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14.02.1992 - 

Erstmals seit 1978 wieder rote Zahlen

Olivettis Jahresverlust laßt Italiens Regierung umdenken

IVREA (CW) - Ein Verlust von 290 Milliarden Lire - umgerechnet knapp 400 Millionen Mark - ist bei Olivetti für das Geschäftsjahr 1991 angefallen. Im Vorjahr hatten die Italiener noch einen Gewinn von 60,4 Milliarden Lire ausweisen können. Nun stellt die italienische Regierung dem Benedetti-Konzern Unterstützung in Aussicht.

Endgültig ist die Höhe des Verlustes für das abgelaufene Geschäftsjahr 1991 noch nicht. Wie verlautete, überlegt die Konzernleitung derzeit, weitere durch die Restrukturierung anfallende außerordentliche Kosten rückwirkend in die Bilanz 1991 aufzunehmen. Damit würden sich die Minuszahlen weiter erhöhen. Neben dem Fehlbetrag, dem ersten seit 1978, mußte Olivetti auch einen Rückgang im Gesamtumsatz hinnehmen. Er sank von 9,04 Billionen Lire im Vorjahr um fünf Prozent auf rund 8,6 Billionen Lire (etwa 11,6 Milliarden Mark). Im laufenden Geschäftsjahr hofft Konzernchef Carlo De Benedetti, wieder besser abzuschneiden. Er rechnet zumindest mit einem ausgeglichenen Resultat, möglicherweise sogar mit einem kleinen Gewinn.

Gründung einer Software-Gesellschaft

Währenddessen scheint sich die italienische Regierung Sorgen über den Fortbestand ihres DV-Aushängeschildes zu machen. So berichtet die "Süddeutsche Zeitung", es gebe erneut Überlegungen, eine Software-Gesellschaft ans der Taufe zu heben, an der sowohl der Staat als auch Olivetti beteiligt sind.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Olivetti-Management vorgeschlagen, die eigenen Software-Aktivitäten - gebündelt in der Olivetti Information Systems S.p.A (OIS) - mit denen der Finsiel S.p.A, einer Tochter des Staatsholding IRI Institut für Wiederaufbau, Rom, zusammenzulegen.

Die monatelangen harten Verhandlungen scheiterten letztlich an der Forderung Olivettis, an dem neu zu gründenden Unternehmen die Mehrheit zu haben, was die Regierung strikt ablehnte.

Daraufhin hatte der Ivrea-Konzern Gespräche mit dem französischen DV-Software- und Serviceunternehmen Cap Gemini Sogeti aufgenommen, da die Olivetti-Strategen für ihre Software-Division allem keine Wettbewerbschance sehen. Diese Verhandlungen sind nun durch die neu aufgenommenen Gespräche erst einmal auf Eis gelegt. Es sei Olivettis Pflicht, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Carlo De Benedetti, das staatliche italienische Angebot zu prüfen.

Zudem sind anscheinend auch die Forderungen der italienischen Gewerkschaften auf staatliche Unterstützung für die italienische Informatikindustrie in Rom auf offene Ohren gestoßen. Die Arbeitnehmerseite hatte damit auf die Ankündigung Olivettis im Dezember vergangenen Jahres reagiert, 1992 einen weiteren Belegschaftsabbau von rund 3000 Mitarbeitern vorzunehmen. 1991 waren bereits 7000 Arbeitsplätze gestrichen worden. Wie verlautete, bot die Regierung dem Benedetti-Konzern nun an, rund 1000 der in Italien von der Entlassung bedrohten 2400 Mitarbeiter in der norditalienischen Verwaltung unterzubringen. Auch werde er Staat dem Unternehmen verstärkt größere öffentliche Aufträge zukommen lassen. Im Oktober letzten Jahres hatte Vorstandschef Vittorio Cassoni, der kurze Zeit später von De Benedetti seines Amtes enthoben wurde, die Regierung um mehr Staatsaufträge ersucht, um die schwierige nationale Konjunkturphase überbrücken zu können (siehe auch Kolumne, Seite 9).