Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.06.1991 - 

Komplexe Zusammenhänge müssen transparent gemacht werden

Ohne DV-Unterstützung ist Umweltschutz nicht zu leisten

21.06.1991

Der Einsatz der Datenverarbeitung im Umweltschutz ist weder eine Angelegenheit für Freaks, noch eine Sache, über deren Sinn und Zweck man streiten kann. Auch im Umweltschutz werden die Möglichkeiten von Software genutzt, um komplexe Zusammenhänge transparent zu machen und damit Entscheidungsprozesse zu erleichtern.

Der verstärkte Einsatz von DV im Umweltschutz ist eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, da Softwarelösungen den Vollzug der Umweltschutz-Gesetzgebung beschleunigen und Umweltbelastungen zu vermeiden helfen.

Der Markt für Umweltschutz-DV ist noch recht unbedeutend. Die Gesamtinvestitionen der Anwender in Hardware und Software betrugen 1990 rund 250 Millionen Mark. Die größten Investoren sind der Bund und die Länder mit 100 Millionen Mark. Allein die Länder Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben daran einen Anteil von 70 Millionen Mark. Städte und Gemeinden investierten etwa 50 Millionen Mark.

Die Ausgaben der Industrie lagen bei 30 Millionen Mark. Davon entfallen rund 80 Prozent auf die chemische Industrie, die ihre Software aber weitgehend selbst entwickelt. Die restlichen Investitionen verteilen sich im wesentlichen auf Dienstleister, Handel und Verkehr.

Der Rang, den die Umweltschutz-DV einnimmt, wird deutlich im Vergleich zu den Gesamtinvestitionen für Hardware und Software in der Bundesrepublik 1990. Die Investitionen in Hardware und Systemsoftware betrugen zwölf Milliarden Mark, Investitionen in Standardsoftware rund zwei Milliarden Mark. Inklusive Dienstleistungen hatte der deutsche DV-Markt 1990 ein Volumen von 24 Milliarden Mark.

Für 1991/92 werden in der Industrie wesentlich höhere Investitionen als 1990 erwartet. Das gilt auch für die "saubere" metallverarbeitende Industrie. Einer der Gründe dafür liegt unter anderem in der geschickten Umwelt-Gesetzgebung der Bundesregierung.

Scheinbar unbedeutende Erweiterungen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes wie der ° 52a haben das Umweltbewußtsein des Managements vieler Unternehmen in einem Maße verändert, das allein durch die Verschärfung von Richt- und Grenzwerten nicht zu erreichen gewesen wäre. Vielen Verantwortlichen ist klar geworden, daß sie die Forderung des ° 52a, den Behörden auf Verlangen nachzuweisen, wie in ihrem Unternehmen die Einhaltung der Umweltgesetze sichergestellt wird, nicht erfüllen können.

Der Umweltschutz ist in vielen Unternehmen nicht in der betrieblichen Organisation verankert. Oft gibt es kein aktuelles Umwelt-Berichtswesen. Qualitative und strategische Umweltziele sind vielfach nicht formuliert. Eine klare Meßlatte für Ziele und erforderliche Aktivitäten liegt nicht vor.

Softwarelösungen können diese Situation erheblich verbessern. Das scheint sich in vielen Unternehmen auch herumgesprochen zu haben. Bei der deutschen Managern eigenen Gründlichkeit dauert es seine Zeit, bis Entscheidungen getroffen werden. Wahrscheinlich liegen die Gründe für den zögerlichen Einsatz der DV auf der gleichen Ebene wie bei der Produktionsautomatisierung. Auch hier hat es lange gedauert, bis auf breiter Ebene eine Akzeptanz für Softwarelösungen zu verzeichnen war.

Ein weit größere Handlungsdruck als auf der Industrie lastet auf den kommunalen Umweltschützern. Die bestehende Vielzahl von Verordnungen und Verwaltungsvorschriften ist mit dem vorhandenen Personal nicht zu bewältigen, und für neue Planstellen fehlt Geld.

Auf der Suche nach geeigneten Softwarelösungen stoßen investitionswillige Unternehmen und Behörden freilich auf erhebliche Angebotslücken. Bestenfalls finden sie medienorientierte Lösungen (Wasser, Luft, Abfall etc.), die eine Wissensbasis bereitstellen (Stoffdaten, Richt- und Grenzwerte etc.), Berichte generieren (zum Beispiel Emissionsberichte) und Ergebnisse grafisch aufbereiten.

Dieser Funktionsumfang ist schon ganz beachtlich, berücksichtigt man, daß die Anbieter überwiegend kleine Softwarehäuser und Ingenieurbüros sind. Der angesprochenen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Umweltschutz-DV werden diese Lösungen allerdings nicht gerecht.

Die Industrie braucht Lösungen, die den Umweltschutz in Planung, Produktion und Rechnungswesen integrieren, damit sich endlich die Ziele des Öko-Controlling realisieren lassen. Anbieter solcher Lösungen könnten Unternehmen wie SAP sein, der die Implementierung

eines Bausteines Umweltschutz in die vorhandene Software nicht allzu schwer fallen dürfte.

In der öffentlichen Verwaltung sollte die DV-technisch unterstützte Vorgangsbearbeitung absoluten Vorrang genießen. Es kommt darauf an, Verwaltungsabläufe zu rationalisieren und damit Bearbeitungszeiten (zum Beispiel von Bauanträgen) im Interesse der Bürger zu verkürzen.

Die Qualität von Entscheidungsfindungen muß verbessert werden. Fachlich und politisch Verantwortliche sind ständig auf den aktuellen Informationstand über den Erfüllungsgrad langfristiger Zielsetzungen zu halten.

Konzepte für solche Lösungen existieren bereits. Eine wesentliche Hemmschwelle für ihre Umsetzung, etwa durch einen großen DV-Hersteller, stellt die Unsicherheit bezüglich des Return on Investment dar. Die Anzahl der potentiellen Anwender ist schwer auszumachen. Es scheint auch so, als würde die Entwicklung einer umfassenden Lösung, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit vielfach zum Einsatz kommen müßte, durch verständliche Profilierungsinteressen der politisch Verantwortlichen erschwert. Man will sich gegenüber Bürgern und Wählern durch eine eigene Lösung qualifizieren.

Einige Länder, nämlich Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen, haben landeseinheitliche Lösungen für den kommunalen Umweltschutz spezifiziert und beginnen mit der Entwicklung der Software. Andere Länder wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein befinden sich in der Planungsphase. Hier könnten innovative Konzepte noch eingebracht werden. Die Situation in den Großstädten ist ähnlich.

Trotz der geschilderten Probleme im Bereich der großen integrierten Lösungen hat Umweltschutz-Software weiterhin Konjunktur, denn in vielen Fällen müssen zunächst einmal die dringendsten Probleme gelöst werden. Dafür stehen viele medienorientierte Lösungen zur Verfügung. Einige Anbieter wie Inplus, AWD und Stollmann bieten auch Umweltinformationssysteme an, in denen Daten- und Wissensbasen sowie Auswertungen medienübergreifend organisiert sind.

Derzeit werden in der Bundesrepublik zirka, 150 Softwarelösungen für den Umweltschutz angeboten (siehe auch Übersicht Seite 16). Darin sind die von Behörden entwickelten Programme allerdings nicht enthalten. Der vom MES-Verlag herausgegebene Softwareführer Umweltschutz enthält in seiner neuesten Ausgabe 119 Lösungen.

Er beschreibt in Stichworten den Funktionsumfang der Programme und macht Angaben zu Betriebssystem, Preis, Anzahl der Installationen und Anbieter.

*Horst Ellringmann ist Geschäftsführer der Ellringmann & Partner Unternehmensberatung, Königstein.