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13.03.1992

Offenes Wort zur Offenheit

Sag' mir, was Du unter Offenheit verstehst, und ich sage Dir, ob Du noch ganz dicht bist. CW-Leser kennen die süffisanten Bemerkungen von Herstellervertretern, die immer noch ein Haar in der Unix-Suppe finden wollen. Von einem Gegensatz - hie offenes Unix, da geschlossenes (proprietäres) System - könne nicht gesprochen werden, Unix sei selbst herstellerspezifisch. Und im übrigen käme es auf das Betriebssystem gar nicht an, es zähle nur die Schnittstelle zur Anwendung. Insofern müsse Offenheit neu definiert werden, korrekt nämlich so, daß auch systemnahe Softwareprodukte wie MVS, VMS oder BS2000 das Prädikat "offen" verdienen. Das klingt gut und ist nicht zu widerlegen, geht jedoch am Kern der Sache vorbei.

Worum aber geht es? Die Frage beantwortet man am besten damit, daß man sagt, worum es nicht geht: um Offenheit. Das hätten die Hersteller mit proprietärer Vergangenheit gerne, daß hier ein Pappkamerad aufgebaut wird, der mit Leichtigkeit demontiert werden kann, nach dem Motto: Die Anwender wollen offene Systeme; Unix ist nicht offen - also können wir, können sie (die Anwender) Unix vergessen. Und genau so läuft die Kampagne von IBM, Siemens & Co., von denjenigen Herstellern, die von der Unix-Welle überrascht wurden, die aber auch sehr viel zu verlieren haben.

Die Anwender gehen für den Unix-Fortschritt auf die Barrikaden? Nicht, daß wir wüßten. Aber was wollen sie dann? Die Antwort kann nur Open-Systems-Theoretiker überraschen: Von ihrem proprietären Kram loskommen wollen sie, um endlich vom Mitteleinsatz her angemessene Daten- und Informationsverarbeitung zu betreiben, schlanke und wirtschaftliche DV, die sich an den eigentlichen Unternehmenszielen ausrichtet - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Daß Hardwaresysteme einsetzbar sind, die dem "State of the art" der Mikroprozessor-Technologie entsprechen, daß Software nicht permanent aufwendig angepaßt werden muß, ist doch das mindeste, was die Anwender erwarten können. Mit dem hehren Ziel, in einem Wolkenkuckucksheim Offenheit herzustellen, hat das nicht das geringste zu tun. Allerdings befinden sich viele Mainframe-Kunden in einer verzwickten Situation, die Probleme heißen Altlasten und Herstellerbindung.

Doch es wäre aus Anwendersicht der falsche Ansatz, wollte man von Unix-Systemen erwarten, daß sie sämtliche Schwierigkeiten beseitigen. Unredlich ist es von den Herstellern, Unix anzukreiden, was bei proprietären Systemen Marketing-Übung war, Marketing-Übung immer noch ist: etwas zu versprechen, was allenfalls gut klingt. So kann die Empfehlung nur lauten, den Versprechungen der Hersteller nicht zu trauen. Unix kann das verkraften - das macht den Unterschied zu proprietären Systemen aus.