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24.02.1989 - 

VANS In Großbritannien - Zulassung weiterer privater Netz-Betreiber gefordert:

Oftel rüttelt am Sprachdienst-Duopol

LONDON (IDG/CW) - Im Gegensatz zur Bundesrepublik wird in Großbritannien die Schlachtung der heiligen Kuh "Sprachdienst" diskutiert. Einen Vorstoß, das derzeitige Duopol von British Telecom und Mercury Communications zu brechen, hat das Aufsichtsgremium der britischen Telekommunikations-lndustrie. Oitel, gestartet.

Wieder einmal scheint das konservative Großbritannien in Sachen "Post- Liberalisierung einen Schritt voraus. Kürzlich legte Oftel eine Forderung auf den Tisch, die kräftig am Sockel des staatlich lizensierten.

Sprachdienst-Duopols rüttelt. Kernpunkt des Papiers: Private Betreiber von Value Added Network Services (VANS) sollen auch bei Sprachdiensten als weitere Wettbewerber zu dem halbstaatlichen Unternehmen British Telecom und zur privaten Mercury Communications zugelassen werden.

Der Initiator des Schreibens und Generaldirektor der Oftel, Bryan Carlsberg, will mit seinem Plan zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Private Netzbetreiber sollen nämlich einerseits brachliegende Kapazitäten ihrer Netze als Kanäle auch für öffentlich nutzbare Sprachdienste einsetzen dürfen und andererseits gleichzeitig die Gebühren der eingeführten Telefongesellschaften unterbieten.

Kein Wunder, daß zum Beispiel die Midland Bank - Betreiber eines der größten Netze auf der Insel - Feuer und Flamme für Carlsbergs Vorschlag ist. Peter Godfrey, Direktor von Midland Bank Network Services: "Wenn wir Sprachkanäle als Teil unseres Gesamtangebots anbieten könnten, würden wir unseren Kunden diesen Service liefern." Dabei denkt Godfrey bereits über nationale Grenzen hinaus in den Dimensionen des europäischen Binnenmarkts. Die Midland Bank hat sich offenbar ehrgeizige Ziele gesteckt: "Es ist unsere Intension," so Godfrey, "ein europäisches Netz aufzubauen."

Weniger begeistert von der Oftelinitiative sind dagegen British Telecom und die Mercury Communications. Zwar sperren sich beide Unternehmen nach außen hin nicht absolut gegen eine weitere Liberalisierung des Sprachdienstes, warnen aber vor einer Wettbewerbsverzerrung. Ihr Hauptargument: Private Netzbetreiber hätten Wettbewerbsvorteile, weil sie im Gegensatz zu den beiden lizensierten Unternehmen vertraglich nicht an die Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen und Netzkapazitäten gebunden seien.

Einem Programmpunkt der Oftel haben die beiden Konzerne dagegen bereits eine klare Absage erteilt. Der sieht vor, daß die privaten Netzbetreiber ihre Tarife nicht publik machen müssen. Dazu ein Sprecher von British Telecom: "Wir begrüßen Wettbewerb, aber es muß in fairen Bahnen verlaufen." Noch deutlicher brachte ein Sprecher von Mercury die Vorstellungen des Unternehmens zum Ausdruck: .,Wir sind dann nicht gegen eine Liberalisierung, wenn noch mehr Kunden unsere Dienste in Anspruch nehmen."

Privatisierung muß nicht das Gelbe vom Ei sein

Diskussionen, wie sie derzeit in Großbritannien geführt werden, dürften in der Bundesrepublik auf ein großes Interesse heutiger und künftiger VAN-Anbieter stoßen. Würde doch mit einer derartigen Aufweichung des postalischen Sprachmonopols die letzte Bastion des gelben Riesen fallen.

Deutsche Postkunden sollten sich an dieser Stelle aber auch die Frage stellen, ob eine solche Preisgabe staatlicher Positionen das Gelbe vom Ei ist. Hat doch die Erfahrung gerade in Großbritannien gelehrt, daß die Preise privater Dienste-Anbieter anfänglich zwar niedriger liegen, dann aber, wenn die "privaten Netzriesen" die Vielzahl kleinerer Konkurrenten geschluckt haben, stark anziehen.