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15.10.1982 - 

Gespräche mit französischer Regierung offenes Geheimnis:

Olivetti will Saint-Gobin den Laufpaß geben

MAILAND/PARIS (hh) - Der italienische Computer- und Bürümaschinenhersteller Olivetti S.p.A. aus Ivrea beabsichtigt, sich von seinem französischen Aktionär Saint-Gobain Pont-a-Mousson zu trennen. Wie aus französischen Fachkreisen bestätigt wird, seien derzeit Gespräche zwischen Vertretern des Unternehmens und der französischen Regierung im Gange.

Diese Gespräche werden in Paris als Folge der von Industrie- und Forschungsminister Jean-Pierre Chevenement angekündigten Veränderungen (siehe CW 39/82, Seite 1) gewertet. Saint-Gobain hält derzeit eine Beteiligung von rund 31 Prozent an Olivetti, davon 26,2 Prozent über die Compagnie des Machines Bull (CMB); An der CMB ist St. Gobain mit knapp über 50 Prozent beteiligt

Der Saint-Gobain-Umsatz in der Datenverarbeitung, der hauptsächlich über die 80-Prozent-Anteile der CMB an der Cii-Honywell Bull erwirtschaftet wurde, beläuft sich 1981 auf 7,4 Milliarden Francs (knapp 14 Prozent des Gesamtumsatzes).

Die Rolle, die Saint Gobain allerdings bei CMB spielt, gibt nach Meinung von Branchenbeobachtern Aufschluß über die Beweggründe der Olivetti-Führung, die Verbindung zu dem Multi lösen zu wollen. Der Konzern hält zwar - so die Rechtslage - weiterhin seine Anteile an CMB und nimmt nach ausdrücklicher Erklärung eines Unternehmenssprechers auch noch die Pflichten als Aktionär wahr, enthält sich aber jeglicher politischer Verantwortung gegenüber dieser Holding. Auf Grund der Regierungspolitik im Informationsbereich sah sich auch Roger Faroux, Präsident und General Direktor von Saint Gobain, gehalten, sein Amt als Präsident von CMB niederzulegen. Auch die bereitgestellten Sessel im Aufsichtsrat der CMB werden von Saint-Gobain-Vertretern nicht mehr besetzt, verlautet aus Frankreich. Das Unternehmen wolle sich Vielmehr so wird die neue Politik definiert, auf die angestammten Bereiche Dämmstoffe, Flachglas, Rohrleitungs- und Maschinenbau besinnen. Olivetti sieht sich nun in der Lage, so resümieren Kenner der Szene, einen Aktionär in den eigenen Reihen zu haben, der seine Rechte nicht mehr wahrnehmen will.

Da ein Interesse Olivettis am französischen Markt von dem Unternehmen unbestritten ist, klingt die Bemerkung Paolo Mancnelli gegenüber der Turiner Zeitung "La Stampa" verständlich, der, so VWD, meinte, es sei "absurd", an Saint Gobain festzuhalten.

Auch betonte Mancinelli, daß das Unternehmen seine italienische Kontrolle und sein italienisches Management trotz französischer Beteiligung bewahren werde.

Ein Nachfolgeaktionär allerdings ist derzeit noch nicht in Sicht. Vermutungen gehen hin zur Thomson-Gruppe, der eine wichtige Rolle in der französischen Informatik zugedacht werden könnte.

Da der Wechsel indirekt über die CMB erfolgen müßte, wäre hiervon dann auch CII-Honywell Bull betroffen. Hierbei ist dann offen, ob dieses Unternehmen unter Thomson-Führung oder aber eigenständig weiterläuft (siehe Kommentar Seite 4).