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09.02.1996 - 

Organisatorische Huerden beim CBT-Einsatz

Ohne Beratung und Betreuung ist die Akzeptanz schnell weg

Die Begeisterung war enorm, als man bei Rodenstock vor fuenf Jahren einen Selbstlernraum mit Computer Based Training (CBT) und Fachbuechern einrichtete, erzaehlt Personalentwickler Thomas Kreisel. Man wollte eine Alternative zur klassischen Schulung anbieten. Aber bereits nach einigen Monaten wurde der Raum ueberwiegend als "Ausleihbibliothek" genutzt, und in letzter Zeit koenne man an einer Hand abzaehlen, wieviel Mitarbeiter sich dort verlieren.

Heute nun ist man beim Muenchner Brillenhersteller schlauer und erprobt seit einigen Monaten ein neues Konzept - Lernen mit der mobilen Workstation. Der Vorteil besteht darin, dass nun arbeitsplatznahes Lernen moeglich ist. Die Themen sind eingeschraenkt auf das, was die Mitarbeiter unmittelbar benoetigen. Umfasste das Angebot frueher Lerneinheiten zur Datenverarbeitung, zu Betriebswirtschaft und zu Sprachen, so sind im Moment nur vier Programme ueber Total Quality Management im Einsatz.

Kreisels Fazit aus den bisherigen Erfahrungen ist ernuechternd: "Multimedia-Einsatz hat sehr viel mit Beratung und Betreuung zu tun." Die Fuehrungskraefte muessten hinter dem Vorhaben stehen, und das sei nicht selbstverstaendlich gewesen. Klar sei dem Personaler geworden, dass im Vorfeld genau die Ziele zu definieren sind und dass eine Nachbetreuung unerlaesslich ist.

Deutschlands groesster Automobilclub, der ADAC, experimentiert seit 1993 mit Lernprogrammen. Auch hier war die Anfangsbegeisterung gross. In einer betriebsinternen Umfrage befuerworteten fast 80 Prozent der Beschaeftigten den CBT-Einsatz. Schulungsreferent Michael Weber hat es allerdings geschafft, dass sich die Mitarbeiter nach wie vor an die Lernstation setzen und PC-Grundlagen oder Sprachprogramme pauken. Er habe von Anfang an versucht, die auftauchenden Probleme in Griff zu bekommen. Wichtig sei, und hier knuepft er an Kreisel an, die Lernorganisation, das heisst Stundenplan, Zeit- und Verrechnungsregelungen zur Zufriedenheit aller Nutzer professionell zu gestalten.

In einem naechsten Schritt will Weber nun CBT als Teil der Weiterbildung institutionalisieren. Der gesamte Prozess soll dann die Elemente Beratung, multimediales Lernen sowie Workshops und Coaching beinhalten.

MAN-Betriebsleiter Walter Kern fasst den Begriff des multimedialen Lernens sehr weit. Er zaehlt unter anderem Elemente wie den PC, das Buch, Video und Besichtigungen dazu. In seinem Werk in Penzberg hat er in der Fertigung einen "Lernpavillon" eingerichtet, wie er es bezeichnet, in dem Mitarbeiter sich alle fuer den Job notwendigen Informationen besorgen koennen.

Entstanden sei der Raum aus der Notwendigkeit, die Mitarbeiter staendig weiterzubilden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Gerade in den letzten beiden Jahren der Rezession seien viele Mitarbeiter nicht laenger als ein halbes Jahr am gleichen Arbeitsplatz geblieben. "Die Zeiten, in denen ein Werker sein ganzes Berufsleben an einer Maschine arbeitete, sind endgueltig vorbei", weiss Kern.

Wichtig ist dem Betriebsleiter, die Mitarbeiter zu fuehren: "Mit Internet-Surfen kommen wir nicht ans Ziel", multimediale Lernprogramme duerften keine Selbstlaeufer sein. Allerdings kaempft nun Kern damit, sein Konzept durchzuhalten. Denn gestartet hatte er mitten in der Krise, als die Beschaeftigten Zeit genug hatten, in der regulaeren Arbeitszeit zu lernen. Seit die Konjunktur angezogen hat, kommen sie nicht mehr dazu und gehen statt dessen nach Feierabend in den Lernraum - natuerlich gegen Verguetung. Ob sich dieses Konzept allerdings auf Dauer durchhalten laesst, ist sich Kern nicht sicher.