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20.12.2006

OMG behebt Modellierungsdefizite

Dr. Michael
Das Standardisierungsgremium weitet seine Arbeit auf Organisationsmodelle aus.
Viel Arbeit: Rund um die Business Process Modeling Notation arbeitet die OMG an einer Reihe von Standards zur fachlichen Modellierung von Geschäftsprozessen und Organisationsmodellen.
Viel Arbeit: Rund um die Business Process Modeling Notation arbeitet die OMG an einer Reihe von Standards zur fachlichen Modellierung von Geschäftsprozessen und Organisationsmodellen.

Wie die ersten Erfahrungen mit SOA-Projekten zeigen, ist die Flexibilisierung von Unternehmen nicht allein mit einer Umgestaltung der Informationstechnik in unabhängige Services zu erreichen. Vielmehr bedarf es einer konsequenten Ausrichtung aller Unternehmensbereiche auf den Servicegedanken. Für eine durchgängige Gestaltung aller organisatorischen und informationstechnischen Aspekte fehlt aber bislang das nötige Handwerkszeug.

Die neuen OMG-Standards im Überblick

• Business Process Modeling Notation (BPMN): Ziel ist es, eine grafische Modellierungsnotation anzubieten, die sich in erster Linie an fachliche Modellierer richtet. Zur grafischen Darstellung benutzt die Notation das Business Process Diagram (BPD). Außerdem soll BPMN einen ersten Ansatz zur Überführung fachlicher Abläufe in eine Prozessautomatisierung liefern. Da der Schwerpunkt auf der Bereitstellung einer Notation liegt, die Semantik ihrer Verwendung dagegen nur schwach vorgegeben ist, müssen Nutzer ihre eigene Methode für den BPMN-Einsatz entwickeln.

• Semantics of Business Vocabulary and Business Rules (SVBR): Hier wird ein Metamodell zur Dokumentation der Semantik von Fachbegriffen, Geschäftsvorfällen und -regeln definiert. Der Standard soll es ermöglichen, die unternehmensspezifische Terminologie in einer umgangssprachlichen Form zu erfassen und mit Hilfe einer formalen Logik abzubilden.

• Business Motivation Model (BMM): Es bietet der Unternehmensführung Mittel, wichtige Informationen in strukturierter Form zu erfassen. Dabei legt BMM den Fokus auf die Fragestellung, warum Unternehmen ihr Geschäft betreiben und wie sie dies tun. Es berücksichtigt nicht nur die strukturierte Beschreibung der strategischen Unternehmensplanungen und -ziele sowie mögliche Wege zu ihrer Umsetzung, sondern auch die sie beeinflussenden Faktoren.

• Organizational Structure Metamodel (OSM): Das Modell nimmt sich der Beschreibung organisatorischer Strukturen an. Es berücksichtigt sowohl strukturbildende als auch tätigkeitsbeschreibende Inhalte wie zum Beispiel Rollen. Eine direkte Zuordnung von Mitarbeitern zu Organisationsstrukturen ist möglich. Die Beschreibung orientiert sich an den Vorgaben der SBVR.

Dirk Stähler, Opitz Consulting

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Inkompatible Erweiterungen

Mit der Unified Modelling Language (UML) der Object Management Group (OMG) steht zwar ein weit verbreiteter Industriestandard für die Modellierung von IT-Systemen zur Verfügung, dieser ist aber auf das reine Software-Engineering fokussiert und bietet wenig Möglichkeiten für die Modellierung von Organisationen und Prozessen. Um aus der Not eine Tugend zu machen, haben viele Werkzeughersteller die Erweiterungsmöglichkeiten der UML genutzt und ihre eigenen Abstraktionen zur Organisa- tionsmodellierung herausgebracht. Das Problem dabei ist, dass die entsprechenden Modelle nicht miteinander kombiniert werden können, etwa um aufeinander aufzubauen. Der zentrale Aspekt des Design-Reuse geht also verloren.

BPMN als Dreh- und Angelpunkt

Diesen Mangel will die OMG mit einem ganzen Bündel von Standardisierungsaktivitäten beheben. Ausgangspunkt der Aktivitäten ist die Business Process Modeling Notation (BPMN), eine grafische Beschreibungssprache für Geschäftsprozesse. Diese wird ergänzt um Standards für die Begrifflichkeiten der Geschäftswelt sowie für die hinter den Prozessen stehende Motivation, so zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit. In Arbeit sind ferner Standards für die Organisationsmodellierung und für den Austausch von Prozessmodellen.

Die Mitglieder der OMG, die sich vornehmlich aus Anwenderunternehmen zusammensetzen, haben sich aus gutem Grund gegen eine Erweiterung des etablierten UML-Standards und für BPMN als geschäftsorientierte Beschreibungssprache entschieden. Zum einen sollte der bestehende UML-Standard nicht komplizierter werden, zum anderen lassen sich die Anforderungen der Geschäftswelt mit der neuen Notation besser erfüllen. Die BPMN ist semantisch äquivalent zur UML, kann aber insbesondere zeitliche Abhängigkeiten in Prozessabläufen in einem Diagramm darstellen, wofür man in UML zwei verschiedene Diagrammarten benötigt.

Für Geschäftsleute verständlich

So kommen vor allem Geschäftsleute besser mit den BPMN-Prozessdiagrammen zurecht als mit den für Softwareentwickler gedachten UML-Diagrammen. Umgekehrt können Softwareentwickler sehr gut mit den BPMN-Diagrammen arbeiten, zumal sich diese einfach in die UML übersetzen lassen. An einem Übersetzungsstandard von BPMN in UML wird ebenso gearbeitet wie an einem Austauschformat zwischen den Werkzeugen.

Durch die Konzentration auf die Modellierung der Geschäftsprozesse ergänzen sich die Standards der OMG mit denen befreundeter anderer Standardisierungsorganisationen. So hat zum Beispiel die Workflow Management Coalition (WfMC) mit der XML Process Definition Language (XPDL) eine produktunabhängige Repräsentation für die Implementierung von Geschäftsprozessen mit Workflow-Werkzeugen geschaffen. Andererseits dient die Business Process Execution Language (BPEL) von Oasis (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) der so genannten Workflow-Choreografie, das heißt der Koordinierung einer Vielzahl von als Web-Services automatisierten Geschäftsprozessen.

Übersetzungsstandard in Arbeit

Diese Standards sind allerdings technisch orientiert und ihre textuellen Repräsentationen nur für Experten lesbar. Um sie nutzbar zu machen, haben die Hersteller entsprechender Werkzeuge ihre jeweils eigenen Diagramme entwickelt, die untereinander allerdings nicht austauschbar sind. Der BPMN-Standard der OMG stellt die Austauschbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Geschäftsprozessmodellen sicher. Diverse Hersteller haben diese Möglichkeit bereits in ihre Werkzeuge eingebaut und bieten automatische Übersetzungen von BPMN in BPEL und XPDL. An einem Übersetzungsstandard wird ebenfalls gearbeitet.

Für organisatorische Prozesse

Die BPMN ist unabhängig von einer informationstechnischen Implementierung auch bestens geeignet, nicht automatisierte, rein organisatorische Prozes- se zu beschreiben. Wie die Er- fahrungen zeigen, ist dies auch bitter nötig, denn an den Grenzen der IT-Prozesse geraten die SOA-Bemühungen oft ins Stocken.

Ziel des SOA-Gedankens ist die Flexibilisierung der Organisationen, also die Stärkung ihrer Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen. Erst durch die Modellierung der Organisation als Ganzes, einschließlich der sie treibenden Konzepte und Strategien, löst sich der Bruch zwischen den manuellen und den IT-basierenden Anteilen der Geschäftsprozesse auf. Um diesem Ziel näher zu kommen, treiben die Mitglieder der OMG die Standardisierung der Organisationsmodellierung weiter voran. Der OMG-Standard Business Motivation Modelling (BMM) bietet die Möglichkeit, die Ziele und Strategien eines Unternehmens in einer strukturierten textuellen Repräsentation zu formulieren. Die dabei verwendeten Begriffe können über den Standard Semantics of Business Vocabulary and Business Rules (SBVR) definiert werden.

Hersteller reagieren

Erst in diesem Kontext wird ein Geschäftsprozessmodell auch über die Grenzen einer einzelnen Organisation hinaus vergleichbar und wieder verwendbar, was insbesondere für große und international agierende Unternehmen wichtig ist. Um auch die organisatorischen Modelle hinter den Geschäftsprozessen vergleichen, austauschen, wieder verwenden und erweitern zu können, arbeitet die OMG derzeit an dem Standard Organisation Structure Metamodel (OSM).

Die ersten Hersteller haben die bestehenden Standards BPMN, SBVR und BMM bereits in ihren Werkzeugen umgesetzt. Wie die Erfahrung aus den ersten Projekten zeigt, lassen sich die Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Prozessen und die Auswirkungen von Veränderungen innerhalb der Geschäftsstrategien einfacher identifizieren. Mit diesem Wissen kann die Definition und Ausgestaltung organisatorischer oder informationstechnischer Services wesentlich zielgerichteter erfolgen.

Auch wenn die durchgängige Umsetzung der Standards in den verfügbaren Werkzeugen noch zu wünschen übrig lässt, so wird doch schon auf dem heutigen Stand der Dinge eines deutlich: Mit den Standards zur Geschäftsmodellierung ist die OMG auf dem richtigen Weg, um die Ziele des SOA-Konzepts auch in der Praxis umsetzbar zu machen. (ue)