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10.10.1997 - 

Neue Preis-Leistungs-Klasse für Pixel-Kameras

Olympus und Kodak machen gute digitale Fotos preiswerter

Digitale Fotoapparate mit der VGA-Auflösung von 640 x 480 Pixel sind zur Zeit das gängige Niveau im Markt für digitale Kameras. Die Leistungsgruppe mit rund 1000 x 800 Bildpunkten zu Preisen zwischen 1500 und 2000 Mark galt bislang als die attraktivste, gerade noch professionell nutzbare eigene Klasse. Dabei ist ihre technische Ausstattung - vor allen Dingen wegen des fehlenden Zooms - eher bescheiden. Anfang dieses Jahres hat Fuji die kürzlich von Fotojournalisten preisgekrönte "DS300", die 1260 x 1000 Pixel zu differenzieren vermag und ein Zoom mit dem Kleinbildäquivalent 35 bis 105 Millimeter besitzt, eingeführt. Der Preis von rund 4000 Mark war damals sensationell.

Jetzt sind für dieses Auflösungsvermögen nur noch 2500 Mark zu bezahlen. Die Qualität der Bildwiedergabe genügt selbst für die meisten Anforderungen von Zeitungen. Damit wird der größte Vorteil digitaler Fotografie wirksam: Die direkte Übernahme der Bilddaten in DV-Systeme erübrigt das Entwickeln von Filmen und das Scannen. Das bringt vor allem einen enormen Zeitgewinn, und auch Einsparungen bei speziellen technischen Ausrüstungen und entsprechendem Personal sind möglich.

Daher spricht Olympus nicht zu unrecht von einem "neuen Digitalkamera-Standard" und einer "Meisterklasse". Pierre Schaeffer, Europa-Manager der Kodak Digital & Applied Imaging Division, redet von einer "dritten Generation": Nach den Sub-VGA- und VGA-Fotoapparaten sei nun die Zeit der "Megapixel"-Kameras angebrochen.

Die neuen Geräte fallen gleichwohl schon äußerlich höchst unterschiedlich aus. Während Kodaks "DC210" wie eine kompakte Sucherkamera in der 400-Mark-Kategorie anmutet, machen die "C-1400L" und "C-1000L" von Olympus als typische All-in-one-Spiegelreflex einen professionelleren Eindruck. Ihr mattschwarzes Gehäuse ist größer, und sie wiegen rund 200 Gramm mehr, liegen aber sicherer im Griff. Die Bedienung ist bei allen drei Kameras gleichermaßen sehr einfach.

Schon vor einem Jahr hat Olympus mit der "C-800L" der Konkurrenz die Meßlatte für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufgelegt: rund 800000 Bildpunkte zum Preis von weniger als 2000 Mark, aber ohne Zoom oder wechselbare Speicher. Genau das hat jetzt die C-1000L bei ansonsten vergleichbarer Leistung. Aber das Unternehmen nutzt die Gelegenheit, gleich noch einen Sprung mehr zu tun.

Das neue Olympus-Spitzenmodell heißt C-1400L. Ihr Dreifach-Zoom reicht vom leichten Weitwinkel bis zum leichten Telebereich, das der C-1000L von der Normalbrennweite bis zum stärkeren Tele. Das Zweifach-Zoom der Kodak DC210 hat demgegenüber ein attraktiveres Weitwinkel, endet aber schon bei der Normalbrennweite. Alle Kameras verfügen über asphärisch vergütete Glasoptiken, automatischen Weißabgleich und Autofokus.

Der von Olympus verwendete Chip für die Umwandlung der Lichtinformationen in digitale Daten ist vom Typ "Progressive CCD" und in der anspruchsvollen C-1400L dem Sensor in der DC210 hinsichtlich der Auflösung überlegen. Die C-1000L besitzt einen kleineren Progressive-CCD, der einfacher fehlerfrei herzustellen und ergo billiger ist, aber weniger genau auflösen kann.

Im Belichtungssystem ist der elektronische Verschluß der Olympus-Geräte schneller. Ihre größere Lichtstärke machen sie für den Porträtbereich besser geeignet als die Kodak-Konkurrenz, die ein breiteres Blendenspektrum und wie jede Kamera geringer Brennweite mehr Schärfentiefe hat. Da aber alle drei Kameras mit einer Programmautomatik arbeiten, die keine Manipulationen an Blende oder Zeit zulassen, kann der Anwender nicht gezielt mit diesen Faktoren in die Bildgestaltung eingreifen.

Die drei Kameras haben auf ihrer Rückseite ein 45-Millimeter-Farb-Display, vorerst das beste Ausstattungsmerkmal fast aller digitalen Kameras. Der Fotograf und die Fotografierten können sofort das letzte Bild oder eine ganze Serie beurteilen. Das geht auf Kosten der Batterieleistung, spart aber viel vom immer knappen Speicher. Bei der DC210 werden über den Minimonitor auch einige Kameraeinstellungen gesteuert.

Kodaks Angebot ist in Sachen Speicherformat flexibler. Alle drei Kameras speichern die Bilder im JPEG-Format. Aber die DC210 unterstützt als erster Fotoapparat auch das mit Microsoft, Intel, HP und anderen festgelegte Imaging-Speicherformat "Flashpix". Dieses wird sich demnächst höchstwahrscheinlich bei Maschinen für den schnellen Bild-Print in Fotofachgeschäften als Standard durchsetzen. Das Kodak-Paket enthält ferner ein generöses Angebot an Software zur Bildbearbeitung und -integration in andere Dokumente oder Homepages. Außerdem läßt sich die Kamera auch direkt an PAL- und NTSC-Farbfernseher anschließen.

Die drei Kameras nutzen keine internen Speicher, sondern schreiben die Bilddaten auf Speicherkarten, derzeit mit maximal 4 MB Kapazität lieferbar. Olympus hat sich für Smart-Media-Cards nach dem SSFDC-Standard entschieden. Diese lassen sich in eine optional erhältliche "Flashpath"-Diskette einlegen, die ein 3,5-Zoll-Floppy-Laufwerk wie eine normale Diskette lesen kann. Die Flash-Memories der Kodak-Kamera benötigen eine Adapterkarte im PC-Card-Format (PCMCIA). Ansonsten ist auch noch eine Übertragung der Bilddaten auf den PC per serielle Schnittstelle möglich. Die DC210 ermöglicht auch eine Datenübertragung per Infrarot nach dem Standard Irda 1.0.

Olympus und Kodak weisen darauf hin, daß in wenigen Wochen Speicherkarten mit 8 MB Kapazität auf den Markt kommen werden. Diese können im höchsten Auflösungsformat ihrer Kameras 25 beziehungsweise 32 Bilder speichern. Für Anfang 1988 sind bereits Karten mit 10 MB zu erwarten, die dann nur noch soviel kosten sollen wie jetzt eine mit 4 MB, nämlich 500 Mark.

Der Preis der Speicherkarten ist, noch mehr als der für die hochauflösenden CCD-Lichtsensoren-Chips, zur Zeit der Hauptgrund für die hohen Preise digitaler Kameras. Mit der rapide zunehmenden Nachfrage werden die Geräte billiger, was wiederum neue Kaufinteressenten anzieht. Eine neue Preis-Leistungs-Klasse "an der Schmerzgrenze" wirkt ähnlich. Kodak gab bei der Vorstellung der DC210 Preissenkungen für die ganze Palette digitaler Kameras bekannt. Olympus hat diesen Schritt schon vor wenigen Wochen vollzogen.

Kodak möchte die Nachfrage dadurch fördern, daß digitale Kameras PC-unabhängig werden. Schon heute ist es möglich, per Internet Bilddateien an Kodak-Labors zu schicken und dann Ausdrucke auf Fotopapier in beliebigen Größen zu erhalten. Der Fotopionier plant, nach japanischem Vorbild auch hierzulande in Fotofachgeschäften und Schnellabors ein Netz von sogenannten "Kiosken" aufzuziehen. In diese vollautomatischen Maschinen kann man eine Speicherkarte mit digitalen Aufnahmen im Flashpix-Format eingeben und sofort Ausdrucke erhalten, auf Wunsch auch gleich in verschiedenen Rahmen. Olympus versucht, das Interesse der Privatanwender durch einen direkt an die digitalen Kameras anschließbaren hochauflösenden Spezial-Fotodrucker zu heben.

Noch überwiegt hierzulande die Nachfrage der Unternehmen nach solchem Foto-Equipment; in Japan dominiert bereits der Consumer-Markt. Das dürfte nach Einschätzung von Kodak-Manager Schaeffer etwa Ende nächsten Jahres auch in Europa der Fall sein. Er verweist auf eine Studie des Macarthur Stroud International Digital Camera Monitoring Service, wonach sich die Zahl digitaler Kameras allein in Deutschland von derzeit rund 150000 auf 1,4 Millionen im Jahr 2001 fast verzehnfachen wird. Und das entspräche einer auch für andere europäische Länder erwarteten Wachstumsrate.

Die Anbieter ringen um einen heißen Markt. Olympus und Kodak haben sich in erstaunlich kurzer Zeit eine äußerst vorteilhafte Position erkämpft. Schaeffer ist sehr optimistisch und zollt dabei dem Konkurrenten Respekt: "Ende 1997 werden Kodak und Olympus die stärksten Anbieter am Markt sein."