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24.01.2005

Offshoring spart kein Geld

IT-Dienste ins Billiglohnausland zu verlagern ergibt finanziell keinen Sinn. Dennoch lohnt ein Blick nach Osteuropa - wegen der Qualität.

Den Schritt, ihre IT-Services ins Ausland zu verlagern, machen deutsche Unternehmen nur aus einem Grund: Sie wollen Geld sparen. Doch einem umfassenden Controlling unterzogen, halten viele Projekte diesem Anspruch nicht stand. Auf dem Papier versprechen die Anbieter Einsparungen von 20 Prozent und mehr. Doch selbst wenn sie diese Zusage einlösen, bleiben die Gesamtkosten des Projekts hoch.

"Üblicherweise bauen die Auftraggeber im Verlauf von Auslagerungsprojekten eine Schattenorganisation auf. Weil dort keine einfachen Tätigkeiten anfallen, sind darin nur qualifizierte Mitarbeiter mit entsprechender Bezahlung tätig", warnt Christina Polacek, Director Consulting beim Benchmarking-Dienstleister Maturity Consulting GmbH, Dreieich.

Dieser Effekt ist auch in herkömmlichen, im Inland betriebenen Auslagerungsprojekten zu beobachten. Die Auftraggeber unterhalten eine eigene IT-Organisation, die die IT-Strategie und das Dienstleister-Management verantwortet und für die zumeist Kosten von ungefähr fünf Prozent der gesamten Outsourcing-Summe veranschlagt werden. In Offshoring-Projekten ist der Koordinationsaufwand jedoch ungleich höher, weil Absprachen über Zeit-, Kultur- und Sprachgrenzen hinweg gemacht werden müssen. Polacek rechnet hier mit einem Aufschlag von 15 Prozent gegenüber vor Ort betriebenen Outsourcing-Projekten.

Über die Ausgaben hinaus, mit denen Auftraggeber trotz Auslagerung eigene IT-Kompetenz aufrechterhalten wollen, stellen sich aber im Lauf der Zeit oftmals weitere versteckte IT-Aufwände ein. So gilt es, Qualitätsmängel des Dienstleisters auszugleichen, neue Services umzusetzen und Prozesse zu beschleunigen. Fließen auch die Kosten für diese von Polacek angesprochene Schattenorganisation in die Gesamtkostenbetrachtung ein, fällt das Urteil über den Offshoring-Nutzen anders aus. "Die Einsparmessungen zu Beginn eines Projektes ergeben immer sehr gute Werte", erläutert die Maturity-Managerin. "Nach zwei oder drei Jahren sieht das aber anders aus. Die Kostenvorteile sind geringer, wenn in die Berechnung einfließt, wie groß die Aufwendungen für die Schattenorganisation und für die zusätzlich erforderlichen Beratungsleistungen sind."

Verlockend sind oftmals die Stunden- und Tagessätze, die in Billiglohnländern gezahlt werden. In den Nearshore-Ländern Polen und Ungarn schätzt Herbert Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISS), das Preisniveau auf etwa 60 Prozent des in Deutschland Üblichen. Entwickler in Rumänien und Bulgarien erhalten etwa 30 bis 40 Prozent des Stundenlohns deutscher IT-Fachkräften und verdienen damit etwa so viel wie ihre indischen Kollegen. Dienstleister in Offshore-Ländern wie China und den Philippinen arbeiten zu noch günstigeren Preisen.

Günstige Honorare im Ausland

Die Stunden- und Tagessätze sind jedoch selten als Indikator für mögliche Einsparungen geeignet. Immer fallen Kosten für Onsite-Betreuung, also Arbeiten vor Ort, Reisekosten, Unterkunft, Visa, Übersetzungen und Kommunikation an. Angesichts des mit einem Offshore-Projekt verbundenen Aufwands und Risikos rät Weber: "Wenn Sie Einsparungen von lediglich 30 Prozent absehen können, sollten Sie die Finger von dem Vorhaben lassen." Als Faustformel gilt: Je näher die Arbeiten an den Applikationen und Prozessen ausgeführt werden, desto geringer ist der mögliche Kostenvorteil, weil der Abstimmungsbedarf viel höher ist.

Tagessätze in Deutschland fallen

Auch die in Deutschland fallenden Tagessätze und Beraterhonorare sprechen derzeit gegen die Auslagerung von IT-Diensten ins Ausland. Der Preisdruck lässt die Umsätze der hiesigen Dienstleister zwar weiterhin schwinden, doch das hat den für sie angenehmen Effekt, dass sie Projekte gegen indische Konkurrenz gewinnen. "Wir haben einige Kunden mit klar definierter Offshore-Strategie und werden immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Dennoch haben wir uns schon mehrfach gegen indische Angebote durchgesetzt", schildert Rüdiger Striemer, Vorstandsmitglied der Adesso AG aus Dortmund. Das mittelständische Softwarehaus, das sich auf die Individualentwicklung spezialisiert hat, löste bereits einen indischen IT-Dienstleister bei einer deutschen Rückversicherung ab.

Die Probleme der Inder

In einem zweiten Fall boten ein indischer Konkurrent und Adesso ihre Dienste zum gleichen Preis an. Das Unternehmen vom Subkontinent konnte zwar einen nur ein Viertel so hohen Stundensatz in die Waagschale werfen, doch Kommunikationsaufwand, Abstimmungsbedarf und Gemeinkosten fraßen den Vorteil auf, so dass Adesso mit einem Festpreisangebot zum Zuge kam.

Die Beispiele untermauern die Einschätzung von Fraunhofer-Institutschef Weber, wonach anwendungsnahe Arbeiten schwer auszulagern sind. "Im Entwicklungsprozess ist der Kommunikationsbedarf sehr hoch, es gibt immer wieder Detailfragen mit den Fachabteilungen zu klären", bestätigt Striemer. So habe sich in einem dritten Fall eine Versicherung gegen das Angebot eines indischen Hauses entschieden, obwohl es mit einem günstigeren Preis als Adesso aufwarten konnte. Es fehlte allerdings eine Laufzeitgarantie. Außerdem sträubten sich die Vertreter aus den Fachabteilungen der Versicherung. Sie wollten die Entwickler vor Ort haben oder zumindest binnen eines Tages inklusive An- und Abreise treffen können.

Innerhalb dieser Zeit sind aber auch die Entwickler in Osteuropa zu erreichen. "Nearshore-Sourcing wird zunehmend populär", betonte auch Weber vom Fraunhofer ISS. Je näher die Arbeiten betrieben werden, desto geringer sind allerdings auch die Einsparmöglichkeiten. Polen, Ungarn und Tschechien sind aufgrund steigender Löhne und hoher Inflation auf gutem Weg, sich dem Kostenniveau in Ostdeutschland anzunähern.

"Mit Blick auf das Lohnniveau würde ich mir als deutscher IT-Dienstleister über die Nearshore-Konkurrenz keine Sorgen machen", beruhigt auch Polacek von Maturity ein. "Beachtlich ist jedoch das Qualitätsniveau, das die osteuropäischen IT-Experten bieten." Das hätten erste Anwender erkannt und ihre ITverlagert. Vor allem die Firmen mit Produktionsstätten in Osteuropa nutzen die dortigen Niederlassungen als Standort für die zentralen IT-Services. Nicht das Preisniveau der Inder gefährdet die deutschen IT-Arbeitsplätze, sondern die hochwertige Arbeit osteuropäischer IT-Experten.