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06.01.1989 - 

VDI-Symposium appelliert an Wissenschaftler:

Offener Dialog fördert Technikakzeptanz

DÜSSELDORF (CW) - Von einer ausgeprägten Technikfeindlichkeit der Deutschen kann nicht die Rede sein. Häufig sind es die modernen Techniken selbst, die Akzeptanzprobleme heraufbeschwören. Zu diesem Fazit kamen Experten auf dem VDI-Symposium "Mensch und Technik".

Gut gemeinte Akzeptanzkampagnen von Unternehmen trügen nicht zur Vertrauensbildung bei, wenn nicht Handlungen folgten, die dieses Vertrauen rechtfertigten. Nötig seien nicht Kampagnen, sondern vielmehr akzeptable Techniken. Diese Forderung erhob das Gros der rund 60 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden, die auf dem Düsseldorfer Symposium des VDI-Bereichs "Mensch und Technik" über die Glaubwürdigkeit technischwissenschaftlicher Informationen diskutierten.

In ihrer Analyse von Umfragedaten aus verschiedenen Ländern über Jahre hinweg kommen Ernst Kistler und Dieter Jaufmann vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie, Stadtbergen, zu dem Ergebnis, daß von einer ausgeprägten Technikfeindlichkeit der Bundesdeutschen keineswegs die Rede sein kann. Statt kurzlebige Werbe- und Akzeptanzkampagnen zu starten darin waren sich die Experten auf dem Symposium einig -, müssen Ingenieure und Unternehmen einen konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit aufnehmen.

Der Vorsitzende des VDI-Bereichs "Mensch und Technik", Walter Zimmerli, sieht die Probleme der Glaubwürdigkeit von Experten in der zunehmenden Spezialisierung von Wissenschaft und Technik. Hierdurch werde es immer schwieriger, einer größeren Öffentlichkeit die Zusammenhänge eines Spezialgebietes zu vermitteln.

Technik sei nicht einfach die Menge aller künstlich hergestellten Gegenstände, die an sich neutral sind und dem Gebrauch oder Mißbrauch der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Günter Ropohl von der Universität Frankfurt erinnerte daran, daß Technikverständnis auch die Handlungen einschließt, die zur Herstellung und Verwendung technischer Geräte gehören.

Gerade beim Konstruieren technischer Systeme werde eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, die Ingenieuren nicht als Wertung bewußt sind und in der Regel während es Konstruierens intuitiv einfließen. So komme es zu der von vielen Ingenieuren und Unternehmen vertretenen Ansicht, daß eine Technik nur so und nicht anders sein könne. Die Akzeptanz einer Technik sei jedoch keine Frage, die nach der naturwissenschaftlichen Logik von richtig oder falsch eindeutig beantwortbar ist. Wichtig seien die meist nicht sichtbaren Entscheidungsprozesse, "die hinter der Technik stehen". Darüber hinaus ist Technikkritik, so Burkhard Sachs von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, ebenso legitim wie die Kritik an politischen Entscheidungen.

Schüler zeigen Interesse an Technik

Nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch Ingenieure bedürfen nach Ansicht von Günter Rophol der technischen Allgemeinbildung. Voreilig seien die häufigen Schuldzuweisungen der Ingenieure für die vermeintliche Technikfeindlichkeit der bundesdeutschen Bevölkerung an die Adresse der Medien und - vornehmlich geisteswissenschaftlichen Lehrer. Die Schule ist, so Burkhard Sachs, der falsche Adressat, wenn es um die angeblich ablehnende Haltung der jüngeren Generation gegenüber der Technik gehe. Bei den Schülern sei vielmehr Technikbegeisterung festzustellen.

In der Glaubwürdigkeit technischwissenschaftlicher Information sieht das VDI-Präsidiumsmitglied Hansjörg Sinn eine wichtige Aufgabe für wissenschaftliche Vereinigungen. Sie müßten diskussionsfähig und für Kontroversen offen sein, um in der Öffentlichkeit durch interne Selbstkontrolle glaubwürdig zu bleiben.

Informationen: VDI-Hauptgruppe, Bereich Mensch und Technik, Dr. Manfred Mai, Postfach 11 39, 4000 Düsseldorf 1, Telefon 02 11/62 14-4 74.