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Kolumne


19.09.2003 - 

"Offshore-Entwicklung und die Folgen"

Wolfgang Herrmann Redakteur CW

Die Prognose des Monats kommt von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Deloitte & Touche: Bis zum Jahr 2008 könnten 20 Prozent der IT-Budgets deutscher Großunternehmen nach Indien gehen, schätzen die Analysten - ein Umsatzpotenzial von 14 Milliarden Euro. Mit dieser Einschätzung steht Deloitte keineswegs alleine da. Andere Institute wie A.T- Kearney kommen zu ähnlichen Schlüssen. Auf Offshore-Entwicklung spezialisierte Beratungs- und Softwarehäuser wollen schon einen beginnenden Hype ausgemacht haben.

Kein Wunder also, dass die Informationsveranstaltungen und Fachkonferenzen zum Thema wie Pilze aus dem Boden schießen. Eine Studie jagt die andere, und immer wieder stehen die gleichen Fragen im Mittelpunkt: Wieviel Geld lässt sich mit der Verlagerung der Softwareentwicklung in Billiglohnländer sparen? Wie findet man den richtigen Offshore-Dienstleister? Wie lassen sich die vielzitierten Kulturunterschiede am besten managen?

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass dem deutschen IT-Markt eine ähnliche Entwicklung bevorsteht wie dem der Vereinigten Staaten. Dort gehört "Offshoring" bereits seit einigen Jahren zur IT-Strategie großer und mittlerer Unternehmen. Selbst Behörden denken mittlerweile laut über eine Auslagerung von Softwareentwicklungs-Aufgaben nach. Deutlich werden aber auch die Schattenseiten der oft euphemistisch "Rightsourcing" oder "Smart Sourcing" getauften Initiativen. Im November 2002 schockten Marktforscher der Forrester Group die amerikanische Öffentlichkeit mit der Prognose, bis zum Jahr 2015 könnten 472000 IT-Arbeitsplätze von den USA nach Indien verlagert werden.

Schon zuvor hatte sich Widerstand in der mächtigsten Wirtschaftsregion geregt. So fanden entlassene IT-Spezialisten in der Organisation Toraw (The Organization for the Rights of American Workers) ein Forum. Sie demonstrierten vor Outsourcing-Kongreßen und stellten eine nicht nur für CIOs bedrohliche Frage: "Möchten Sie mit Unternehmen Geschäfte machen, die US-Bürgern durch die Verlagerung ins Ausland Arbeitsplätze wegnehmen?" Einige US-Bundesstaaten haben denn auch schon Gesetzentwürfe in der Schublade, die Outsourcing-Deals mit Offshore-Anbietern einschränken oder verbieten.

In der deutschen IT-Branche scheint diese Entwicklung kaum jemanden zu interessieren. Zwar gab es auch hierzulande Meldungen, denen zufolge etwa die Deutsche Bank oder Siemens tausende IT-Stellen ins Ausland verlagern wollen. Doch auf den einschlägigen Konferenzen ist davon wenig zu hören. Wie Unternehmen, Verbände und die Politik auf den bevorstehenden Arbeitsplatzabbau reagieren können, spielt in den Fachdiskussionen bestenfalls eine Nebenrolle.

Wenn der Trend zur Offshore-Entwicklung unumkehrbar ist, wie Bitkom-Manager Mathias Weber konstatiert, wird aber auch der größte deutsche IT-Branchenverband nicht mehr um die Arbeitsplatzdiskussion herum kommen. Denn einige seiner Mitgliedsfirmen dürften den Konkurrenzkampf mit Offshore-Anbietern nicht überleben.