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26.05.1989 - 

Netzinfrastruktur: Wann und wie passen Btx und ISDN zusammen?

Offenheit ist neben dem Kostenaspekt sekundär

Allen Unkenrufen zum Trotz: "Bildschirmtext" hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Dienst entwickelt, der im Rahmen der Datenübermittlung heute die höchsten monatlichen Zuwachsraten aufweist. Leider wird die Btx-Penetration in Deutschland von vielen Kritikern immer noch auf der Basis einer Prognose gemessen, die sich längst als falsch beziehungsweise als von falschen Voraussetzungen ausgehend erwiesen hat.

Der wichtigste Grund für diese Btx-Entwicklung in Deutschland läßt sich wie folgt zusammenfassen: Für einen bestimmten Typ von Anwendungen im Wählverbindungsbereich, sprich Dialoganwendungen, stellt das Btx-System insgesamt die leistungsfähigste und kostengünstigste Netzinfrastruktur dar.

Daß es sich obendrein noch um eine offene Netz-Infrastruktur handelt, die eine Vielzahl von zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet, soll nur am Rande erwähnt werden, da diese zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten häufig nur eine sehr geringe Bedeutung bei der Entscheidung für die Implementierung des Btx-Rechnerverbunds haben.

Ein Ergebnis einer empirischen Erhebung bei 8100 Unternehmen in Deutschland, die Cognit im Auftrag eines großen deutschen Dienstleistungsanbieters über den Stand und die Planungen im Bereich der Nutzung von Telekommunikationsdiensten befragt hat, sichert die optimistische Einschätzung der weiteren Btx-Penetration in Deutschland ab:

Demnach planen bereits 24 Prozent der Unternehmen die geschäftliche Btx-Rechnerverbund-Nutzung im Dialoganwendungsbereich. Deutlich weniger Unternehmen (17 Prozent) planen zum Beispiel eine Nutzung des Datex-P-Dienstes.

Seit März dieses Jahres hat sich die Telekommunikationslandschaft in Deutschland entscheidend verändert: Das Integrated Services Digital Network, ISDN, steht, wenn auch zunächst nur lokal begrenzt, Nutzern zur Verfügung. Im Non-voice-Bereich bietet ISDN im Rahmen des Datenübermittlungsdienstes (Terminologie der TKO) sowohl Wähl- als auch Festverbindungen an. Während ISDN-Festverbindungen der Gruppe 2 und 3 von potentiellen Nutzern insbesondere den HfD-Verbindungen gegenübergestellt und unter anderem unter Kostengesichtspunkten bewertet werden müssen, muß ein Btx-Anwender die Frage beantworten, in welcher Form Btx-Rechnerverbundanwendungen durch "ISDN-Wählverbindungen" tangiert werden.

Aus Anwendungs- beziehungsweise Nutzersicht ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile. Bevor die wichtigsten Aspekte in diesem Zusammenhang diskutiert werden, soll eine kurze Erläuterung der relevanten systemtechnischen Aspekte erfolgen.

þGrundsätzlich muß zunächst berücksichtigt werden, daß durch ISDN lediglich ein weiterer Zugang zur Btx-Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Die der Btx-Vermittlungsstelle vorgelagerte ISDN-Vermittlungsstelle wird über die Standard-Multiplex-Schnittstelle S2M (2Mbit/S; 30 Kanäle) mit der Btx-Vermittlungsstelle verbunden. Der herkömmliche sowie die beiden ISDN-Zugangsmöglichkeiten zu einer Btx-Vermittlungsstelle sind in Abbildung 1 wiedergegeben.

þDie für Nutzer des Btx-Rechnerverbunds besonders wichtigen Ausbauplanungen der DBP betreffen die Integration der Paketvermittlung in das ISDN. Hier muß zwischen der Minimal- und der Maximalintegration unterschieden werden.

Minimalintegration bedeutet, daß über eine ISDN-Wählverbindung (Wählverbindung der Gruppe 1) unter Nutzung definierter Verbindungsübergänge ein Zugang zum Datex-P-Netz geschaffen wird (vergleiche Abbildung 2).

Unter der Maximalintegration wird die Realisierung der Paketvermittlung im D-Kanal (mit maximal 9,6 KBit/s) verstanden. Dies bedeutet, daß bereits an der Datenendeinrichtung (DEE) beziehungsweise an der SO-Schnittstelle eine paketorientierte Übertragung bis hin zum nächsten Datex-P-Knoten stattfindet (vergleiche Abbildung 3). Diese Maximalintegration wird Nutzern erst Anfang der 90er Jahre zur Verfügung stehen. Bei den nachfolgenden Betrachtungen wird auf die Maximalintegration nicht näher eingegangen.

Fall 1:

Bei den herkömmlichen Btx-Endgeräten, die über einen Terminaladapter (TA a/b) an eine ISDN-Vermittlungsstelle angeschossen werden, ergeben sich keine Nutzungsvorteile. Die Verbindungsaufbau- sowie die Bildlaufzeiten ändern sich nicht. Zwei Kostennachteile weist diese Nutzungsform auf: Die mit 74 Mark/ Monat im Vergleich zu 8 Mark/Monat bei herkömmlicher Btx-Nutzung wesentlich höheren Netzzugangskosten sowie die zusätzlichen Kosten für den Terminaladapter a/b (Kaufpreis zirka 1000 Mark).

Fall 2:

In diesem Fall wird mit einem ISDN-fähigen Endgerät über eine ISDN-Wählverbindung auf die Btx-Vermittlungsstelle zugegriffen. Hier ergeben sich sehr deutliche Perforrnance-Verbesserungen. Durch die sehr hohen Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 64 KBit/s verringert sich die Bildaufbauzeit je nach Umfang einer Btx-Seite um den Faktor 40 bis 50. Der Verbindungsaufbau von heute bis zu 30 Sekunden kann auf etwa zwei Sekunden reduziert werden. Die Reaktionszeit des Btx-Systems, zum Beispiel für den Zugriff auf eine Btx-Seite, ändert sich nicht.

Fall 3:

Die Fälle 3 und 4 unterscheiden sich von den Fällen 1 und 2 durch die zusätzliche Nutzung des externen Rechners. Bei diesen Fällen gelten die Aussagen zur Minimalintegration. Im Fall 3 ergeben sich analog zu Fall 1 keine Verbesserungen. Die Kostennachteile gelten auch hier.

Fall 4:

Wie bereits erwähnt, ergeben sich bei Abruf einer Btx-Seite aus dem öffentlichen System um den Faktor 40 bis 50 schnellere Bildaufbauzeiten. Diese Angabe muß bei Nutzung des externen Rechners deutlich relativiert werden. Es darf nicht vergessen werden, daß die Btx- und Datex-P-Infrastruktur für den Rechnerverbund weiterhin mit 9600 bit/s arbeiten. Hinzu kommt bei komplexen Dialoganwendungen die Reaktionszeit eines vielleicht an der Kapazitätsgrenze arbeitenden externen Rechners. Diese beiden Faktoren werden insgesamt wieder im Vergleich zu Fall 2 zu deutlich langsameren Bildaufbauzeiten führen.

Dennoch ergeben sich bei Rechnerverbundanwendungen, bei denen ein ISDN-Zugang zu einer Btx-Vermittlungsstelle genutzt wird zwei deutliche Vorteile. Zum einen kommt hier auch der sehr schnelle Verbindungsaufbau zum Tragen. Zum anderen können Dialoganwendungen bei Nutzung des Format-Service nochmals deutlich im Zeitverhalten verbessert werden. Zirka 70 bis 80 Prozent der an das Endgerät zu übertragenden Daten bestehen aus Maskenkonstanten, lediglich 20 bis 30 Prozent der Daten bei Dialoganwendungen sind sogenannte Nettodaten (Maskenvariablen). Die maskenkonstanten Daten werden nun mit 64 KBit/s aus der Btx-Vermittlungsstelle übertragen - eine neue und organisatorisch sehr sinnvolle Möglichkeit, Btx-Dialoganwendungen schneller zu machen. Demgegenüber stehen im Vergleich zu heute wieder die höheren Netzzugangskosten sowie die Kosten für ein (neues) ISDN-fähiges Endgerät, das zum Beispiel einen Decoder mit einer internen Verarbeitungsgeschwindigkeit von 64 KBit/s aufweist.

Fazit: Btx und ISDN: Zwei Technologien, die sowohl bei ausschließlicher Nutzung der öffentlichen Btx-Vermittlungsstelle als auch im Rechnerverbund sehr viel Sinn machen. Den höheren Kosten für Endgeräte und Netzzugang sind deutliche Performance-Verbesserungen im laufenden Betrieb gegenüberzustellen.

Zum Beispiel: Kfz-Teilemarkt

Btx wird ganz eindeutig überwiegend im Rahmen der geschäftlichen Kommunikation, und hier auf der Basis eines externen Rechners, genutzt. Dies hat nach wie vor seine guten Gründe. Die Vielzahl der in der Entwicklung befindlichen Btx Rechnerverbundprojekte dokumentiert, daß Nutzerpotentiale auch künftig durch Btx-Rechnerverbund erschlossen werden können. Seit Anfang 1988 wirkt die Cognit GmbH zum Beispiel an der Entwicklung des branchenweiten Projektes "Teilemarkt" mit, das auf Initiative der beiden Verbände IGWV (Interessengemeinschaft der Werksvertretungen für Kfz-Teile e.V.) und VKG (Verband der Kraftfahrzeugteile- und Zweirad-Großhändler e.V.) von der gsi-Datel GmbH, Darmstadt, realisiert wird. Durch ein Btx-gestütztes Datenbanksystem soll künftig dem gesamten freien Kfz-Teilemarkt eine qualitativ und quantitativ gleich gute Informationsversorgung zur Verfügung gestellt werden, so wie sie die Automobilhersteller für ihre Händler in geschlossenen Systemen heute schon realisiert haben. Das Nutzerpotential umfaßt alleine in diesem Projekt zirka 50 000 Unternehmen.