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18.12.1992 - 

Xtra-Jahreskonferenz von XOpen

Offene Systeme verlangen eine offene Unternehmensstruktur

WASHINGTON (gfh) - Als Überlebensgarantie in Rezessionszeiten offerierte X/Open die Idee offener Systeme auf der diesjährigen Xtra-Jahrestagung in Washington. Dabei meint das Konsortium keineswegs nur DV-Techniken, vielmehr forderte es die Anwender zur Reorganisation ihrer Unternehmensstrukturen in Richtung Offenheit auf.

Die diesjährige Xtra-Konferenz unterschied sich von den früheren Veranstaltungen durch ihre Aufteilung in drei Veranstaltungsbereiche. Neben den schon traditionellen Workshops zur Erarbeitung von Anwenderforderungen gab die X/Open unter dem Titel "The Easy Route to Open Systems" einen detaillierten Einblick in die vor kurzem veröffentlichte vierte Ausgabe der XPG-Richtlinien. Eine Neuorientierung der Organisation deutete sich jedoch mit der Einführung einer als "Business Session" bezeichneten Vortragsreihe an.

Das zentrale Anliegen der Business Session war, den Anwendern nahezubringen, daß die Hinwendung zu offenen Systemen, wie USL-Chef Roel Pieper es formulierte, "nichts ist, wovor man sich fürchten muß". Sie sei vielmehr eine Art Kultur, die den Anwendern die Chancen zu einer demokratischeren und flexibleren Unternehmensstruktur eröffne. Die Möglichkeiten eines solchen Strukturwandels brachte Performance-Spezialist David P. Norton, President der Renaissance Strategie Group, auf den Punkt: "Wer offene Systeme im Rahmen einer hergebrachten Organisation verwendet, kann die Unternehmensleistung um etwa zehn Prozent steigern. Bei offenen Unternehmensstrukturen dagegen liegen die Steigerungsraten bei 90 Prozent und darüber."

Dabei geht Unternehmensberater Norton wie auch andere Referenten davon aus, daß sich Unternehmen in schwierigen Zeiten nur dann am Markt halten können, wenn ihre Organisation mindestens so offen, flexibel, verteilt und heterogen gestaltet ist wie die eingesetzte DV-Technik. Angesichts der momentanen Wirtschaftslage, so die Argumentation, kommt es darauf an, die Produktionszyklen möglichst rasch ändern zu können.

Die Voraussetzung dafür ist ein unternehmensweit funktionierendes Informationssystem sowohl auf Entscheidungs- als auch auf Datenebene.

Für flexible Reaktionen brauchen Manager - auch auf lokaler Ebene - den ständigen Zugriff auf aktuelle Informationen. Allerdings müssen eben diese Entscheidungen auf möglichst kurzem Weg in Aktionen umgesetzt werden. Die offenen Techniken, so führte Norton an, sind längst in der Lage, binnen kürzester Frist über weltweite Netze eine Brücke von der Konstruktion bis zur Fertigung zu schlagen. Was bremst, sind vor allem die hierarchischen Entscheidungsprozesse.

Die Botschaft von Herstellern und Unternehmensberatern, die Einführung offener Umgebungen mit einer organisatorischen Restrukturierung zu verbinden, wurde von den Anwendern eher zurückhaltend aufgenommen. So freute sich Peter Bauer, DV-Verantwortlicher der Marshfield Klinik und der 14 angeschlossenen Krankenhäuser, vor allem darüber, daß er es geschafft hat, den Umstieg von proprietären Unisys-Rechnern auf Amdahl-Unix zu realisieren, ohne daß organisatorische Änderungen nötig geworden seien. Die Portierung der 280 in Cobol geschriebenen Online-Applikationen mit einem Umfang von rund 25 GB sei von den Anwendern lediglich wegen der kürzeren Antwortzeiten bemerkt worden.

Auch George McCorkell, bei der britischen Behörde für Sozialwesen zuständig für die Entwicklung und Anschaffung von DV-Systemen, berichtete, daß der Erfolg seiner Open-Systems-Strategie vor allem darauf beruhe, daß die Umstellungen in seinem Unternehmen kaum wahrgenommen wurden. Dabei verfolgte er seit 1984 die Strategie, konkrete Forderungen seiner Vorgesetzten mit konkreten Lösungsvorschlägen zu beantworten, ohne dabei das Wort offene Systeme in den Mund zu nehmen. Heute betreibt die Mammutbehörde landesweit nach OSI-Richtlinien verbundene Unix-Rechner von ICL, IBM und Siemens-Nixdorf.

Die Business Session diente darüber hinaus dazu, den DV-Managern, die sich mit dem Gedanken tragen, offene Systeme einzuführen, Argumente an die Hand zu geben, um ihre jeweiligen Geschäftsführungen von den Vorzügen dieser Technik zu überzeugen. Ein Hilfsmittel stellt dabei der von X/Open in Washington vorgestellte "Guide to Developing the Business Case" dar. Darin wird ein Matrix-Verfahren vorgeschlagen, das für verschiedene Branchen die Möglichkeit bietet, den Nutzen offener Systeme zu ermitteln und zu quantifizieren.

Quasi-Richtlinien für die DV-Hersteller

Die Herstellervertreter ermutigten die Anwender in diesem Zusammenhang, viel Zeit und Geld in die Planung offener Systeme zu investieren. In einem gemeinsamen Referat rieten Pete Smith, DEC-Manager Open Standards, und Walter Stahlecker, bei HP zuständig für Allianzen und Standards, dazu, sich bei Planungen nicht auf die Hersteller zu verlassen.

Im Vordergrund der X/Open-Veranstaltung stand aber auch in diesem Jahr wieder die Erarbeitung der Open-Systems-Anforderungen durch die Anwender. In sechs Workshops wurden die Themen Transaktionsverarbeitung, Sicherheitsanforderungen, Datenverwaltung, System- und Netzwerk-Management, verteilte Anwendungen und als Neuzugang Desktop-DV behandelt. Die Ergebnisse, die als Richtlinien für Open-Systems-Hersteller gelten, präsentierten die Arbeitsgruppen im Schlußvortrag (siehe Tabelle).

Die Teilnehmer der Workshops zollten der X/Open-Organisation großen Respekt. Sowohl Sitzungsleiter als auch die Arbeitspapiere seien, so hieß es allgemein, hervorragend präpariert gewesen. Das Ziel, im vorgegebenen Zeitrahmen zu vorzeigbaren Ergebnissen zu kommen, sei nicht aus den Augen verloren worden. Dennoch erfuhren die Ergebnisse eine unterschiedliche Bewertung. So spiegeln die eher allgemein gehaltenen Forderungen des erstmals durchgeführten Desktop-Workshops die Unerfahrenheit mit der Materie wider. Bei Themen wie der Transaktionsverarbeitung oder bei Sicherheitsfragen dagegen bewertete ein Vertreter von HP die Anregungen als konstruktiv.

Wunschliste der X/Open-Anwender an die Hersteller offener Systeme Transaktionsverarbeitung

1. Einheitliche TP-Umgebung

2. Unterstützung herkömmlicher TP-Verfahren

3. Ein Rahmenwerk für OLTP

4. Produkte für die Systemverwaltung

5. Produkte für die Anwendungsentwicklung

Sicherheit

1. Festlegung eines Identifizierungsverfahrens von Komponenten einer verteilten Umgebung

2. Verbesserung der Sicherheitsfunktionen, zum Beispiel durch eine einheitliche Benutzeroberfläche

3. Verfahren für die Vergabe von Zugriffsberechtigungen in verteilten Umgebungen

4. Zentrales Instrument zur netzweiten Sicherheitsüberwachung.

5. Konfigurationsprodukte für verteilte Umgebungen

Daten-Management

1. Ein Repository

2. Ein voll funktionsfähiges Datenbank-Management-System (DBMS) für offene verteilte Umgebungen

3. Datenkonsistenz

4. Ein Referenzmodell für die Datenverwaltung

5. Perfomance-Tools

System- und Netzwerk-Management

1. Verwaltungs-Features für Konfigurationsvarianten, Komponenteninventar und Fehler

2. Überwachung von Netzstatus und Auslastung

3. Applikations-Management

4. Backup- und Speicher-Features

5. Netzweite Druckmöglichkeiten

Verteilte Anwendungen

1. Multiprotokoll-Unterstützung

2. Adressiersystem für verteilte Umgebungen

3. Ein Rahmenwerk für verteilte Software-Entwicklungswerkzeuge

4. Eine Implementierungsstrategie und Architektur für verteilte offene Systeme

5. Replikations-Server

Desktop

1. Techniken, die dazu führen, daß sich Investitionen für PC-Enandwender möglichst rasch bezahlt machen

2. Portabilität von Desktop-Anwendungen (auch für Nicht-PC-Plattformen)

3. Einheitliches Look and Feel, so daß Anwender problemlos versetzt werden können

4. Techniken, die einen raschen Return on Investment versprechen