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26.02.1999 - 

103 Milliarden Mark geboten

Olivetti sagt Telecom Italia ein unfreundliches "Pronto"

MAILAND (CW) - Um die Telecom Italia SpA, Rom, ist ein harter Börsen- und Akquisitionspoker entbrannt. Die Olivetti SpA, Mailand, versucht, sich den einstigen staatlichen Monopolisten durch eine feindliche Übernahme einzuverleiben. Indirekt betroffen ist davon auch die deutsche Mannesmann AG, die zusammen mit Olivetti das TK-Joint-venture Oliman unterhält.

Die momentane Situation in Bella Italia erinnert an ein vergleichbares Szenario in Deutschland vor zwei Jahren. Damals hatte der kleinere Krupp-Konzern den Versuch unternommen, den größeren Konkurrenten Thyssen zu schlucken. Ähnlich verhält es sich nun in Italien: Der David Olivetti hat an der Börse ein Kaufangebot für den Goliath Telecom Italia von sage und schreibe 103 Milliarden Mark hinterlegt.

Über die Übernahmeabsicht des ehemaligen Computerherstellers war in den vergangenen Wochen zwar immer wieder spekuliert worden, richtig daran glauben wollten jedoch die wenigsten Insider und Börsianer. Immerhin erwirtschaftete der Ex-Monopolist Telecom Italia 1998 mit rund 46 Milliarden Mark mehr als den sechsfachen Umsatz von Olivetti, das sieben Milliarden Mark verbuchte.

Für eine Telecom-Aktie, deren Wert unmittelbar vor dem Angebot von Olivetti bei gut 18 Mark lag, bieten die Mailänder den Aktionären nun umgerechnet zwanzig Mark. Davon will Olivetti allerdings nur rund zwölf Mark pro Wertpapier in bar ausschütten, der Rest sollin festverzinslichen Obligationen sowie neuen Aktien der Olivetti-Tochter Tecnost abgegolten werden.

Ist Mannesmann der lachende Dritte?

Das Kaufinteresse von Olivetti an Telecom Italia dürfte in dessen Marktposition begründet liegen. Obwohl der italienische TK-Markt liberalisiert wurde, besitzt Telecom Italia noch immer ein De-facto-Monopol. Dies gilt insbesondere für das Festnetz, wo mit Ausnahme von Infostrada noch kein weiterer Wettbewerber aktiv ist. Mit dem Joint-venture "Wind", an dem auch die Deutsche Telekom AG beteiligt ist, geht in diesem Marktsegment jetzt aber ein dritter Anbieter an den Start. Filetstück von Telecom Italia ist jedoch die hochprofitable Mobilfunktochter Telecom Italia Mobile (TIM), deren Börsenwert derzeit bei rund zehn Milliarden Euro liegt und die in Italien 70 Prozent Marktanteil aufweist.

International ist die Telecom Italia bis dato aber schwach aufgestellt. Der Konzern hat es bis heute nicht geschafft, namhafte Partner für das weltweite Geschäft zu finden. Gespräche mit AT&T, Unisource sowie Cable & Wireless verliefen alle im Sande. Dieser Umstand ist um so erstaunlicher, als die Italiener weltweit als sechstgrößter Carrier gelten und in Europa immerhin Rang drei einnehmen.

Wie Olivetti, das sich in den letzten Jahren unter der Regie seines Vorstands Roberto Colaninno vom PC-Produzenten zum Netzbetreiber wandelte, den Deal finanzieren will, ist unklar. Fest steht, daß die Norditaliener zu diesem Zweck ihren Anteil von 50,1 Prozent an dem Joint-venture Oliman abstoßen müssen. Unter dem Dach von Oliman sind die beiden Töchter Infostrada sowie Omnitel Pronto Italia angesiedelt. Infostrada ist Anbieter imFestnetz, Omnitel nach TIM der zweitgrößte Netzbetreiber im Mobilfunk. Der Wert des Anteils wird auf 14,9 Milliarden Mark beziffert. Mannesmann, das die restlichen 49,9 Prozent an Oliman hält, hat bereits sein Kaufinteresse bekundet.

Ob es jedoch soweit kommt, ist ungewiß. Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe hat das Olivetti-Angebot als "lückenhaft" zurückgewiesen und Strafrechtler beauftragt, die Rechtmäßigkeit des Übernahmeversuchs zu prüfen.