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06.11.1992 - 

Kontroverse Lean-Production-Diskussion auf dem CW-Karrierezentrum

Olympia-Mannschaften lösen keine Unternehmensprobleme

MÜNCHEN (hk) - Man brauche keine japanischen Verhältnisse, man müsse nur die eigenen Personalressourcen besser nutzen. Das meinten Redner auf dem Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE anläßlich der Eröffnungsveranstaltung auf der Münchner Systec.

In seinem Eröffnungsvortrag zeigte Richard Kugel vom Lean Management Centrum des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts anhand von statistischen Zahlen die Vorteile der japanischen Produktionsweise auf, vor allem im Hinblick auf die Personalkomponente. Der Mitarbeiter sei der entscheidende Faktor im Unternehmen. Dies spiegele sich etwa im Bildungsaufwand wider, der im asiatischen Land betrieben werde. Während sich in Europa ein Beschäftigter durchschnittlich 173 Stunden pro Jahr weiterbildet, in den USA gar nur 46 Stunden, sollen es im Land der Samurais, so Kugel, immerhin 380 Stunden sein.

Ähnlich krasse Unterschiede gebe es beim betrieblichen Vorschlagswesen und beim Rotationsprinzip. Letzteres sei deshalb so wichtig, "damit die unterschiedlichen Abteilungen die gleiche Sprache zu sprechen lernen". Die Unternehmen hätten hierzulande den Taylorismus auf die Spitze getrieben, so daß es ihnen jetzt schwerfalle, den "ganzheitlich denkenden Mitarbeiter mit Verantwortungsbewußtsein" zu finden. Auf jeden Fall müsse bei der Ausbildung in puncto Projekt-Management-Fähigkeiten mehr getan werden.

Roland Sengen vom Berliner Softwarehaus PSI warnte jedoch davor, die High-Tech-Mitarbeiter zu überforden: "Den hundertprozentigen Spezialisten und gleichzeitig den hundertprozentigen Kommunikator gibt es nicht."

Weil dieser Mitarbeiter nicht existiere müsse das Unternehmen nach Auffassung von SNI-Manager Hans-Günter Thonemann dafür sorgen, daß "die Arbeit immer motivierend ist und die Lernbereitschaft gefördert wird", aber auch der Wille und die Bereitschaft, an Verbesserungen mitzuarbeiten.

Auf jeden Fall brauche man landesspezifische Ansätze, so Hans Gerhard Mendius. Man solle die Qualifikation der Mitarbeiter sowie das Vorschlagswesen besser nutzen. Die deutschen Ingenieure sind auf dem richtigen Weg, so der Münchner Wissenschaftler, der am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) arbeitet, wenn sie sich etwa um umweltverträgliche und recycelbare Produkte kümmerten, denn die ständig kürzeren Produktlebenszyklen hätten die japanische Wirtschaft in die Krise gestürzt.

Werner Dostal wandte sich dagegen, "Olympia-Mannschaften im Unternehmen zu bilden". Der Direktor am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meinte denn auch angesichts der ständigen Entlassungsankündigungen: "Es ist eine Illusion zu glauben, mit Lean Production Personal ein sparen zu können." Es können nicht funktionieren nur an einer Stelle zu optimieren und die Probleme wie im Fall der Automobilbauer auf die Zulieferer zu verlagern.