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24.09.1999 - 

Initiative kritisiert Jahr-2000-Vorbereitungen

Ohrfeigen für Wirtschaftsminister Müller und die Bundesregierung

MÜNCHEN (jm) - Die Initiative 2000, der führende deutsche Unternehmen wie Siemens, Integrata, die Software AG, SAP und die Deutsche Telekom angehören, hat in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ein stärkeres Engagement der Bundesregierung zur Lösung des Jahr-2000-Problems gefordert.

Die Regierung soll mehr Transparenz darüber schaffen, wie sich Infrastruktur-Versorger auf das Jahr-2000-Problem vorbereiten. Insbesondere bei den Anbietern von Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation fehle eine derartige Öffentlichkeit.

Die Erkenntnis, daß das Jahr-2000-Problem als Chefsache behandelt werden muß - wie in den USA, Großbritannien oder den Niederlanden geschehen -, habe sich bei der Bundesregierung nicht durchgesetzt. Unmißverständlich kritisiert die Initiative 2000: "Sich der Verantwortung für dieses überregionale Problem mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der Länderregierungen zu entziehen, spricht nicht für das Verantwortungsbewußtsein der Bundesregierung für eine funktionierende und wettbewerbsfähige Volkswirtschaft in Deutschland." Zweifel an der Bewältigung des Jahr-2000-Problems in Deutschland beeinträchtigten national wie international das Vertrauen in die Wirtschaft des Landes.

Eine Fachkonferenz "Datumsumstellung 2000" am 28. Juni 1999 in Bonn sollte dem Expertenplenum anhand von Erfahrungsberichten von Versorgern und TK-Unternehmern Einblick in den Vorbereitungsstand in Deutschland verschaffen. Die vom Bundeswirtschaftsministerium initiierte Konferenz erfüllte jedoch die Erwartungen der Spezialisten nicht. Vielmehr habe sich das "Unbehagen bei den Experten durch diese Veranstaltung eher verstärkt", heißt es in dem offenen Brief an Minister Müller. Man sei mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, daß die Bundesrepublik nicht gut auf die Datumsumstellung vorbereitet ist. Vertreter von Wirtschaftsverbänden, Bundesministerien, Großunternehmen und Kommunen nahmen an dem Erfahrungsaustausch teil.

Da jetzt nur noch weniger als 100 Tage für die Bewältigung des allgemein als Y2K bezeichneten Problems bleiben, drängt die Initiative 2000 auf Notfallpläne bei den potentiell Betroffenen.

Der Brief schließt mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen in Berlin: "Die Bundesregierung darf sich in einem so entscheidenden Moment für die deutsche Wirtschaft nicht aus der Verantwortung ziehen." Ein vermindertes Vertrauen in die deutschen Unternehmen werde für alle Folgen haben.