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04.09.1998 - 

Newcomer in Deutschland

Onestone: Mit vollem Risiko aus der Groupware-Nische

"Mit Workflow-Lösungen läßt sich die Produktivität der Mitarbeiter im administrativen Bereich um 30 bis 50 Prozent steigern." Davon ist Peter Vos, Mitbegründer und Geschäftsführer von Onestone, heute noch genauso überzeugt wie vor drei Jahren. 1995 begann die Unternehmensgeschichte des Paderborner Softwarehauses, das von Vos und den beiden Studenten Wolfgang Hilpert und Oliver Heinz mit der Idee gegründet wurde, Workflow-Lösungen auf sogenannten kollaborativen, also auf nur wenig Arbeitsabläufen festgelegten Plattformen zu entwickeln. Die Wahl fiel zunächst auf Lotus Notes.

Das Projekt stand jedoch zu Beginn unter einem denkbar ungünstigen Stern: Lotus war gerade von IBM übernommen und zudem von der US-amerikanischen Fachpresse "kaputtgeschrieben worden", erinnert sich Vos. Noch ein weiteres Handikap kam hinzu: Obwohl Notes damals die im Markt verbreitetste Groupware-Plattform war, gab es weltweit nur rund 1,6 Millionen Notes-Anwender. Erst mit der Weiterentwicklung von Notes zur Internet-Plattform Domino begann ein regelrechter Run auf die Software; die Zahl der Notes-User liegt heute bekanntlich bei über 20 Millionen.

Für die Paderborner kam der Stein 1997 ins Rollen, als mit der Stuttgarter Beratungsgruppe Schitag, Ernst & Young der erste Kunde gewonnen wurde. Bis heute konnten knapp 70 weitere "Prozessware"-Installationen im Notes/Domino-Umfeld realisiert werden. Bereits im Sommer 1997 wurde indes eine weitere wichtige Weichenstellung vorgenommen - nämlich "Prozessware" auch auf den Microsoft-Exchange-Server zu portieren. Auf der CeBIT 1998 wurde die erweiterte Workflow-Lösung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, mit der Anwender zwischen Domino/Notes und MS-Exchange als Messaging- und Groupware-Plattform wählen können.

Kurz zum Produkt: Mit Prozessware lassen sich Arbeitsprozesse mit Hilfe des grafischen Entwurf-Tools "Prozess Designer" modellieren und in einer Datenbasis speichern. Die Lösung zeichnet dabei eine höhere Flexibilität aus, als sie klassische Workflow-Tools besitzen, behauptet Vos. Auch lasse sich die Integration in die Microsoft-Benutzeroberfläche besser realisieren als bei Notes. Ohne Progammierkenntnisse zu besitzen, könne der Kunde so Geschäftsprozesse auch selbst modellieren. Die aktuelle Version 1.5 von "Prozessware" ist zudem Web-fähig.

Zunächst unbeabsichtigt traten die Paderborner mit ihrer Produktstrategie zunehmend in Konkurrenz zu etablierten Workflow- und Dokumenten-Management-System-(DMS-)Anbietern. Da es den Newcomern jedoch an Spezialisten mit ergänzendem Workflow-Know-how fehlte, forcierten sie von Beginn an die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern. Gemeinsam mit CSC Ploenzke als Generalunternehmer wurde etwa ein Projekt mit der Deutschen Bank in Angriff genommen. Zu den wichtigsten Onestone-Partnern gehören jedoch Microsoft Solution Provider, die komplexe "Exchange"-Lösungen installieren.

Die Paderborner adressieren mit ihrem Workflow-Applikations-Tool Unternehmen aus allen Branchen - in einer Größenordnung zwischen 15 bis 25000 Angestellten. Weltweit beschäftigt das Startup-Unternehmen heute rund 80 Mitarbeiter und ist bereits mit Niederlassungen in den USA (Boston), den Benelux-Ländern, Skandinavien und Großbritannien präsent. Trotz dieser beachtlichen ersten internationalen Gehversuche kam Onestone 1997 gerade einmal auf einen Umsatz von 1,5 Millionen Mark, für das laufende Geschäftsjahr erwartet Vos aber ein deutliches Wachstum auf acht Millionen Mark. Mit anderen Worten: Der typische Werdegang einer jungen Software-Company, die ihre Stärken (noch) im Projektgeschäft hat und massiv in den Aufbau entsprechender Vertriebskanäle investieren muß.

Angesichts dieser Zahlen mutet die bisherige Finanzierungsgeschichte des Software-Newcomers fast schon abenteuerlich an. Das vor drei Jahren als GmbH gegründete Unternehmen startete zunächst mit 400000 Mark Stammkapital. Aus steuerrechtlichen Gründen wurde die Firma dann in eine US-Holding umgewandelt. Die deutsche GmbH ist nach wie vor im Besitz der Produktrechte. Was allerdings zunehmend dahinschmilzt, sind die Firmenanteile der drei Gründer, die heute nur noch zu 51 Prozent am Unternehmen beteiligt sind. Zu 49 Prozent wurden Venture-Capital-Gesellschaften mit ins Boot genommen. Doch damit war die Kapitaldecke immer noch nicht dick genug. Derzeit hält sich Onestone mit mehreren Darlehen und einer stillen Beteiligung der Bonner Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft GmbH (TBG) in Höhe von fünf Millionen Mark über Wasser. Dieser Finanzpartner ist für Risikokapital-Spezialisten bekanntlich besonders attraktiv. Gerät eines ihrer Investments ins Straucheln, sind die Geldgeber durch die TBG zu 50 Prozent abgesichert.

Vos sieht es für Existenzgründer als große Erleichterung, daß mit der Etablierung des Neuen Markts in Deutschland die Venture-Capital-Szene in Schwung gekommen ist. Diese Entwicklung verleihe nicht nur dem Gründerboom neue Impulse, sondern helfe auch Entre- preneuren, adäquate Geldgeber zu finden. Dennoch: Das Verhältnis des gebürtigen Holländers zu seinen Risikokapitalgebern ist ambivalent. Nach wie vor kann er als Geschäftsführer wichtige strategische Entscheidungen selbst treffen, beispielsweise im Bereich Produktentwicklung. Er gesteht aber auch: "Im Grunde sind mir die Hände völlig gebunden." Von Interesse sei für die Risikofinan- ciers einzig und allein die Frage, wie schnell und in welcher Höhe sie ihr Kapital zurückbekommen. Sollten die Zeiten einmal schwierig(er) werden, sieht sich der Onestone-Gründer angesichts der mittlerweile veränderten Mehrheitsverhältnisse im Unternehmen deshalb auch vor einem Rauswurf nicht gefeit: "Meine Position ist die wackligste von allen."

Andrea Goder ist freie Journalistin in München.