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18.12.1992 - 

Konzentration auf den Bürobereich

Office-Automation-Profi Wang kehrt an seine Wurzeln zurück

FRANKFURT (hp) - "Back to the roots" lautet das Motto der krisengeschüttelten Wang Inc. Dabei besinnt sich der DV-Hersteller auf seine alten Stärken: den Image- und Office-Bereich. Wang möchte sich dabei nicht nur auf die eigene VS-Plattform, sondern auch auf die RS/6000 von IBM sowie auf PC-LANs konzentrieren.

Schon vor einiger Zeit hat Wang seine Open-System-Strategie proklamiert. Allerdings warteten die Anwender vergebens auf die entsprechenden Produkte. Vor allem die Verspätung der Entwicklungsumgebung "Pace", die auf einer relationalen Datenbank aufbaut, wurde immer wieder kritisiert. Inzwischen sind Pace und andere AIX-Produkte angekündigt.

Nach "Image", Wangs Bild- und Dokumentenverarbeitung, die in Deutschland auf VS-Rechnern und auf der RS/6000 verfügbar ist, wird ab dem ersten Quartal nächsten Jahres auch Pace in der AIX-Version zugänglich sein. Bei dem SQL-basierten Entwicklungssystem "Pace for open Systems", fungiert der RISC-Rechner als Server, PCs unter Windows sind die Clients. Mit Pace kann der Anwender auf grafischem Weg Abfragen starten. Die Verknüpfung erfolgt über grafische Symbole, aus denen das Programm SQL-Abfragen generiert. Die datenbankbasierte Umgebung kostet pro Client in den USA rund 1000 Dollar. Der deutsche Preis steht noch nicht fest, wird sich aber am amerikanischen orientieren.

AIX-Engagement steht im Vordergrund

Das E-Mail-System "Open-Office" setzt ebenfalls eine Client-Server-Konfiguration voraus. Der RISC-Rechner dient als Mail-Engine, PCs unter Windows fungieren als Clients, wobei das Programm sowohl den X.400- als auch den X.500-Standard unterstützt. Mit der Kommunikationssoftware, die für LANs mit TCP/IP-Unterstützung konzipiert ist, lassen sich Texte, Bilder und Grafiken übermitteln. Open Office wird ab dem ersten Quartal 1993 in Deutschland erhältlich sein. Zudem stellt die Company das Konvertierungswerkzeug "Cobol Resource" vor, mit dem sich Cobol-Applikationen aus der VS-Welt in die RISC-Umgebung überführen lassen. Mit diesen Ankündigungen möchte sich Wang wieder auf die alten Stärken besinnen und dabei das AIX-Engagement in den Vordergrund rücken. "Wir werden keine kleine IBM oder DEC. Wang wird sich auf einen eng begrenzten Bereich, nämlich Dienstleitungen, Image Processing und Büro, konzentrieren", formuliert Joe Tucci, Executive Vice-President Operations, die neue Strategie. Dazu müsse erst einmal abgespeckt werden.

Die Sparpläne, die Wang anläßlich des Antrags auf Gläubigerschutz unter Chapter eleven im August vorlegte, betrafen vor allem den Personalbereich. Die Mitarbeiterzahl von rund 13 000 sollte um 38 Prozent auf 8000 vermindert werden. Momentan stehen bei Wang weltweit 9000 Angestellte auf der Gehaltsliste.

Auch an der deutschen Niederlassung ging diese Entwicklung nicht spurlos vorüber. Waren im Juni 1992 noch 460 Mitarbeiter bei der deutschen Wang beschäftigt, sind es momentan noch 300. In den nächsten Wochen soll der Personalstand auf 270 Angestellte reduziert wenden, berichtet Horst Enzelmüller, ehemaliger Geschäftsführer und jetziger Regional Director Central and Eastern Europe bei Wang.

Gerade der Personalabbau beziehungsweise die hohe Fluktuation stieß bei Wang-Kunden immer wieder auf Kritik. Dies schade dem neuen Image des Dienstleiters, das Wang anstrebe. Ohne zu beschönigen, nimmt Enzelmüller dazu Stellung: "Die Reduktion des Personals wird nicht ohne Auswirkungen bleiben, und ich nehme auch an, daß wir hierdurch den einen oder anderen Kunden verlieren werden. Aber angesichts der angespannten Lage haben wir keine andere Chance."

Im Rahmen der Konzentration auf die Kerngeschäfte Dienstleitung und Office hat sich Wang dazu entschlossen, die eigene PC-Produktion aufzugeben. Auch in anderen Bereichen möchte der DV-Anbieter mit Partnern wie Softwarehäusern zusammenarbeiten. Darüber hinaus erwägt das Management, auch über Telesales zu vertreiben

Die deutsche Wang GmbH beziffert ihren Umsatz des ersten Quartals des Geschäftsjahres 1992/93 auf 30 Millionen Mark. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag das Ergebnis bei 45 Millionen Mark. Wang schreibt dabei immer noch rote Zahlen. Über die Höhe des Verlustes wollte das Unternehmen keine Angaben machen.