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Kolumne


13.12.1996 - 

"Ohne Standards keine DV-Industrie"

Ohne Standards geht gar nichts, sagen die einen sie halten den Fortschritt auf, meinen die anderen. Die zweite Position ist zwar als Ausdruck der Frustration über die langwierigen Abstimmungsprozeduren in den Normierungsinstituten und Standardgremien verständlich, aber als abschließendes Urteil greift sie zu kurz.

Ohne allgemeingültige, jedem zugängliche Definitionen gäbe es weder eine DV- noch irgendeine andere Industrie. Erst sie ermöglichen neben dem reibungslosen Zusammenspiel von Einzelkomponenten so etwas wie Markt. Sie geben Anwendern eine Wahl unter kompatiblen Komponenten und den Anbietern die Chance, miteinander zu konkurrieren.

Ohne Standards beim Hausbau beispielsweise würde ein Bauherr das Vielfache dessen berappen müssen, was er ohnehin schon teuer bezahlt. Steine, Mauerdicke, Fenstermaße und Rohrdurchmesser müßten ohne Regelung für jedes Haus neu definiert und maßgefertigt werden. Jedes Auto würde womöglich mit Spezialbenzin fahren, das es dann nur an herstellereigenen Tankstellen gäbe.

Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu hirnverbrannt, wenn DV-Anbieter heute immer noch meinen, sie kämen ohne Standards aus. Schließlich basieren auch Innovationen eines Herstellers auf Spezifikationen, die für Vorgängerprodukte gegolten haben. So gäbe es ohne die Bemühungen um ein offenes Unix kein Windows NT, ohne SQL keine relationalen Datenbanken und ohne die vom Ansi-Gremium standardisierte Programmiersprache C kein C++ und wahrscheinlich auch kein Java. Daß ohne TCP/IP kein Internet und ohne HTML kein World Wide Web existieren würde, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Deshalb sollte niemand, der sich über die mitunter ineffektive Arbeitsweise der Gremien oder komplett gescheiterte Standardisierungsbemühungen ärgert, die Notwendigkeit solcher Vereinbarungen bestreiten. Ohne die Aktivitäten der Normungsinstitute würden die für alle geltenden Regeln lediglich durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Diese Form des Industrie-Darwinismus wird dann mit Wortschöpfungen wie "Industrie"- oder "Defacto-Standards" verschleiert, unter denen - man denke nur an SNA - sowohl Anwender als auch kleinere Hersteller lange genug gelitten haben.