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Deutsche Telekom vor einem Scherbenhaufen

Olivetti gewinnt Poker um die Übernahme von Telecom Italia

28.05.1999
MAILAND (CW) - Der Kampf um die künftige Mehrheit bei Telecom Italia ist zu Ende. Olivetti gelang mit dem Erwerb von gut 51 Prozent der Anteile die feindliche Übernahme von Italiens größter Telefongesellschaft. Die Fusionspläne mit der Deutschen Telekom sind damit Makulatur; Telekom-Chef Ron Sommer ist düpiert.

Olivetti ist die im Februar angekündigte feindliche Übernahme von Telecom Italia gelungen. Mit 51,02 Prozent der Anteile ist das erworbene Kapital sogar größer als von Experten erwartet; Olivetti-Chef Roberto Colaninno hatte die Marke von 35 Prozent als "strategisches Ziel" ausgegeben. Das Unternehmen bezahlt umgerechnet etwa 22,40 Mark pro Telecom-Italia-Aktie; 13,50 Mark davon in bar, den Rest über eine Anleihe beziehungsweise Aktien der Tochtergesellschaft Tecnost. Bei rund 2,68 Milliarden angedienten Wertpapieren entspricht dies einem Kaufpreis von 60,3 Milliarden Mark.

Durch den Deal übernimmt Olivetti die unternehmerische Kontrolle über Telecom Italia. Olivetti-Chef Colaninno hat bereits seinen Anspruch auf den Vorstandsvorsitz angemeldet; die Transaktion selbst soll in der dritten und vierten Juni-Woche über die Bühne gehen.

Die Abwehrstrategie von Telecom-Italia-Vorstandschef Franco Bernabe ist damit gescheitert. Ein Rücktritt des Managers, der erst im November 1998 das Ruder des früheren Staatsunternehmen übernommen hatte, wird allgemein erwartet, stand aber bis Redaktionsschluß noch nicht fest.

Telekom möchte an Fusionsplänen festhalten

Hauptbestandteil von Bernabes Bemühungen, die feindliche Übernahme durch Olivetti zu verhindern, war die Mitte April angekündigte Fusion mit der Deutschen Telekom. Die Pläne zur Verschmelzung beider Carrier dürften jetzt jedoch obsolet sein. Zu groß waren in der italienischen Politik und Wirtschaft aber auch in der Öffentlichkeit die Vorbehalte gegen einen Merger mit den Deutschen.

In Bonn will man von einem Scheitern des Mergers mit Telecom Italia jedoch noch nichts wissen. Die "industrielle Logik" eines Zusammenschlusses beider Unternehmen bleibe auch nach den geänderten Mehrheitsverhältnissen bei Telecom Italia bestehen, ließ Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater mitteilen. Man habe gültige Verträge mit dem Telecom-Italia-Management geschlossen; im übrigen sei Italien nicht der "einzige Bestandteil der Internationalisierungstrategie".

Die meisten Experten sehen dies anders. Telekom-Chef Ron Sommer stehe in Sachen internationale Allianzen vor einem Scherbenhaufen, lautete die vernichtende Kritik in den letzten Tagen. Vor allem der bisherige Bündnispartner France Télécom wurde durch den überhastet einfädelten Deal mit den Italienern verprellt - eine mittlerweile vor Gericht anhängige Schadensersatzforderung in Milliardenhöhe spricht Bände.

Beim Mannesmann-Konzern in Düsseldorf reibt man sich indes die Hände. Der mit den TK-Töchtern Arcor, Otelo und Mannesmann Mobilfunk bedeutendste Wettbewerber der Telekom in Deutschland steigt nun nach dem Gelingen von Colaninnos Coup zum zweitgrößten TK-Anbieter Italiens auf. Bereits im Februar hatten Mannesmann und Olivetti ihren Deal perfekt gemacht: Olivetti verkauft demnach, um die Telecom-Italia-Übernahme finanzieren zu können, für fast 16 Milliarden Mark seine Festnetzgesellschaft Infostrada sowie die Mehrheit an der Mobilfunktochter Omnitel an die Deutschen.