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Kolumne

"Offshore, Nearshore, Noshore"

21.05.2004
Christoph Witte Chefredakteur CW

Die Diskussion um die Auslagerung von IT-Arbeiten in Billiglohnländer bringt neben den üblichen auch ganz unerwartete Argumente hervor. Überraschend nicht, weil sie absurd wären, sondern deshalb, weil sie entweder nie offen ausgesprochen wurden oder weil sie sich in der sehr emotional ("unpatriotisches Verhalten") geführten Debatte bisher nicht durchsetzen konnten.

Die Kosten für die Softwareentwicklung in Deutschland seien - so lautet eines dieser Argumente - in den Anwenderunternehmen auch deshalb so exorbitant hoch, weil sie durch Ausgaben für externe Berater extrem aufgebläht worden seien. Hätten IT-Manager ihre hauseigenen Entwickler kontinuierlich weitergebildet, statt auf Fachleute von außen zu setzen, die zu Beratersätzen teuer programmieren, wäre das Kostengefälle zwischen Deutschland und Indien nicht so gravierend wie heute.

Der Gedanke leuchtet ein: Schließlich kennt jeder Beispiele von IT-Abteilungen, in denen zumindest bis zum Platzen der Dotcom-Blase etliche Berater-Programmierer stolze Tagessätze kassierten. In einigen IT-Shops ist das sogar heute noch der Fall. So betrachtet, verwundert es auch nicht, dass es sich viele fest angestellte IT-Profis in ihrer Nische gemütlich machten, ohne an der Zukunftsfähigkeit ihres eigenen Know-hows zu arbeiten. Wer weder gefordert noch mit den richtigen Weiterbildungsmaßnahmen gefördert wird, neigt nun einmal nicht zu beruflichen Höchstleistungen. Eigentlich eine Binsenweisheit. Also - konsequent zu Ende gedacht - ist Offshoring, so wie wir es heute breit diskutieren, auch ein aus früheren Management-Fehlern resultierendes Phänomen.

Ebenfalls selten wird genau beziffert, um wie viel billiger sich IT-Aufgaben offshore oder nearshore erledigen lassen. Geht man davon aus, dass ein Unternehmen zehn Prozent seiner IT-Entwicklungsaktivitäten etwa nach Spanien auslagert und dabei 50 Prozent spart, fallen die Gesamtkosten um ganze fünf Prozent. Hier schließt sich das zweite ungewöhnliche Argument an: Würde IT, insbesondere die Softwareentwicklung, hierzulande effektiver gemanagt, wäre der Drang ins Ausland nicht so groß. Weiter geschmälert werden könnte er durch flexiblere Arbeitszeiten und eine geringere Regulierung des Faktors Arbeit. Welch große Rolle das starre Arbeitsrecht in Deutschland spielt, kann man ermessen, wenn CIOs anfangen, von den Bedingungen in Portugal, der Slowakei oder Tschechien zu schwärmen. Nicht wegen der geringeren Kosten, sondern wegen der höheren Flexibilität etablieren sie dort IT-Teams.