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22.06.2001 - 

Streit um Digital-Media-Standards der Zukunft

Offener Konflikt zwischen AOL und Microsoft

NEW YORK (cw) - Microsoft und AOL Time Warner haben ihre Verhandlungen über die Integration der AOL-Zugangssoftware in das neue Microsoft-Betriebssystem Windows XP ergebnislos abgebrochen. Offenbar gibt es ein tiefes Zerwürfnis zwischen den einstigen Partnern.

Während es bei Microsoft hieß, die Konzerne hätten aufgrund einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten nicht zueinander gefunden, sagte John Buckley, Corporate Vice President von AOL Time Warner, letztendlich seien die Verhandlungen nur an einem einzigen Punkt gescheitert: AOL unterhalte einen Exklusivvertrag mit Real Networks, dessen "Real Player" AOL-Kunden zum Abspielen von Audio- und Videoinhalten nutzen. Microsoft habe im Zuge der Verhandlungen darauf bestanden, dass diese Kunden künftig ausschließlich Microsofts Audio- und Videotechnologie, insbesondere den "Windows Media Player" verwenden sollen. AOL habe dieses Ansinnen, mit dem sich die Gates-Company die dominierende Position im Markt für digitale Videos und Musik sichern wolle, nicht unterstützen können.

Gezänk um Messaging-DiensteAOL fürchtet außerdem Microsofts neuen Messaging-Dienst "Windows Messenger", den die Gates-Company als Bestandteil von Windows XP herausbringen will. Das Produkt könnte die marktführende Stellung des "AOL Instant Messenger" (AIM) gefährden. Im Rahmen der Verhandlungen soll Microsoft darauf bestanden haben, dass AOL seinen AIM öffnet, damit Nutzer der Dienste ihre Nachrichten plattformübergreifend austauschen können. Käme es dazu, wäre AOLs marktführende Position wohl gefährdet.

In einem weiteren Streitpunkt zwischen den Parteien ging es Insiderangaben zufolge um juristische Angelegenheiten. Microsoft soll von AOL verlangt haben, während der Vertragsdauer keine gerichtlichen Schritte gegen den Softwaregiganten zu unternehmen. AOL hatte sich im Vorfeld der Verhandlungen öffentlich darüber beschwert, dass Microsoft Windows XP mit Online-Services für den Consumer-Markt bündele und so seine starke Stellung im Betriebssystem-Geschäft für die Eroberung neuer Märkte nutzen wolle. Nach Darstellung von Microsoft soll AOL vorgehabt haben, eine ein- bis zweijährige Partnerschaft anzustreben, um den AOL-Dienst weiter zu verbreiten. Nach Ablauf dieser Frist habe AOL Microsoft wegen der Verletzung von Wettbewerbsbestimmungen verklagen wollen.

Der Vorwurf, Microsoft integriere Dienste in das Betriebssystem, um so neue Märkte zu erobern, richtet sich unter anderem gegen die Produkte Windows Messenger und "Hailstorm". Unter Letzterem fasst Microsoft individualisierte Web-Services für Konsumenten zusammen, die sie orts- und geräteunabhängig abrufen können. Microsoft garantiert die Sicherheit der Daten und ermöglicht die Authentifizierung der Kunden - nach Ansicht der Marktforschungsgesellschaft Gartner Inc. ist das die Voraussetzung dafür, dass die Kunden in größerem Umfang als bisher Web-Services aller Art beziehen werden. Mit dem Hailstorm-Service werde Microsoft in Märkte vorstoßen, die auch AOL adressiere.

Die Analysten erwarten daher, dass sich Microsoft und AOL Time Warner künftig auf allen Ebenen erbitterte Gefechte liefern werden. Im Bereich der Instant-Messaging-Dienste werde die starke Präsenz von Microsoft AOL dazu zwingen, den eigenen Dienst zu öffnen, was mit Marktanteilsverlusten einhergehen dürfte. Außerdem werde Microsofts Windows Messenger weit über das Vermitteln textbasierter Nachrichten hinausgehen und das Versenden von Audio- und Videodaten erlauben. Auch das bedeute eine Kampfansage an AOL, die den Kunden aber letztendlich zugute komme.

Folgenreiches ScheiternDer Abbruch der Gespräche hat für die Partner weitreichende Konsequenzen. AOL Time Warner verdankt seine Abonnentenzahl von rund 29 Millionen Nutzern weltweit nicht zuletzt der 1996 geschlossenen Partnerschaft mit Microsoft: Der AOL-Zugang war im Windows-Betriebssystem vorinstalliert vermarktet worden. Der entsprechende Vertrag lief jedoch im Januar 2001 aus, eine Neuauflage, die das kommende Betriebssystem Windows XP einbezieht, wird es nun nicht geben. Microsoft hatte von dem Abkommen ebenfalls profitiert, weil AOL seinen Online-Dienst für den "Internet Explorer" optimiert hatte und darauf verzichtete, den eigenen, mit der Netscape-Übernahme erworbenen "Navigator" an AOL-Kunden zu vermarkten.