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27.08.2004 - 

Forrester: Ohne IT-Auslagerung droht Verlust der Wettbewerbsfähigkeit

Offshore-Outsourcing kostet eine Million Jobs

Einmal mehr wartet das US-amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus mit einer gewagten Prognose auf: Die Nutzung von Outsourcing-Services in Niedriglohnländern kostet im IT- und Dienstleistungssektor rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze, schreibt Forschungsdirektor Andrew Parker in der Studie "Two-Speed Europe: Why 1 Million Jobs Will Move Offshore".

Betroffen davon seien etwa 150000 reine IT-Jobs, aber auch mehr als 100000 IT-nahe Büroarbeitsplätze, beispielsweise in der Datenerfassung oder in Call-Centern. Die Jobverlagerungen machten vor Führungspositionen nicht halt: Mehr als 74000 Manager in Europa müssten damit rechnen, dass ihr Arbeitsplatz wegfällt, darunter auch IT-Verantwortliche.

Britische Firmen werden demzufolge die meisten Jobs verlagern. Bis zum Jahr 2015 geht Forrester von 760000 betroffenen Stellen aus, das wären drei Prozent der gesamten Arbeitsplätze in Großbritannien. Im gleichen Zeitraum würden in Deutschland etwa 140000 Jobs wegfallen, Ähnliches sei für Frankreich und Italien zu erwarten.

Am wenigsten betroffen sind laut der Studie Länder wie Irland, Griechenland oder Portugal, wo das Lohnniveau vergleichsweise niedrig ist.

Gegenüber der Entwicklung im US-amerikanischen Arbeitsmarkt sind diese Werte dennoch niedrig, erläutert Parker. Dort sollen einer anderen Forrester-Studie zufolge rund 3,3 Millionen Jobs durch Offshoring verloren gehen.

Dass die Bereitschaft zum Off- shore-Outsourcing in deutschen, französischen, italienischen und niederländischen Firmen relativ gering ist, wertet Forrester als beunruhigendes Zeichen. Weil sie die mit der Auslagerung verbundenen Produktivitätsvorteile nicht nutzen könnten, stehe ihre Wettbewerbsfähigkeit in wichtigen Wirtschaftsbereichen auf dem Spiel. Besonders betroffen seien die Finanzbranche sowie die Automobil- und die Luftfahrtindustrie.

Neben anderen großen europäischen Unternehmen nennt Parker in diesem Zusammenhang auch die Deutsche Bank und die Allianz. Mit einer weiter verschlechterten Wettbewerbsposition steige die Gefahr einer Übernahme durch ausländische Konkurrenten. Zwar sei im Fall der Deutschen Bank zu berücksichtigen, dass das Geldinstitut bereits eine Reihe von Outsourcing-Initiativen verfolge, räumt er auf Nachfrage ein. Der mächtige US-Rivale Citigroup aber verfolge eine deutlich aggressivere Strategie.

Lediglich 32 Prozent ihres IT-Dienstleistungsbudgets geben deutsche Unternehmen für Outsourcing aus, argumentiert Parker, gegenüber 48 Prozent in Großbritannien. Der wichtigste Grund für die Zurückhaltung der Deutschen liege in kulturellen Unterschieden und Sprachproblemen. Das habe eine frühere Forrester-Untersuchung ergeben.

Angesichts der zögerlichen Haltung sei damit zu rechnen, dass deutsche und französische Unternehmen den optimalen Zeitpunkt für Offshore-Outsourcing verpassen und erst ab dem Jahr 2008 vermehrt investieren. Bis dahin aber hätten sich die Bedingungen in Indien hinsichtlich Lohnniveau und Verfügbarkeit von Fachkräften verschlechtert. Um dennoch die erhofften Kostenvorteile zu erreichen, empfiehlt Forrester, Dienstleister in China und anderen Ländern auszuwählen.

Vor diesem Hintergrund prognostiziert Parker auch eine zunehmende Konsolidierung im deutschen IT-Servicemarkt. Die niedrigen Aktienkurse etlicher Anbieter ließen eine Übernahme für international agierende Unternehmen derzeit besonders attraktiv erscheinen. Dabei hielten nicht nur die mächtigen US-Konzerne Ausschau nach Kandidaten. Vor allem große indische Dienstleister versuchten bereits seit längerem, auf diesem Weg ihre Präsenz in Deutschland zu stärken.

Datenbasis der Studie

Forrester stützt sich auf eine Reihe eigener Befragungen von Managern in Westeuropa, hinzu kamen Einschätzungen großer IT-Serviceanbieter, darunter Accenture, CSC, IBM und Wipro. Darüber hinaus verwendeten die Analysten Zahlen der zur UN gehörenden International Labor Organization (ILO) als Ausgangsbasis. Untersucht wurden die 15 westeuropäischen Staaten, die vor der Osterweiterung die EU bildeten, sowie die Schweiz.

Abb: Arbeitsplatzverluste bis 2015

Britische Firmen verlagern bis 2015 die meisten Arbeitsplätze in Niedriglohnländer. Quelle: Forrester Research