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18.01.1991 - 

AS400: IBM lebt vor allem vom Upgrade-Geschäft

Ohne die ausgelasteten /3x-Systeme wäre die Silverlake ein Flop

Workstations und Unix-Systeme machen sich zunehmend im Markt für Midrange-Rechner breit. Analysten räumen deshalb in diesem Verdrängungswettbewerb den Anbietern mittlerer Systeme nur geringe Chancen ein. Die Nixdorf AG mußte bereits das Handtuch werfen, und selbst Digital Equipment müht sich bisher vergeblich, den Abwärtstrend zu bremsen. Einzig die IBM scheint mit der AS/400 ein Mittel gefunden zu haben, sich gegen den herrschenden Trend zu stemmen. Als Nachfolgemodell für die /38-Systeme ist die AS/400 konkurrenzlos. Umsteiger von Mitbewerbern gibt es jedoch nur wenige. Im Gegenteil: Wegen des hohen Portierungsaufwands überlegen gerade /36-Anwender immer häufiger, ob sie nicht die IBM-Welt zugunsten offener Architekturen verlassen. Wenn sie in der Regel trotzdem zur AS/400 greifen, dann weniger wegen der unbezweifelbaren Qualitäten des Rechners, sondern weil jede andere Entscheidung ein Risiko bedeuten würde.

Wir sind auf Nummer Sicher gegangen, begründet Jürgen Kanitz, DV-Leiter der Schimmel Pianoforte GmbH, Braunschweig, den Umstieg von einem System /36 auf die AS/400. Mit der Anschaffung der IBM-Maschine fanden die Bemühungen der Braunschweiger Klavierbauer ein Ende, ihre Datenverwaltung auf das Unix-Betriebssystem umzustellen.

Sorgen machten Kanitz vor allem die /36-Anwendungen. Er befürchtete Probleme bei der Portierung der RPG-Programme. Seiner Einschätzung nach sind die dafür vorgesehenen Werkzeuge noch nicht vollständig ausgereift. Hinzu komme, daß der Migrationspfad von den RPG-Maschinen in Richtung Unix bisher kaum beschnitten wurde.

Diesen Unwägbarkeiten außerhalb der vertrauten IBM-Welt standen auf der anderen Seite die Berichte von geglückten Portierungen auf die AS/400 gegenüber. Das gab den Ausschlag. "Um ganz ehrlich zu sein", räumt Kanitz ein, "wenn der Umstieg nach Unix nicht geklappt hätte, dann wäre das meine Verantwortung gewesen. Deshalb habe ich lieber den sicheren Weg eingeschlagen."

Anders bei der Nürnberger Sanitär-Großhandelsgesellschaft Richter + Frenzel GmbH (R +F). Dort haben sich DV-Management und Geschäftsleitung auf das Wagnis einer Unix-Portierung eingelassen - wenn auch mit dem Vorbehalt, im Falle eines Scheiterns doch noch auf die AS/400 zurückzugreifen.

Die Entscheidung, auf Unix zu gehen, wurde dem Unternehmen erleichtert, weil das Migrationsverfahren vorsieht, daß die RPG-Anwendungen auch auf den Unix-Systemen weiterverwendet werden können. Auf diese Weise braucht der Anwender nicht auf seine vertraute Systemumgebung zu verzichten und kann sich gleichzeitig mit den Möglichkeiten des neuen Unix-Betriebssystems vertraut machen.

Natürlich wurde auch bei R + F die Anschaffung einer AS/400 erwogen. Vor allem die integrierte Datenbank sprach für den IBM-Rechner. Außerdem hätte das Handelshaus bei der IBM-Lösung seine bisherigen Peripheriegeräte weiter benutzen können. Doch der Geschwindigkeitverlust im /36-Mode ließ das Umschreiben der Applikationen unvermeidlich erscheinen. Damit verlor das Argument, der Umstieg auf die AS/400 sei rasch und kostengünstig zu realisieren, seine Stichhaltigkeit.

Die von R + F geprüften Unix-Systeme glänzten dagegen mit kurzen Antwortzeiten und einem gegenüber der AS/400 deutlich günstigeren Preis-Leistungs-Verhältnis. Negativ schlug zu Buche, daß Unix-Systeme auf Betriebssystem-Ebene unkomfortabler zu bedienen sind als die /3x-Rechner. Außerdem zeigten sich im Rahmen der Installation Probleme bei der Druckeransteuerung.

Diese Probleme sind längst behoben, so daß die DV-Mannschaft von R + F heute alle Hände voll zu tun hat, um nach und nach alle Hauptniederlassungen des Handelshauses mit Unix-Rechnern auszustatten. Nach der Erstinstallation in Nürnberg ist jetzt auch in München ein MX-Unix-System von Siemens im Einsatz.

Unternehmen wie R + F, die von /36-Rechnern auf Nicht-IBM-Systeme wechseln, sind allerdings die Ausnahme. In der Regel sehen die IBM-Midrange-Anwender in der AS/400 eine Nachfolgemaschine für ihre überlasteten /36- und /38-Systeme - durchaus mit Berechtigung, denn das Betriebssystem und die Datenbank der AS/400 gleichen zu über 90 Prozent dem der /38-Rechner.

Aus diesem Grund kommt eine Studie der Computer Technology Research Corp., New York, mit dem Titel "OS/400 for IBMs Midrange" zu dem Schluß, daß "bei System/38-Anwendern alle Gründe für einen Umstieg zur AS/400 und keiner dagegen spricht". Diese Ansicht bestätigt auch Hansjörg Däbritz, DV-Leiter bei der Leicher GmbH & Co. in München. Sein Unternehmen ist vor zwei Jahren ohne nennenswerte Schwierigkeiten von einem System/38 auf das Modell 50 der AS/400-Reihe umgestiegen.

Wesentlich schlechtere Erfahrungen hat Däbritz allerdings bei einer früheren Arbeitsstelle gemacht, wo eine /36 abgelöst wurde. "Die AS/400 ist eine Datenbank-Maschine, die /36 dagegen nicht", bringt der DV-Leiter das Hauptproblem der Portierung auf den Punkt. Dieser Unterschied zeigt sich vor allem bei List-Programmen. Obwohl sie auf der /36 im Dialog laufen, sind sie eigentlich Batch-Anwendungen.

Die Anwendungen der /36 kennen also laut Däbritz keine strikte Unterscheidung von Batch-Läufen und Dialogbetrieb. Das habe zur Folge, daß die Performance der AS/400 bei Batch- beziehungsweise List-Programmen "in die Knie geht", weil der Rechner versucht, sie interaktiv zu verarbeiten. Auch G-Sort, ein auf der /36 weit verbreitetes Sortierprogramm, beeinträchtigt, so der DV-Leiter, die Leistungsfähigkeit der AS/400.

Wer die Möglichkeiten des AS/400-Rechners nutzen möchte, ist daher gezwungen, seine Anwendungen für den "native mode" des neuen Rechners um- oder gar neuzuschreiben. Die Max Bahr Holzhandlung GmbH & Co. KG, Hamburg, die im Herbst 1989 auf die AS/400 umstieg, hat zu diesem Zweck einen Dreijahres-Auftrag an ein Softwarehaus vergeben. Dieser hohe Migrationsaufwand wird von den Anwendern häufig als notwendiges Übel angesehen, hilft er ihnen doch, die Software-Investitionen zu schützen.

Trotzdem ist es kein Wunder, daß sich die Migrationsbegeisterung bei den /36-Anwendern in Grenzen hält. Während von den weltweit rund 50 000 Systemen /38 immerhin 35 Prozent durch die AS/400 ersetzt werden, liegt hier der Anteil der Umsteiger von der /36 nur bei etwa 27 Prozent. Da von diesem Rechner rund zwei Millionen im Einsatz sind, liegt hier der größte Markt für die IBM.

Doch die Armonker können nicht klagen. Der Nachfragestau bei den /3x-Anwendern beschert ihnen ein im Vergleich mit den Konkurrenten durchaus erfolgreiches Midrange-Geschäft. Allein in den Jahren 1988 und 1989 hat IBM rund 100 000 Maschinen verkauft. Inzwischen soll die AS/400 sogar mit einem Fünftel an IBMs Nettogewinn von knapp vier Milliarden Dollar beteiligt sein.

Bei dieser Erfolgsstatistik ist allerdings zu berücksichtigen, daß IBM wie häufig auch mit der AS/400 vor allem im eigenen Revier wildert. Dreiviertel aller Kunden besteht aus /3x-Umsteigern. Und hinter den 22 Prozent der Neukunden versteckt sich eine Reihe eingeschworener Big-Blue-Fans, die sich diese Maschine im Rahmen der SAA-Kampagne zulegten. Big Blue verdient also vor allem am Upgrade-Geschäft.

"Angesichts der hohen Investitionen für die Hardware und die mehrjährige Portierungsdauer ist es natürlich nicht mehr möglich, die AS/400-Welt zu verlassen", zeigt Wolf-Rüdiger Bölck, DV-Leiter der Hamburger Holzhandlung, eine weitere Konsequenz des Umstiegs auf die AS/400 auf. Er räumt zwar ein, daß es eine Rolle spiele, ob man sich von einem Hersteller abhängig mache, fühlt sich bei der IBM aber offensichtlich gut aufgehoben. Dort sei die Gefahr eines Konkurses am geringsten. Außerdem sorge die große Zahl der /3x-Anwender dafür, daß IBM es sich nicht leisten könne, die Unterstützung dieser Kunden aufzugeben.

Insgesamt fühlen sich die Kunden mit der AS/400 ausgesprochen wohl. Sie heben vor allem die Leistungsfähigkeit des eingebauten Datenbank-Systems hervor. DV-Leiter Däbritz faßt die Vorteile zusammen: "Die Datenbank umfaßt das ganze System, und man kann von jeder Stelle aus bis auf Feldebene zugreifen. Die feste Verdrahtung läßt einen viel direkteren Umgang mit ihr zu. Zwar ist sie nicht portabel, aber dafür mindestens so flexibel wie jedes Datenbank-System auf Softwarebasis."

Die Analysten der Computer Technology Research Group sehen in diesen aus der Hardwarenähe resultierenden Vorzügen der AS/400-Datenbank aber zugleich ihre Achillesferse. Der Anwender hat nämlich keine Wahl.

Sein Rechner unterstützt keine andere Datenbank als die mitgelieferte. Auf diese Weise werden technologische Weiterentwicklungen verschlafen. So bietet die AS/400 weder referentielle Integrität noch ein Two-Phase-Commit.

Trotzdem ist die Begeisterung der Anwender für diese Datenbank so groß, daß /3x-Umsteiger ihre Eigenschaften bei möglichen Neuanschaffung ins Pflichtenheft schreiben. So gehörte bei der Hamburger Holzhandlung ein in das Betriebssystem integrierten Datenbank-Systems zu den Anforderungen an den Rechner, der die /36 ablösen sollte. Neben der AS/400 hat das Unternehmen auch Systeme von Hewlett-Packard, Nixdorf, Siemens, NCR und Unisys getestet, wobei die beiden letztgenannten unter Unix liefen.

Die Datenbank-Anforderungen gehörten dabei zu einer langen Punkteliste, aufgrund derer die Auswahl getroffen wurde. DV-Leiter Bölck kann zwar nicht mehr sagen, welche Kriterien letztendlich den Ausschlag gegeben haben, räumt aber ein, daß die eingebaute Datenbank der AS/400 ein klarer Vorteil gegenüber den Konkurrenzmaschinen gewesen sei.

Ein wesentliches Argument für die AS/400 sei zudem der Sicherheitsaspekt gewesen. Dazu Bölck: "Im Gegensatz zu OS/400 ist Unix weit verbreitet und sehr offen. Deshalb besteht dort auch die Gefahr, daß Unbefugte in das System eindringen." Außerdem habe man einen einfach zu bedienenden Rechner gesucht. Am Ende hat sich bei den Hamburgern herausgestellt, daß die AS/400 vom Preis-Leistungs-Verhältnis am besten abschnitt. Auf dem zweiten Platz lag der HP-Rechner, gefolgt von den Unix-Systemen von Unisys und NCR.