautomation im Zusammenhang dargestellt.

Die Forderung nach offener Kommunikation, das heißt Datenübertragung und Verarbeitung zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller, besteht schon seit Beginn der Datenfernübertragung.

Immer kompliziertere Übertragungsprotokolle

Während die Kompatibilitätsprobleme bei den ersten Terminals, auf Basis des 8-Kanal-Fernschreibers (TTY), noch relativ gering waren, entstanden bei der Weiterentwicklung von Endgeräten (Bildschirmen, Stapelstationen, Büro-Arbeitsplätzen) zwangsläufig komplizierte Übertragungsprotokolle, um den gestiegenen Anforderungen an die Endgeräte gerecht zu werden.

Da keine internationalen Protokollempfehlungen vorlagen, entwickelte jeder Hersteller in Abhängigkeit von den Erfordernissen seiner Endgeräte spezielle Protokolle. Dies führte dazu, daß im wesentlichen nur die Endgeräte eines Herstellers an den Zentralrechner desselben Fabrikats anschließbar waren.

An der Schaffung herstellerneutraler Kommunikationsprotokolle arbeiten heute im wesentlichen drei internationale Gremien: ISO, CCITT und ECMA. Während ISO die internationale Dachorganisation der nationalen Normungsgremien darstellt, wird CCITT von internationalen Postverwaltungen und ECMA von den europäischen EDV-Herstellern getragen.

Die Normungsbemühungen richten sich auf die Schaffung offener, also herstellerneutraler Kommunikationsprotokolle für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche. Grundlage ist ein einheitliches Architekturmodell, das "Open-Systems-Interconnection-" oder OSI-Modell.

Es sei daran erinnert, daß heute praktisch sämtliche internationalen Kommunikationsprotokoll-Festlegungen am OSI-Modell orientiert werden. Konkret bedeutet dies, daß die Nutzung heutiger und zukünftiger Netze praktisch nur von den DV-Systemen sichergestellt werden kann, deren Netzwerk-Software OSI-gerecht implementiert wurde.

Öffentliche Netze:

- Datex-L

- Datex-P

- Satelliten (wie Telecom 1)

- ISDN (zukünftig)

Lokale Netze:

- Schmalband digital (ISDN-Vorläufer)

- Breitband

- CSMA/CD (Ethernet)

- Token-Bus

Was für die Netzbenutzung (Ebenen 1 bis 4) gilt, ist auch für anwendungsorientierte Dienste (Ebenen 5 bis 7) zutreffend. Als Beispiel hierfür sei der Btx-Rechnerverbund genannt, der zur Zeit allerdings noch im Rahmen nationaler Standards offene Kommunikation zwischen den Btx-Zentralen und den EDV-Systemen unterschiedlichster Hersteller zuläßt. Der Einsatz des Teletex-Dienstes beruht auf der Nutzung internationaler Normen und stellt somit ein weltweit offenes System dar.

Für den Bereich der Büroautomation gilt eindeutig, daß heutige und zukünftige Anwendungen nur im Rahmen internationaler Normen

möglich sein werden.

Externe Kommunikation wächst

Anders als bei den bisherigen Datenfernverarbeitungsanwendungen, wo der Anwender, abgesehen von der herstellerspezifischen Orientierung, mit einem "geschlossenen System" leben kann, da keine oder nur geringe externe Kommunikationsbedürfnisse vorliegen, ist für die Büroautomation gerade auch die externe Kommunikation, also Kontakt mit anderen Firmen, unbedingt notwendig. Dies kann aber nur in einer Sprache, das heißt mit normierten Protokollen, erfolgen.

Die Entwicklung von Mehrdienst-Endgeräten, also beispielsweise ein Gerät für Teletex und Telefax, das mit der Bezeichnung "Textfax" benannt wird, könnte über einheitliche digitale Netze betrieben werden. Voraussetzung sind aber entsprechende Normierungen. Mit anderen Worten, wer bei der anstehenden Diskussion über den Einsatz lokaler digitaler Nebenstellenanlagen (PABX) sich von der Annahme verleiten läßt, daß durch die Möglichkeiten der gleichzeitigen Text-, Daten-, Sprach- und Bildübertragung auch Mehrdienstendgeräte für zukünftige Entwicklungen eingesetzt werden können, läuft Gefahr, Insellösungen, das heißt geschlossene Systeme, zu schaffen, die bei Nutzung neuer öffentlicher digitaler Techniken im Rahmen des ISDN-Netzes nicht problemlos übernommen werden können.

Message-Handling-Systeme ein erster wichtiger Schritt

Sowohl für die digitale Nebenstellenanlage als auch für neue Endgerätetypen sind Normen erforderlich, die von allen Beteiligten akzeptiert werden. Nur so kann verhindert werden, daß sich der Anwender im Technik-Dschungel verfängt.

Die Situation bei den sogenannten Message-Handling-Systemen (Mitteilungs-/Übermittlungs-Systemen) sieht recht positiv aus. Im Rahmen der CCITT-Normierungsarbeit liegen acht Empfehlungen vor, die von der Vollversammlung des CCITT im Oktober 1984 angenommen wurden. Die Standards bewegen sich im Rahmen der X.400-Festlegungen (Systemmodell). Die Deutsche Bundespost hat sich zur sofortigen Übernahme dieser Normen für das nationale Telebox-System entschieden.

Es gilt als sicher, daß rasch weitere Festlegungen erfolgen, so daß schon bald offene Systemzugänge in den Produkten der verschiedenen DV-Hersteller implementiert werden können. Die Gruppe Bull hat zusammen mit elf anderen europäischen DV-Anbietern den ersten Schritt in die neue, zukunftsweisende Richtung unternommen.

Richtige Weichenstellung jetzt erforderlich

Büroautomation ist nur im Rahmen internationaler Normen möglich. Nur durch Übernahme internationaler Standards kann sichergestellt werden, daß die Anwenderinvestitionen von heute auch in Zukunft genutzt werden können. Ohne die internationalen Normierungen für Teletex wäre Bürofernschreiben in der heutigen Form undenkbar. Gleiches gilt für Nachrichtenübermittlungssysteme im Rahmen der CCITT-X.400-Festlegungen oder paketvermittelte Datennetze entsprechend CCITT X.25.

Zugegeben, es ist noch ein mühsamer Weg bis zu den offenen Büroautomationssystemen. Ohne die richtige Weichenstellung zum jetzigen Zeitpunkt können diese Ziele aber nicht erreicht werden. Es sei hier betont, daß offene Kommunikation nur durch den Druck öffentlicher und privater Nutzergruppen so beschleunigt werden kann, wie es der Sache angemessen ist.

*Günther Böhmer ist Abteilungsleiter Rechnernetze bei der Honeywell Bull AG, Köln.