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10.07.1992

Offene Systeme und das Machbare

Unix, das ewige Talent ! Für DV-Hersteller, die viel zu verlieren haben, eine proprietäre Installationsbasis etwa, ist die Frage nach dem Unix-Erfolg damit beantwortet, daß man ihn ständig in Frage stellt. Sehen wir uns in der DV-Industrie um, so haben wir allerdings nur eine kleine Anzahl von Herstellern, die sich diesen Spaß erlauben können, weil sie mit proprietären Systemen noch Geld verdienen: IBM, Big Blue, International Business Machines, das wär's schon - oder sollten wir einen Anbieter übersehen haben? Eine rhetorische Frage angesichts der Verluste, die aus der DV-Branche gemeldet werden. Jüngster Fall: die Digital Equipment GmbH (Seite 4). Also wäre die Pro-Unix-Prognose leicht, da den Altproprietären offenkundig die Argumente und die Kräfte ausgehen? Man sieht: Das Problem ist nicht die Minorität, in der sich die Unix-Gegner befinden, sondern die Macht der IBM. Denn natürlich ist der Ausgang des Betriebssystem-Rennens ungewiß.

Inzwischen werden in unserer Branche Abstumpfungserscheinungen deutlich. Zuviel wurde über Unix und offene Systeme philosophiert und polemisiert. Das Ergebnis ist DV-technische Lähmung, sind erste Anzeichen eines Durcheinanders, von dem erneut diejenigen profitieren, die alles beim alten belassen wollen - und gemeint sind hier nicht nur die Hersteller. Den Anwendern soll suggeriert werden, daß sie die Betriebssystemfrage eigentlich nichts anginge, weil dieser Ansatz eben in bezug auf Offenheit (Kompatibilität, Portabilität, Interoperabilität) zu nichts führe. Auf die Schnittstellen komme es an. Woll, woll, möchte man sagen. Was wir in der Tat nicht brauchen, ist eine endlose Unix-Diskussion.

Wir brauchen saubere, offene Schnittstellen, aber wir haben IBM-Standards. Wer diese als einengend empfindet, ist natürlich nach Ansicht von IBM-Anhängern und Unix-Gegnern ein Träumer - wie derjenige DV-Chef, der von einem IBM-Mainframe auf ein PCM-System umsteigen will (siehe Thema der Woche, Seite 7: "Software-Lizenzen: Anwender fühlen sich verschaukelt"). Es gehört zu den lehr(geld)reichen Erfahrungen, die man in der IBM-Welt machen kann, daß dies kein Ausweg ist, weil die systemnahe Software (MVS, OS/400, OS/2, DB2 etc.) von IBM kontrolliert wird.

Wer offene Systeme schaffen will, dies das Fazit, muß zuerst die IBM-Standards Schnittstellen-unwirksam machen Den Vorwurf, Unix als Marketinginstrument gegen IBM zu mißbrauchen, wird gern tragen, wer es mit offenen Systemen ernst meint. Was auch heißt, daß sich die Schnittstellenfreunde der IBM den Vorwurf gefallen lassen müssen, sie wollten die Anwender nach wie vor für dumm verkaufen Mit der Definition "Not controlled by IBM" für "offen" läßt sich leben. Die CW verwendet sie.