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17.11.1978 - 

Tandem Computer expandiert:

Ohne Host geht die Rechnung auf

"Wir haben mit dem Host Schluß gemacht. Das hierarchische Prinzip innerhalb von Netzwerken gibt es für uns nicht mehr!" Diese apodiktische Absage an das gewohnte Layout von großen verteilten Computernetzen gibt Horst Enzelmüller, Geschäftsführer der Tandem Computers GmbH. Daß der Exote unter den Rechnerherstellern bisher erfolgreich war, zeigt nicht nur ein Blick in die bundesdeutsche Referenzliste.

Die bisherige Entwicklung des Multi-Novizen könnte aus dem Bilderbuch des amerikanischen Venture Capital-Geschäftes stammen. Ende 1974 gründete der Finanzexperte und heutige Tandem-Präsident James G. Treybig mit einer Million Dollar das Unternehmen. Die Produktidee stammte von einigen Ex-Hewlett-Packard-Ingenieuren und einem Experten für Rechnerkanalprobleme, der von Amdahl zu Tandem wechselte.

1977 ging das Unternehmen an die Börse. Die Aktien wurden im Freiverkehr zu einem Ausgabekurs von 11,50 Dollar gehandelt; heute liegt der Kurswert bei über 30 Dollar. Bereits im Geschäftsjahr 1977/78 kam man in schwarze Bilanzzahlen und erwirtschaftete 3 Millionen Dollar Gewinn (vor Steuern).

Die deutsche Tochter wurde 1975 gegründet. Sie setzte im letzten Geschäftsjahr 12,9 Millionen Mark um. Inzwischen gibt es Niederlassungen in Frankfurt (Hauptsitz), Düsseldorf, München, Hamburg und Stuttgart. Weitere sind geplant. Zur Zeit werden 52 Mitarbeiter beschäftigt; 1979 sollen es rund 100 sein. Zusätzlich plant Tandem eine eigene Produktion in der Nähe von Frankfurt. Man will von dort aus neben Tandem-Deutschland auch die Töchter in England, Schweden und in der Schweiz sowie die geplanten Niederlassungen in Frankreich, Italien und den Benelux-Ländern beliefern.

In Deutschland sind bisher 20 Computersysteme installiert worden. Die größere Anlage hat einen Wert von etwa 2,7 Millionen Mark.

Unabhängig aber kooperierend

Die Tandem-Produktphilosophie steht der bekannten hierarchischen Master-Slave- sowie Standby-Lösung entgegen, wenn es darum geht System-Down-Zeiten zu vermeiden. Tandem-Rechner enthalten mindestens zwei unabhängige jedoch kooperierende Prozessoren; Erweiterungsmöglichkeiten bis zu 16 Prozessoren in vier Schränken sind gegeben. Jeder Hauptspeicher ist für bis zu 2 MB Kapazität ausbaufähig. Alle Programme können auch auf mehreren ZEs laufen ohne verändert werden zu müssen.

Fällt ein Prozessor aus, wird die gesamte Arbeit mit wenig verringerter Geschwindigkeit weitergeführt; sie bleibt jedoch konstant, wenn ein anderer Prozessor zugeschaltet wird.

Den Ausfallschutz garantiert der sehr schnelle redundante Prozessorkanal Dynabus, der bis zu 13 Millionen Zeichen pro Sekunde transportiert. Über diesen Kanal kontrollieren sich permanent die einzelnen Prozessoren untereinander.

Fehlertoleranz

Für neue Anwendungen und damit neue Kundenkreise will man nun die "fehlertolerante" Hardware mit zwei neuen Programmpaketen präzisieren. Das ist einmal die erweiterte Betriebssystemversion "Expand". Damit lassen sich bis zu 4080 Prozessoren in vermaschten nationalen oder landesübergreifenden Installationen steuern. Dieses Paket verfügt über eine End-to-End-Protokollierung für die Datensicherung, Leitungssteuerungen mit X.25-Kompatibilität sowie die Möglichkeit Kommunikationswege zwischen den einzelnen Rechnern automatisch durchzuschalten. Die Folge ist bei größeren Netzen erhebliche Kostenersparnis. DFÜ-Gebühren für die sonst notwendigen Weitergaben innerhalb von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen entstehen bei Netzwerken unter "Expand" nicht. Spezielle Programme für den Nachrichtenaustausch von Knoten zu Knoten müssen nicht geschrieben werden. Alle Fehler eines Netzes erscheinen auf dem Bildschirm. Das bezieht sich sowohl auf Leitungsausfälle, wie auf Modems, Prozessoren und Peripheriegeräte. Das Paket soll auch Hardware anderer großer Hersteller "beobachten" können. Alle Prozeduren werden unterstützt.

Das zweite neue Softwarepaket ist ??form. Es wurde als Abfragesprache für den Zugriff auf Datenbanken konzipiert. Deutsch, englisch oder französisch können Durchschnittswerte, Prozentrechnungen sowie Zwischen- und Gesamtsummen abgerufen werden. Auch nicht verknüpfte Informationen sind erhältlich und volle Verfügbarkeit ist gegeben. Abfragen kann man von jedem Terminal aus.

Marktnische im Visier

"Fehlertoleranz" hat ihren Preis. Tandem-Computer, genannt "Nonstop-Systeme", sind von einer halben Million Mark an aufwärts zu haben. Da die Kunden oft bereits nach kurzer Zeit weitere Ansprüche an ihren Multi-Rechner stellen, zieht fast jede Installation alsbald Erweiterungen nach sich. Als mögliche Abnehmer sieht das deutsche Management im eigenen Land gute Absatzchancen in der Großindustrie, in der Flug- und Hotelreservierung und im Hochschulbereich. Weitere Anwendungen erwartet man in der Lagersteuerung, in C&C-Betrieben sowie in der Fertigungssteuerung.

Sorgen um geschäftlichen Zuwachs gibt es nicht. Im Gegenteil: Tandem will sich auf die Produkt-Marktnische konzentrieren und ausschließlich große Anwender für Multiprozessor-Anlagen innerhalb großer Netze mit Package Switching-Kapazitäten und verteilten Datenbanken angehen. Enzelmüller: "Mit unserer einzigartigen Fehlertoleranz, sowohl innerhalb eines einzelnen Computers, als auch innerhalb eines Netzwerkes, glauben wir in einer sehr starken Position zu sein!"

*Klaus Rosenthal ist freier EDV-Journalist.