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14.07.2000 - 

IPOs: USU AG

"Oldie" versucht Verjüngungskur mit Knowledge-Management-Tools

FRANKFURT/M. - Auf dem Zukunftsmarkt Knowledge-Management baute die im hessischen Möglingen ansässige USU AG ihre Börsenstory auf. Den Beweis, dass sich die hohen Investitionen in den neuen Geschäftsbereich auch wirklich auszahlen, muss der langjährige IT-Dienstleister und Softwareanbieter aber erst noch antreten. Von Andrea Goder*

"Wir sind kein Startup", stellte Udo Strehl auf der Emissionspressekonferenz in Frankfurt am Main zu Recht fest. Vielmehr gehört die vom heutigen Vorstandschef gegründete Company mit ihrer 23-jährigen Geschichte und mittlerweile 170 Mitarbeitern fast schon zu den "Oldtimern" der hiesigen IT-Branche.

Den Grundstein des Unternehmens, das sich zunächst als IT-Dienstleister positioniert hatte, legte der gelernte Bankkaufmann 1977. In den folgenden Jahren wurden erste Softwareprodukte entwickelt, bis sich USU schließlich Anfang der 90er Jahre mit dem Geschäftsbereich "IT-Controlling" abermals neu ausrichtete. Als Produktanbieter konzentrierten sich die Hessen auf Themen wie Asset-Management oder Chargeback und erzielten damit zuletzt knapp ein Drittel des Umsatzes. Dominiert wird die Bilanz mit 68 Prozent der Einnahmen allerdings auch heute noch vom Geschäftsbereich IT-Services, der jetzt "E-Business-Integration" heißt. Hier sehen sich die Hessen als Spezialisten in Sachen Customer-Relationship-Management (CRM), Portale und Communities.

Insgesamt 41 Millionen Mark Umsatz erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 1998/99 (Ende: 30. September) - eine Steigerung von 18 Prozent oder 6,3 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr. Diese Wachstumsrate setzte USU auch im Rumpfgeschäftsjahr 2000 (1. Oktober bis 31. März) fort, in dem 23,9 Millionen Mark umgesetzt wurden. Dass das Unternehmen ein insgesamt "überdurchschnittliches Umsatzwachstum" auszeichnet, wie es in der Emissionsstudie der Landesbank Baden-Württemberg heißt, ist jedoch übertrieben. Nicht unbedingt erhöht wird die Transparenz der Bilanz zudem durch besagtes im Zuge des Börsengangs beschlossenes Rumpfgeschäftsjahr.

Finanziell gestärkt aus dem IPO, will USU-Chef Strehl denn auch schon bald beim Wachstum einen Gang höher schalten und bis 2004 um durchschnittlich 35 Prozent pro Jahr zulegen. Der Schlüssel zum Erfolg und die eigentliche Equity-Story des Börsen-Newcomers ist für den 46-jährigen Firmenchef das Trendthema Knowledge-Management - der jüngste Geschäftsbereich der Hessen. "Wir wollen ein führender Anbieter auf diesem Gebiet werden", gab Strehl in Frankfurt als Ziel aus. Vor allem lukrative Margen, die in diesem IT-Segment winken, will sich der USU-Vorstand nicht entgehen lassen.

In diesem "embryonalen Markt" (Strehl) steht die hessische "Wissens-Company" jedoch erst am Anfang. So wurden in den letzten 18 Monaten mit einschlägigen Tools nur marginale Umsätze in Höhe von 1,3 Millionen Mark erzielt. Zwölf Kunden konnte das Unternehmen mit seinem Wissens-Recherche-Produkt "Knowledge Miner", dessen Patentanmeldung derzeit läuft, eigenen Angaben zufolge bislang gewinnen.

Wettbewerber am Neuen Markt wie Gauss Interprise und Pironet oder der Börsenaspirant Hyperwave, der vor kurzem im ersten Anlauf an den Frankfurter Kapitalmarkt strauchelte, können in diesem Segment bereits mit deutlich höheren Zahlen aufwarten. Hinzu kommt: Mehr und mehr entdecken auch Anbieter von Dokumenten-Management-Software (DMS), etwa SER oder CE Computer Equipment, das Thema Knowledge-Management als komplementäres Wachstumsfeld.

Wollen die Hessen wie angekündigt expandieren, werden sie zunehmend auch auf große internationale Systemintegratoren wie IBM stoßen. Vor allem beim Kräftemessen mit IT-Giganten à la Big Blue könnte noch ein weiteres Handicap drohen: Trotz ihrer 23 Jahre im Markt finden sich auf der Referenzliste der Möglinger nur vereinzelt ausländische Kunden. Rund 95 Prozent des Umsatzes wurden bis dato im Inland erzielt.

Neben dem hessischen Standort ist das Unternehmen mit Niederlassungen in Frankfurt am Main, Bonn und Berlin präsent. In den kommenden Jahren soll das Vertriebsnetzes im In- und Ausland weiter ausgebaut werden. Synergien verspricht sich Firmenchef Strehl von einer bereits bestehenden Kooperation mit dem US-amerikanischen Softwareanbieter Main Control Inc. mit Sitz in Vienna, Virginia, an dem USU mit 3,2 Prozent beteiligt ist. Ein Partner übrigens, der ebenfalls noch in diesem Jahr ein Listing an der Nasdaq plant.

Dass die Aktie ein "überaus aussichtsreiches Investment am Neuen Markt" ist, wie die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg behaupten, muss aufgrund der geschilderten Fakten zunächst in Frage gestellt werden. Denn noch hat sich der Börsenneuling nicht als führender Anbieter von Knowledge-Management-Software etabliert. Abzuwarten bleibt außerdem, ob sich die hohen Wachstumsraten, die diesem IT-Segment von Marktforschern prognostiziert werden, bestätigen. IDC beispielsweise schätzt das weltweite Volumen des Marktes im Jahr 2001 auf 5,7 Milliarden Dollar; über zwölf Milliarden Dollar sollen es bereits 2003 sein.

Neue Strategie färbt die Bilanz rotDer Ausbau des neuen Geschäftsfeldes fordert USU jedenfalls in den nächsten Monaten hohe Investitionen ab, die in der diesjährigen Bilanz negativ zu Buche schlagen werden. Rund 15 Prozent des Netto-Emissionserlöses in Höhe von 35 Millionen Mark will Strehl für die Produktentwicklung, 50 Prozent für Akquisitionen aufwenden. "Im laufenden Geschäftsjahr rechnen wir zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte mit einem Verlust", kündigte der Vorstandschef an. Die Landesbank Baden-Württemberg erwartet deshalb für das Geschäftsjahr 2001 (Ende: 31. März) einen Fehlbetrag von 600000 Mark bei einem Umsatz von 59 Millionen Mark. Am Neuen Markt in Frankfurt wurde die am 3. Juli mit 17 Euro emittierte Aktie zunächst zurückhaltend aufgenommen.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb:Hoffen auf den Hype: Der vermeintliche Zukunftstrend Knowledge-Management soll den USU-Umsatz in die Höhe treiben. Quelle: USU AG