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IT im Handel/Im Handel ist neben Branchenkenntnissen auch soziale Kompetenz gefordert


30.07.2004 - 

Ohne IT-Profis läuft der Laden nicht

"Der große Renner in unserem Future Store ist die intelligente Waage", schwärmt Albrecht von Truchseß, Pressesprecher der Metro Group. "Die Kunden legen Äpfel, Birnen oder Bananen auf die Waagschale, die Waage erkennt das Produkt und druckt das entsprechende Preisetikett aus." Der Kunde muss sich nicht mehr, wie bei herkömmlichen elektronischen Waagen in Supermärkten, die angegebenen Nummern für das Obst und Gemüse merken und auf einer oft unübersichtlichen Tafel eintippen. Die intelligente Waage (entwickelt von Mettler Toledo) ist mit einer Kamera und spezieller Software (von IBM) ausgestattet: Sie erkennt anhand von Oberflächenbeschaffenheit, Farbe, Größe und Wärmebild, um welches Produkt es sich handelt. Das Gerät berechnet anhand des Gewichts den Endpreis. Über das interne Funknetz (von Cisco Systems) ist die intelligente Waage mit dem Kassen-Server verbunden, so dass sie das gewogene Produkt automatisch mit dem richtigen Grundpreis bewertet. Ein integrierter Drucker liefert das Klebeetikett mit Artikelbezeichnung, Gewicht, Endpreis und Barcode. Nur wenn sich die Waage nicht sicher ist, muss der Kunde aus mehreren Möglichkeiten wählen, was beispielsweise bei Tomatensorten passieren kann. "Der Kunde bestätigt dann per Knopfdruck auf dem Touchscreen, ob es sich um Fleischtomaten, Eiertomaten oder Rispentomaten handelt", erklärt von Truchseß.

Zukunftstechnologien als Jobmotor

Die Waage steht im Future Store der Metro Group im niederrheinischen Rheinberg, dem ersten Projekt der gleichnamigen Initiative des internationalen Handelskonzerns, an dem weitere rund 40 Unternehmen aus Dienstleistung, Lebensmittelproduktion und Technologie wie unter anderem die SAP AG, Fujitsu-Siemens Computers und Microsoft beteiligt sind. Der Future Store ist die Zukunftswerkstatt für künftige Technologien, die auch anderen Handelsunternehmen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Im Handel tut sich nicht nur in Sachen E-Commerce auf technischem Gebiet viel. Neue Trends und Entwicklungen der Branche betreffen beispielsweise moderne Shopping-Systeme wie die intelligente Waage, elektronische Preisschilder, die Selbstzahlerkasse oder den persönlichen Einkaufsberater (Personal Shopping Assistant = PSA), der in Form eines tragbaren Computers den Kunden beim Einkauf etwa über Sonderangebote informiert. In aller Munde ist derzeit die Technologie Radiofrequenz-Identifikation (RFID), die die drahtlose Übertragung von Produktdaten ermöglicht. Zu diesem Zweck werden Smart Chips, in denen ein spezieller Produktnummerncode gespeichert ist, an Produkte angebracht. Die Informationen sind in den Datenbanken des Handelsunternehmens hinterlegt, dadurch ist es möglich, einzelne Artikel eindeutig zu identifizieren. So können Mitarbeiter die Warenbestände der entsprechend mit Smart Chips ausgestatteten Paletten und Produkte quasi im Vorbeigehen mit einem speziellen Lesegerät kontrollieren. Auch auf diesem Gebiet ist die Metro Group Vorreiter: Am 7. Juli eröffnete der Konzern sein RFID Innovation Center in Neuss, das die für November 2004 geplante RFID-Implementierung vorbereiten und vorantreiben soll. Das Düsseldorfer Unternehmen will als weltweit erster Handelskonzern RFID entlang der gesamten Prozesskette in der Logistik einsetzen.

Versteht sich fast von selbst, dass die Metro Group laufend technisches Personal sucht. "Seit den drei Jahren, in denen ich für den Konzern tätig bin, suchen wir eigentlich ständig Leute, die sich in der Informationstechnologie und Logistik auskennen", erklärt von Truchseß. Wichtige Qualifikationen neben dem fachlichen Know-how seien vor allem Begeisterung, Offenheit, Flexibilität und Auslandsbereitschaft. "Über Englisch reden wir dabei gar nicht mehr. Die Beherrschung dieser Sprache in Wort und Schrift ist Voraussetzung", fügt der Unternehmenssprecher hinzu. Denn auch für die internationale Expansion benötigt der Handelsgigant, der über 2300 Standorte in 28 Ländern unterhält und 2003 insgesamt 47,2 Prozent seines Gesamtumsatzes von 53,6 Milliarden Euro im Ausland erwirtschaftete, immer Interessenten. Als Recruiting-Instrument nutzt der Konzern vor allem seine eigene Image- und Jobmesse "Meeting Metro", wo er sich als Arbeitgeber vorstellt und Absolventen für eine Karriereim Handel interessieren will (siehe Kasten "Meeting Metro"). Im Übrigen verzeichnet die Metro Group eine stetig zunehmende Mitarbeiterzahl: Diese wuchs von rund 235300 im Jahr 2002 auf über 242000 im vergangenen Jahr.

Das ist ein kleiner Lichtblick in der ansonsten gebeutelten Branche, die hierzulande aus zirka 475000 Einzelhandelsunternehmen, 135000 Firmen im Groß- und Außenhandel, 60000 Handelsvermittlungen und 400 so genannten Verbundgruppen wie Einkaufskooperationen besteht. "Wir befinden uns seit zehn Jahren in der Stagnation", beschreibt Olaf Roik, E-Commerce-Experte des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), die allgemeine Lage. "Die Verbraucher sind verunsichert, haben Angst um ihren Arbeitsplatz und investieren eher in ihre Vorsorge als in Konsumgüter." Der Einzelhandel im engeren Sinne (ohne Kraftfahrzeughändler, Tankstellen und Apotheken) erzielte laut HDE 2003 lediglich einen Umsatz von 372 Milliarden Euro, was um 0,8 Prozent unter den Vorjahreseinnahmen und in etwa auf dem Niveau von 1995 und 1996 lag. Viele Unternehmen reagierten mit Stellenstreichungen: Die Zahl der Mitarbeiter im Einzelhandel verringerte sich um 30000 auf 2,74 Millionen.

Verkaufspräsenz vor Ort, aber auch im Internet

"Im Moment beschäftigen sich die Handelskonzerne vor allem damit, wie sie Kosten senken und den Umsatz ankurbeln können", erklärt Roik. Beim ersten Punkt handele es sich vor allem um eine Reduzierung der Betriebskosten sowie der Ausgaben für Einkauf und Personal. Eine Umsatzbelebung versprechen sich die Firmen von den Möglichkeiten des E-Commerce und Kundenbindungsaktionen wie Kundenkarten. Auch über eine Verbesserung des Sortiments und der Serviceleistungen will der Einzelhandel Umsatzvorteile erwirtschaften. "Im Business-to-Consumer-Bereich geht es um Multi-Channelling, das heißt eine Verkaufspräsenz vor Ort, aber auch im Internet," so Roik weiter. Etwa 15000 bis 20000 der im HDE organisierten 100000 Einzelhandelsunternehmen besitzen laut Roik derzeit zudem einen Online-Shop und erhoffen sich dadurch neue Einnahmequellen. Immerhin rechnet der HDE beim E-Commerce mit einem Umsatzanstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 13 Milliarden Euro (inklusive Ticketverkäufen, kostenpflichtigen Downloads und Reisen).

Diese Aktivitäten erfordern entsprechend qualifiziertes Personal, das sich um die Optimierung der Wertschöpfungskette, interne Standardsysteme für Personal, Rechnungswesen, Controlling und Kommunikation kümmert, aber auch in puncto IT-Sicherheit, Data Ware-housing und E-Commerce fit ist. "Es gibt noch Potenzial in den Bereichen M-Commerce, T-Commerce und TV-Shopping", führt Dorothee Hoffmann an, Pressesprecherin des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH), in dem rund 210 der insgesamt 500 reinen Versender in Deutschland organisiert sind. Gerade beim Versandhandel seien auch die kleineren Firmen daran interessiert, das Herzstück der IT im Hause zu betreuen und nicht an externe Dienstleister zu geben. "Es ist nicht mehr der Hype von vor fünf oder sechs Jahren, als jeder, der sich nur am Rande mit IT auskannte, eingestellt wurde", fährt sie fort. Der größte Bedarf an IT-Profis sei in der Branche gedeckt, aber es würden immer wieder Informatiker oder Wirtschaftswissenschaftler mit Nebenfach Informatik gesucht, nur heute achteten die Unternehmen mehr auf die Qualifikationen.

Auch im Handel gilt, dass nur der eine Chance hat, der über den fachlichen Tellerrand hinausblickt. "IT-Experten im Handel müssen neben aller fachlichen Qualifikation flexibel, motiviert, teamfähig sein und Fremdsprachenkenntnisse mitbringen", erklärt Wilfried Malcher, verantwortlicher Geschäftsführer für Berufsbildung beim HDE. "Aber diese Eigenschaften gehören beim Service eigentlich zur Fachqualifikation." Malcher bestätigt, dass die Handelsunternehmen zwar externe IT-Dienstleister beschäftigen, aber immer auch interne Fachkräfte benötigen. Dabei spiele vor allem das Thema interne Weiterbildung eine große Rolle, das auf hohem Niveau betrieben werde. Nicht nur Informatikkaufleute seien gefragt, sondern auch Akademiker wie reine Informatiker mit Branchen-Know-how und Wirtschaftsinformatiker.

So legt etwa die Spar Handels-Aktiengesellschaft, die ausschließlich auf dem deutschen Markt tätig ist und über 33 300 Mitarbeiter beschäftigt, bei IT-Spezialisten großen Wert auf Branchenerfahrung. "Darüber hinaus sollte ein IT-Profi neben der Beherrschung der Standardsoftware in der Lage sein, mit unseren Eigenentwicklungen zu arbeiten", erklärt Christina Werthner, Leiterin der Konzernkommunikation. Spar fördert seine derzeit knapp 200 IT-Experten durch gezielte fachliche Weiterbildungsmaßnahmen und plant ein eigenes Förderprogramm für Nachwuchsführungskräfte. In diesem Jahr stellt Spar Informatiker nur nach Bedarf ein.

Defizite beim logischen Denken

Quelle hingegen nennt konkrete Zahlen: Trotz der aktuellen Schwierigkeiten des Mutterkonzerns Karstadt Quelle sucht der Versandhandel, der insgesamt 12000 Angestellte beschäftigt, in diesem Jahr zwölf Mitarbeiter in den Bereichen Systemadministration, Anwendungsentwicklung und -betreuung, Data Mining und Data Warehousing sowie E-Commerce. Das Unternehmen, das nach Bewerbern hauptsächlich über Zeitungsinserate, Messen und das Arbeitsamt fahndet, erwartet von seinen IT-Profis vor allem technisches und methodisches Know-how, Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Flexibilität. "Wir bekommen genügend Bewerbungen, allerdings haben viele Kandidaten Defizite im kommunikativen Bereich sowie beim logischen Denken", teilt Birgit Raphael, Pressesprecherin von Quelle, mit. Um das IT-Personal zu schulen, bietet der Konzern nach eigenen Angaben zahlreiche Fachseminare und Förderprogramme an. Das Einstiegsgehalt für Auszubildende beträgt zwischen 20000 und 24000 Euro im Jahr; Berufsakademie-Studenten und externe Fachhochschulabsolventen gehen mit 36000 bis 38500 Euro - je nach Leistung - im Jahr nach Hause.

Hier lesen Sie ...

- welche technischen Veränderungen im Handel stattfinden;

- welche Aussichten IT-Profis in der Branche haben;

- welche Fach- und Zusatzqualifikationen gefragt sind;

- wie IT-Experten Kontakt zu den Firmen aufnehmen können.

Meeting Metro

Unter dem Motto "Handel zum Anfassen" will sich die Metro Group auch in diesem Jahr wieder auf dem Event "Meeting Metro" Studierenden und jungen Berufseinsteigern präsentieren. Im Vordergrund steht der direkte Austausch zwischen den Studenten und den Konzernmitarbeitern. Vom Trainee bis zum Geschäftsführer informieren Gesprächspartner der verschiedensten Aufgaben- und Geschäftsbereiche über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten, Praktika, Diplomarbeiten und Trainee-Stellen bei der Metro Group. Termin: 4. November 2004, Frankfurt am Main, Factory Hattersheim. Mehr Informationen unter: www.meetingmetro.de