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02.08.1996 - 

Microsoft will Active X öffnen

OMG befürchtet Krach um Standards

"Es riecht nach Krieg", zitiert der britische Branchendienst "Computergram" anonyme Quellen innerhalb der OMG. Man habe Javasoft aufgefordert, sich eindeutig zum Corba-Standard zu bekennen. Mit der Entwicklungsumgebung "Java-Beans" und der "Java Interface Definition" sei das Unternehmen dabei, ein eigenes Objektmodell zu erstellen, das dann gegen Corba konkurrieren werde. Damit würde die Sun-Tochter in die Fußstapfen von Microsoft treten, das mit seinem - noch nicht vollständig definierten - Distributed Common Object Model (DCOM) bislang einen eigenen Weg gegangen ist.

Javasoft geht es mit seinem Sonderweg vor allem um Performance- Verbesserungen. Der Sun-Tochter ist insbesondere die Corba- Transporttechnik Internet Inter-ORB Protocol (IIOP) zu schwerfällig, die daher durch die eigene Java Remote Method Invocation (RMI) ersetzt werden soll.

Bislang war Corba ein unan- gefochtener Standard, an dem die Javasoft-Mutter Sun Microsystems maßgeblich mitgewirkt hatte. Auch Netscape hat sich beim Ausbau seiner Technik für Web-weite Anwendungen auf Corba und IIOP festgelegt (siehe Kasten auf Seite 2). Selbst Microsoft hilft der OMG unter dem Einfluß von Partner DEC, der ebenfalls Corba unterstützt, Brücken zwischen DCOM und Corba 2 zu defi- nieren - auch wenn die Arbeit immer wieder verschoben werden muß, weil Microsoft seine Spezifikationen noch nicht fertiggestellt hat.

Jetzt hat sich Microsoft sogar bereit erklärt, den Sourcecode und die Weiterentwicklung der Internet-Technik "Active X" einem unabhängigen Konsortium zu übergeben. In Frage kommen neben der OMG die X/Open und die Internet Engineering Task Force (IETF). Damit reagiert das Unternehmen auf den Vorwurf, daß die DCOM- Architektur, zu der auch Active X gehört, aufgrund ihres proprietären Charakters in heterogenen Umgebungen dem offenen Corba unterlegen sei.

Unklar ist jedoch, wie ein Gremium die Microsoft-Technik in den offenen Mainstream überführen soll, ohne dabei DCOM gänzlich aufzugeben, dem Fachleute nicht selten den Status einer objektorientierten Technik absprechen. Insider vermuten daher, daß Microsoft mit dieser Aktion lediglich Verwirrung stiften, nach außen Bereitschaft zur Offenheit signalisieren und im übrigen Zeit gewinnen will. Falls das Angebot der Öffnung jedoch ernst gemeint sein sollte, dann könnte das ein Hinweis darauf sein, daß dem Unternehmen die der OMG versprochenen Spezifikationen eines verteilten Objektmodells, sprich: DCOM, nicht gelingen.

Der OMG kann eine Annäherung von Microsoft nur recht sein. Wenn nun aber Javasoft ausschert, befürchtet die OMG ein Zerbrechen der industrieweiten Zusammenarbeit. Die Folge wäre, warnt die Organisation, die Bildung feindlicher Lager um Sun, Microsoft und die OMG, deren Streitereien den Fortschritt bei verteilten Umgebungen und der Internet-Entwicklung behindern würden.

Konkurrenz für Active X

Die Netscape Communications Corp. hat prompt auf Microsofts Absichtserklärung reagiert, den Active-X-Standard an ein unabhängiges Kuratorium zu übergeben. Unter der Bezeichnung "Open Network Environment" (ONE) hat die Softwareschmiede ihre eigene Plattform und Entwicklungsumgebung für Applikationen in Intra- und Internet angekündigt. ONE soll frei verfügbar und weitgehend unabhängig von der Systemumgebung sein. Das verwendete Objektmodell basiert auf dem IIOP-Standard, der wiederum ein Bestandteil von Corba ist. 21 Hersteller haben die Technik bereits in Lizenz genommen. Die IIOP-kompatible Software soll auf Browser- Seite im "Navigator 4" zum Jahresende, bei den Server-Anwendungen erst Anfang 1997 verfügbar sein.