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07.06.1991 - 

Auf Anwendungssoftware kommt es an

Offene Systeme und Unix Sind die Schlüsselelemente des Erfolgs

Lösungen - das ist heute ein Schlagwort, das sehr stark strapaziert wird. Dabei steht der Wunsch des Kunden nach der totalen Lösung seiner Probleme und Aufgabenstellungen im Vordergrund. Es spielt dabei aus Anwendersicht kaum eine Rolle, ob die Gesamtlösung von Hardware-oder Systemsoftware-Lieferanten, von einem Softwarehaus oder von einem Systemintegrator erarbeitet wird. Hinzu kommt die Forderung der Kunden nach offenen Systemen. Unix als Betriebssystem, verbunden mit einer leistungsfähigen Hardware auf RISC-Basis, ist heute als eine wesentliche, integrale Komponente der offenen Gesamtlösung selbstverständlich.

Zu einer Gesamtlösung gehören allerdings mehr Einzelelemente als nur Unix inklusive zugehöriger Hardware und Anwendungssoftware. Im einzelnen sind dies:

- Eine leistungsfähige Hardware muß ein zukunftssicheres Design besitzen, damit langfristig die getätigten Anwenderinvestitionen gesichert sind.

- Dazu gehört ein Unix-Betriebssystem, das standardkonform ist (Posix, X/Open).

- Auch eine an Standards ausgerichtete Industrie-Applikation-Plattform, zum Beispiel in der Form des CAE (Common Application Environment) von X/Open ist notwendig. Bei der Standardkonformität zu X/Open ist zu unterscheiden zwischen dem XPG3-Base-Brand (Hardware, Libraries, C, Commands, Utilities), dem XPG3-Component-Brand (umfaßt Base-Brand sowie einzelne Erweiterungen) sowie dem XPG3-Plus-Brand (dazu gehört Base-Brand inklusive aller zusätzlichen Komponenten wie etwa Fortran, Cobol, Pascal, ISAM, SQL).

Standards sind eine wichtige Grundlage für die Entwicklung einer Anwendung. Bei IBM arbeiten zum Beispiel über 1200 Mitarbeiter in 1300 verschiedenen Komitees, um Normen zu entwickeln und rechtzeitig über sich abzeichnende Standards informiert zu sein.

- Die Kauf- und Finanzierungsbedingungen für die Gesamtlösung müssen tragbar und flexibel an die Kundensituation anzupassen sein.

- Auslieferungs- und Implementierungsumstände sind zu beachten, damit der laufende Betrieb des Kunden bei der Einführung so wenig wie möglich gestört wird.

- Die Ausbildung sowohl in der Systemhandhabung als auch der optimalen Nutzung der Anwendungssoftware muß sichergestellt sein.

- Auch die Wartung des Gesamtsystems ist zu gewährleisten, damit der Endbenutzer bei einem Hardware- oder einem Softwarefehler nicht allein vor dem Problem steht. Schnelle Hilfe ist unabdingbar, damit der Einfluß auf die Produktivität des Gesamtunternehmens so gering wie möglich bleibt.

- Ein Consulting- und Beratungs-Service sollte geboten werden, um von vornherein zu garantieren, daß eine optimale Gesamtlösung gefunden und implementiert wird.

- Wichtig ist auch ein effektives Projekt-Management, das garantiert, daß das Gesamtsystem inklusive aller Komponenten zeit- und kostengerecht einsatzfähig ist.

Wesentlich für eine derartige Gesamtlösung ist allerdings neben einem Unix-System, bestehend aus Hardware und Software, die richtige und marktgerechte Anwendungssoftware.

Sie soll den Anwender in die Lage versetzen, sein Tun und Handeln besser dem strategischen Unternehmensziel zu widmen. Sie soll außerdem die Datenflut kanalisieren, um Informationshygiene im Sinne Neil Postmans zu betreiben.

Fast alle Hersteller bieten Unix-Systeme an

Neben diesen Motivationen für Unix gibt es aber für Hardwarehersteller mindestens einen weiteren Grund, in Unix-Systeme massiv zu investieren:

Nach einer Studie von Diebold wächst das Volumen des Gesamt-DV-Marktes in Europa von 44 Milliarden Dollar (1989) auf zirka 63 Milliarden Dollar im Jahr 1993. Dabei fällt auf, daß der Anteil von Unix-ähnlichen Gesamtsystemen überproportional von 9 Prozent auf 26 Prozent zunimmt.

Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, daß praktisch alle Hersteller von DV-Anlagen Unix-Systeme anbieten - häufig zunächst neben den eigenen proprietären Betriebssystemen, zunehmend aber auch ausschließlich. Dabei ist anzumerken, daß in Zukunft nur noch sehr wenige Hardwarehersteller in der Lage sein werden, ihr eigenes sowie zusätzlich ein Unix-Betriebssystem adäquat zu pflegen und parallel weiterzuentwickeln. Denjenigen Unternehmen, die die Fähigkeit haben, beides zu tun, ermöglicht dieser Trend, neue Märkte zu erschließen.

Noch etwas fällt auf: Das Rechnersegment der Unix-betriebenen Workstations zeichnet sich durch extreme Leistungsschübe aus. Während man vor einigen Jahren von der 5M-Machine (1 MByte Hauptspeicher, 1 MIPS, 1 Million Pixel, Multitasking, Multiuser) gesprochen hat, sind die dazugehörigen Leistungswerte inzwischen vollständig überholt.

Die zu damaliger Zeit erfolgreichen Unternehmen mit dem damals erfolgreichen Prozessor-Design und zugehöriger Systemarchitektur haben in der Regel bis heute Leistung ihrer Systeme dadurch vergrößert, daß die Taktrate sowie die Größe der Daten- und Instruktionen-Caches vergrößert wurden. Dies führt dazu, daß Taktraten heute in der Nähe des Radio-UKW-Bereiches liegen. Damit sind elektrotechnische und physikalische Grenzen erreicht.

Eine moderne Architektur läßt sich daran erkennen, daß sehr hohe Rechenleistungen bei niedrigen Taktraten erreicht werden. Kurz: Das Verhältnis etwa von Specmark zur Taktrate ist ein Maß für die Güte einer Architektur. Je höher die Güte der Architektur ist, desto größer ist das Potential für eine zukünftige Leistungssteigerung allein durch eine mögliche Erhöhung der Taktrate. Da ältere Architekturen dies nicht mehr zulassen, müssen neue Prozessor-beziehungsweise Systemarchitekturen eingeführt werden.

Grundsätzlich bestehen mindestens zwei Wege, Anwendungssoftware zur Kombination von Hardware und Betriebssystem anzubieten:

- Erstens besteht die Möglichkeit der Eigenentwicklung oder Weiterentwicklung von Anwendungssystemen im eigenen Labor des Hardwareherstellers. Häufig ist dies mit sehr langen Gesamtentwicklungszeiten verbunden, um ein breites Angebot an unterschiedlichsten Anwendungsgebieten zu erschließen.

Eine lange Entwicklungszeit hat aber negative Auswirkungen auf die Akzeptanz eines neuen Systems am Markt. Denn ohne beziehungsweise mit nur wenigen Anwendungen ist ein Rechnersystem heute im Markt praktisch nichts wert.

Eine Ausnahme stellt dabei unter Umständen der Gesamtbereich Lehre und Forschung dar, da hier sehr häufig selbst Software entwickelt und gepflegt wird, die nicht als Standardsoftware verstanden werden kann. Hinzu kommt noch die - auch bei großen Herstellern vorhandene - Knappheit an wirklich qualifizierten Software-Entwicklern.

- Zweitens bietet sich eine Zusammenarbeit mit Softwarehäusern an. Diese gelten sehr häufig als Spezialisten für ein ganz bestimmtes Anwendungsgebiet in einer Subbranche.

Es bietet sich an, den zweiten Weg zu beschreiten. Unabhängig davon muß allerdings sichergestellt sein, daß das neu einzuführende System im Bereich Lehre und Forschung, bedingt durch seine reine Leistung, aber auch durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in sehr kurzer Zeit ein hohes Maß an Akzeptanz findet. Denn von diesem Bereich gehen starke Impulse in Richtung Software-Entwickler aus, da Software-Unternehmer meist sehr junge Leuten direkt von der Hochschule unter Vertrag nehmen. Ergo: Leistungsfähige Hard- und Betriebssystemsoftware führt in einem Ringschluß schnell zu hoher Akzeptanz bei den Entwicklern.

Von entscheidender Bedeutung ist dabei auch, daß die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen attraktiv sind, damit nicht nur die Software-Entwickler eines Softwarehauses von dem Einsatz des neuen Systems überzeugt sind.

Es muß auch sichergestellt sein, daß das Softwarehaus als Gesamtunternehmen einen wirtschaftlichen Nutzen durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit einem Systemanbieter hat, auf den es sich hauptsächlich konzentriert.

Zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit gehört, daß Softwarehäuser, die bisher schon mit Systemanbietern kooperiert haben, vor der eigentlichen Markteinführung eines neuen Systems die Möglichkeit bekommen, ihre Software auf das neue System zu portieren, um gleich bei Markteinführung ihre Software verfügbar zu haben. Dies kann ein ganz erheblicher Wettbewerbsvorteil für die Softwarehäuser sein.

Wichtig für die Softwarehäuser ist auch, eine aktive Marketingunterstützung von dem Systemanbieter zu bekommen, da dieser meist über erheblich bessere Marketinginstrumente verfügt. Softwarehäuser sind heute noch immer schwerpunktmäßig Entwicklungshäuser, die sehr oft erhebliche Defizite im Marketing und Vertrieb ihrer Produkte aufweisen.

Für die Software-Anbieter ist es deshalb von Bedeutung, daß ihre Anwendungssoftware auf der jeweiligen Systemplattform sichtbar gemacht wird.

Eine gute Basis für ein großes Portfolio an Anwendungssoftware stellen übrigens die sogenannten Enabler dar. Dies sind Metasprachen, die - einmal auf ein System portiert - alle Anwendungen ablauffähig machen, die in dieser Metasprache geschrieben wurden.

Es bedarf lediglich der Übernahme des Sourcecode, da die meisten Enabler interpretativ arbeiten und keine speziellen Betriebssystem-Funktionen verwenden. Ist dies dennoch nötig, geschieht der Aufruf über die Metasprache, die aber bereits an das Rechnersystem adaptiert wurde.

In jüngerer Zeit sind auch die Datenbankanbieter dazu übergegangen, auf ihre eigentliche Datenbank 4GL-Tools aufzusetzen, die im wesentlichen die gleichen Funktionen erfüllen, wie die Enabler. Der Sourcecode der Anwendung ist von einem zum anderen Rechnersystem übertragbar und sofort einsatzfähig, sobald die Datenbank auf eine neue Systemarchitektur portiert wurde.

Eine Kooperation zwischen einem Systemanbieter und einem Entwickler von Enabler-Tools bietet sich also an. Das gleiche läßt sich für die Zusammenarbeit von Systemanbietern und Herstellern von Portierungs-Tools sagen, die alte Anwendungssoftware von Hardwareplattformen auf moderne Systeme umsetzen.

In einer Zeit, in der viele Hardwarehersteller mangels ausreichender wirtschaftlicher Basis und Innovationskraft nicht mehr konkurrenzfähig sind und ganze Systemreihen auslaufen lassen, sind derartige Portierungs-Tools auch für die Anwender ein willkommenes Instrument, ihr Know-how in bestehende Verfahren und etablierte Organisationen zu schützen.

Am Markt etablierte Anwendungssoftware ist also sowohl Garant für eine erfolgreiche Gesamtlösung beim Kunden, als auch für die erfolgreiche Einführung von neuen Rechnersystemen auf der Basis eines Unix-Betriebssystems mit neuer und zukunftsweisender Architektur, und damit ein Garant für die Expansion von Hardwareherstellern und Systemanbietern in neue Märkte.

Die IBM gehört mit dem Rechnersystem IBM RISC System/6000, ihrem Unix-Derivat AIX und einem Netz von Partnern mit einem ausgewogenen Anwendungsspektrum (etwa je zur Hälfte technische und kommerzielle Anwendungen) zu den maßgeblichen Anbietern im Markt von Gesamtlösungen.