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18.05.2001 - 

Diskussion unter www.computerwoche.de: Zu alt für die IT?

Ohne Fortbildung keine Chance für Ältere

MÜNCHEN (CW) - Müssen IT-Profis schon ab 40 Jahren um ihre berufliche Zukunft bangen, da die Firmen jüngere Bewerber bevorzugen? Diese Frage beantworteten die Teilnehmer der Diskussion "Zu alt für die IT?", die die COMPUTERWOCHE auf ihrer Website angestoßen hatte, oft mit Ja, teilweise auch mit Nein.

Zu wenig flexibel, ausgebrannt, kein aktuelles Know-how. Mit diesen Attributen belegen manche Firmen ältere Arbeitnehmer in der IT. Damit versuchen sie zu begründen, warum sie ausschließlich jüngere Bewerber haben wollen. Auch einige Teilnehmer der Online-Diskussion waren der Ansicht, dass schlechte Jobaussichten in der IT keine Frage des Alters, sondern vielmehr der Qualifikation und der Bereitschaft, ständig dazu zu lernen, seien. So wurde angeführt, dass beispielsweise Bewerber mit 20-jähriger Cobol-Erfahrung kaum noch Chancen hätten, während alle über 40-jährigen C++-Programmierer herzlich willkommen seien.

Kein Budget für WeiterbildungDie eigene Qualifikation auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten ist aber gerade für ältere Mitarbeiter nicht immer leicht, wie das Beispiel eines Ingenieurs zeigt. Zwei Jahre war dieser arbeitslos, nachdem er nach zehn Jahren im Ausland nach Deutschland zurückgekehrt war. Dann schaffte er den Seiteneinstieg in eine "gut florierende Weltfirma", die Führungskraft bescheinigte ihm Zugehörigkeit zum oberen Leistungsdrittel der Abteilung. Als sich der über 40-Jährige weiterbilden wollte, um in seinem ursprünglichen Metier Software-Engineering wieder verstärkt tätig werden zu können, wurde das notwendige Budget nicht genehmigt. Gleichzeitig beklagte der Firmenvorstand medienwirksam den Mangel an Fachkräften.

Auch andere Diskussionsteilnehmer bestätigen, dass die Bereitschaft zur Finanzierung von Weiterbildung in vielen Unternehmen nicht vorhanden sei und die Mitarbeiter bewusst dumm gehalten würden. Dann bleibt oft nur noch die Eigeninitiative. So führt ein Diskutant an, seit 1980 "einige 1000 Stunden Freizeit" in seine berufliche Qualifizierung investiert und dabei von Assembler über Unix bis zu SQL und XML alle technischen Strömungen mitgemacht zu haben - was bisher auch von den Auftraggebern honoriert wurde.

Bei Freiberuflern scheint im Gegensatz zu Festangestellten das Alter keine Rolle zu spielen. Das bestätigen einige Beiträge im Diskussionsforum. So weist ein Teilnehmer auf die Situation bei der Deutschen Bank hin, die in der IT einen hohen Prozentsatz von Mitarbeitern über 40 Jahren habe: " Diese sind aber in der Regel nicht fest angestellt, weil man nicht bereit ist, sie adäquat zu bezahlen. Aber als externe Mitarbeiter wird dieser Personenkreis mit einem Stundensatz von 200 bis 300 Mark abgerechnet und auch mit Kusshand genommen. Die Leute haben finanziell gesehen gar kein Interesse daran, sich anstellen zu lassen."

Auch das höhere Gehalt nennen einige Firmen als Grund für ihre Vorbehalte gegenüber älteren IT-Experten. Sind diese also schlichtweg zu teuer? Nein, meint ein betroffener Ingenieur, da sie "unschätzbares Wissen um notwendige Abläufe zur Erstellung eines Produkts besitzen und auch nur sie halbwegs genau den Aufwand für eine Aufgabe schätzen können". Den Wert der Berufserfahrung rufen auch viele andere Diskussionsteilnehmer in Erinnerung: So helfe Routine, Fehler zu vermeiden. Gerade Wissen in den Bereichen Logistik, Vertrieb, Marketing und Kommunikation, das Unternehmen mit E-Business-Ambitionen dringend bräuchten, lasse sich erst nach Jahren der Berufstätigkeit aufbauen. Ein Consultant für ERP-Software weist darauf hin, dass die Kenntnis einer Entwicklungsumgebung und die Beherrschung einer Programmiersprache allein nicht ausreichten: "Oft genug habe ich Programme erhalten, die zwar technisch einwandfrei, aber für den Gebrauch beim Kunden ungeeignet waren. Das liegt da-ran, dass gerade junge Entwickler keine Ahnung von den Anforderungen der Kunden haben. Dieses Wissen können sie aber nur von erfahrenen Mitarbeitern erlangen."

Gewachsenes Wissen gilt nichts in der BrancheDem Loblied auf die Erfahrung hielt ein 33-Jähriger im Forum entgegen, dass gerade in der IT-Branche technische Trends sehr schnell in Vergessenheit geraten und mit ihnen die Fachleute, die sich darauf spezialisiert hatten: "Gewachsenes Wissen gilt in dieser Branche, insbesondere in technischer Hinsicht, nichts."

Andere wiederum machen auf die Schwierigkeiten mit älteren Mitarbeitern aufmerksam, die nicht darauf vorbereitet seien, dass wesentlich jüngere Kollegen für sie Entscheidungen fällen. Einige Diskutanten plädieren aber dafür, dass gerade die Zusammenarbeit zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern angestrebt werden müsse. So hat eine Teilnehmerin die Erfahrung gemacht, dass "Ältere" die Zusammenhänge besser erkennen können und in bestimmten Situationen souveräner und professioneller reagieren. Gleichzeitig müssten sie aber in der Lage sein, neue Ideen oder auch Visionen zuzulassen, die vielfach dann von jüngeren Mitarbeitern ausgehen.

Typisch deutsches ProblemDie Frage, ob man mit 40 Jahren schon zu alt für die IT ist, empfinden einige Teilnehmer als typisch deutsches Problem. In anderen europäischen Ländern sei der Jugendwahn weniger ausgeprägt: " Ich hatte die Gelegenheit, als europäischer Teamleiter auch Kollegen aus Frankreich oder England in den Projektteams zu haben. Etliche von den englischen Kollegen waren um die 50 oder darüber. Die waren mindestens genau so gut wie die jungen Mitarbeiter, meist sogar auf Grund der Erfahrung besser. In diesen Ländern werden die IT-Mitarbeiter auch nicht nach dem Alter, sondern nach der Erfahrung eingestellt."

Dass es aber auch in Deutschland Beispiele gibt, die Mut machen, zeigt der Hamburger Holger Jass: "Ich gehöre zu den ,alten Knackern'' mit einem Gesicht wie ein ungemachtes Bett. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mit 50 Jahren noch etwas völlig Neues anzufangen. Ich habe ein Online-Spiel erfunden, das den schönen Titel ,Sehr erfahrene Menschen'' trägt. Innerhalb kürzester Zeit hat es sich als Geheimtipp speziell bei jüngeren Leuten entwickelt. Ein 30-jähriger Personalchef hätte mir wahrscheinlich nie die Chance gegeben, so etwas in einer IT-Firma zu entwickeln."

Alexandra Mesmer, amesmer@computerwoche.de

In eigener SacheÜber 100 Leser haben sich am Online-Diskussionsforum "Zu alt für die IT?" beteiligt. Eine Resonanz, die zeigt, dass das Thema bewegt. Bei unseren Recherchen auf der CeBIT wollten sich nur wenige Personaler damit zitieren lassen, dass ihr Unternehmen jüngere Bewerber bevorzugt. Hinter vorgehaltener Hand gaben sie dann allerdings zu, dass Altersgrenzen beständen. Heiko Lambach gehörte zu den Personalverantwortlichen, die der CW ein offenes Interview gaben. Mittlerweile widerruft er seine Aussage, dass ältere Bewerber keine Chancen bei FJA haben, wie folgt: "Eine derartige Aussage habe ich niemals getroffen. Im Gegenteil, bei FJA arbeiten ältere DV-Experten, die ausgezeichnete Arbeit leisten. Es ist lediglich der Fall, dass vielfach ältere Bewerber in ,älteren'' Technologien (Host-Anwendungen, AS/400 etc.), die im heutigen Projektgeschäft eher weniger verwendet werden, Fach-Know-how mitbringen. Da kann es dann schwierig werden, eine geeignete Stelle anzubieten. Wer sich weiterentwickeln will, ist auch bei FJA herzlich willkommen. Es muss also deutlich differenziert werden." Diesem Widerruf hielt ein Betroffener im Online-Diskussionsforum entgegen, dass er wie auch mehrere andere Bewerber bei FJA "allein des Alters wegen" abgelehnt worden war.

MeinungenEigentlich befremdet die ganze Diskussion, wenn man bedenkt, dass hier das Lebensalter 40 mit dem Begriff "Alter" korreliert werden muss. Markus Doms

Aufgrund der Alterstruktur in Europa und nachdem wir wegen der Rente (?!) alle bis 70 arbeiten müssen, wird man bald mit 40 mit Handkuss begrüßt. Es ist ein Armutszeugnis für Unternehmen, erfahrene Leute ab 40 abzuweisen. Markus Döring

Es ist interessant zu sehen, mit welcher Arroganz jene "Idealbesetzung" der IT-Branche den Karren in den Dreck gefahren hat. Diese grünen Jungs, die jeden Morgen vor der Arbeit noch einen Liter Clearasil saufen müssen. Deren einzige Erfahrung darin besteht, zwei Jahre bei irgendeinem namhaften Berater mit idiotischen und unverständlichen Standardpräsentationen durch die Welt gezogen zu sein. Genau diese grünen Jungs haben noch vor zwei Jahren den "IT-Jurassicpark" ausgelacht, als zu langsam und zu unflexibel. Tja, wer lacht jetzt? Wer wird gesucht? Diese Dinos, weil sie schon gearbeitet haben, weil sie Erfahrung haben und nicht ständig die Fehler der letzten 20 Jahre mit dem Geld anderer Leute wiederholen. Wurzelgrumpf

Es ist einfach eine Mär, dass wirkliche IT-Spezialisten über 40 keine Chance haben. Wobei die Betonung auf wirklich liegt. Vielmehr glauben viele, die aktuelle Nachfrage nutzen zu können, um noch schnell das Pferd zu wechseln. Auf unsere Stellenanzeigen bewerben sich Leute, die faktisch seit Jahren keinerlei Weiterbildung, weder durch eigene Initiative noch durch betriebliche Veranlassung, erhalten haben. Klar ist, dass ein RPG-Programmierer (auch die gibt es noch) in einem C/SUmfeld nur dann überhaupt eine Chance hat, wenn zusätzliche Qualifikationen und prak-tische Kenntnisse vorhanden sind. Heinrich Haas

Eigentlich hat das Ganze mit Jugendwahn weniger zu tun. Die äußere Form erinnert nur daran. Eher kann man es mit der Wegwerfgesellschaft vergleichen. Die (jungen) Menschen werden auf Staatskosten ausgebildet. Ihre Ausbildung kostet das einzelne Unternehmen also nichts. Ihre erlerntes Wissen und ihre Fähigkeiten werden binnen kürzester Zeit aus ihnen herausgelutscht. Weil ihre weitere Fortbildung teuer ist, da diese die Firma selbst zu tragen hat, holt man sich lieber wieder einen neuen, jungen, billigen, unerfahrenen Mitarbeiter. Lutsch ihn aus und fort. Der Nächste bitte! Matthias Greß