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Online-Business/Praesenz im Web bringt mehr fuers Image als in die Kasse

24.02.1995

Erinnerungen an die Goldgraeberzeiten werden wach, wenn man die Provider beim Abstecken der Claims im Internet-Markt beobachtet. Bisher finden die Aktivitaeten jedoch primaer auf der Angebotsseite statt - noch ohne grosse finanzielle Ausbeute.

CW-Bericht, Stefanie Schneider

Wann die Initialzuendung fuer einen neuen Markt erfolgte, laesst sich im nachhinein meist schwer ausmachen. War es US-Vizepraesident Al Gore mit seiner Information-Highway-Vision, oder waren es die Medien, die sich daraufhin aufs Internet stuerzten und so dem Surfen im Netz der Netze zum Image eines In-Sports fuer die Computergeneration verhalfen?

Jedenfalls hat sich in den USA auf diesem Gebiet im letzten Jahr eine bluehende Anbieterkultur entwickelt. Telekommunikations- und Netzwerkfirmen treten als Zugangs-Provider auf. Junge Start-up- Companies wie Netscape Communications, Spry oder Spyglass, gegruendet von Internet-Spezialisten aus dem universitaeren Bereich, wollen hier ihre Bewaehrungsprobe im harten IT-Geschaeft bestehen. Etablierte Anbieter erweitern ihre Palette um entsprechende Produkte, allen voran Unternehmen aus dem Unix-Umfeld wie Sun. Der Hardwarehersteller, der in der kommerziellen DV wegen der AS/400- Uebermacht nur schwer an Boden gewinnen konnte, zitiert stolz die Internet Society, deren Angaben zufolge mehr als die Haelfte aller Server-Systeme im Internet den Namen Sun tragen.

Datex-J liegt in Deutschland weit vorn

Die Moeglichkeit der Kommunikation via Internet und ueber die anderen Online-Dienste ist eigentlich so neu nicht. So entwickelte sich das Internet aus dem 1969 im Rahmen eines Projekts der zur US-Regierung gehoerenden Advanced Research Project Agency (ARPA) aufgebauten Netzes Arpanet, das zuerst fuer militaerische Zwecke und spaeter im akademischen Bereich benutzt wurde. Der auch in Deutschland populaere Mehrwertdiensteanbieter Compuserve Inc. aus Columbus, Ohio, ist seit 1979 auf dem Markt. Selbst die zoegerlichen Anfaenge des in Datex-J umgetauften Btx-Service reichen bis Anfang der 80er Jahre zurueck.

Im Internet tummeln sich nach neueren Schaetzungen 32 Millionen User weltweit - wieviel es tatsaechlich sind, weiss keiner so genau. 150 000 davon sollen sich der auf Werbung im Internet spezialisierten NADS GmbH, Dortmund, zufolge in Deutschland einwaehlen. Compuserve meldet im eigenen World-Wide-Web-(WWW)-Server ueber 2,2 Millionen Nutzer, rund 100 000 kommen aus Deutschland.

Nicht weit abgeschlagen folgt hier der Btx-aehnliche Online-Dienst Prodigy. Das Joint-venture von IBM und Sears zog der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" zufolge ueber zwei Millionen Anwender auf seine Seite, wobei Prodigy von zwei Nutzern pro Anschluss ausgeht. Der auf das heimische Terrain beschraenkte Datex- J-Service der Bundespost Telekom kann auf ueber 730 000 Anschluesse verweisen und ist damit hierzulande Marktfuehrer.

Von der derzeit herrschenden Online-Euphorie erhoffen sich die Marketiers weiter einen rasanten Anstieg der Teilnehmerzahlen. "Bis Anfang 1996 rechnen wir mit einer Million Benutzer, und zum Ende des Jahrzehnts werden es drei bis vier Millionen Teilnehmer sein", erwartet Martin Aschoff, Geschaeftsfuehrer beim Datex-J- Anbieter 1&1 Telekommunikation GmbH, Montabaur.

Das wiedererstarkte Btx muss sich jedoch auf Konkurrenz einstellen. Dienstleister mit proprietaeren Netzen und auf das Internet fokussierte Provider haben auch Deutschland beziehungsweise Europa als Markt entdeckt. IBM und Microsoft oeffnen ueber die Hintertuer Betriebssystem den Weg in die Online-Welt und schoepfen damit aus einem Kundenpotential, dem nahezu jeder PC-Kaeufer zuzurechnen ist. General Electric betreibt Genie. Neu auf dem europaeischen Markt ist ausserdem Europe Online - ein PC-Online-Service, der von einem Konsortium (Burda, Matra Hachette, Pearson) gegruendet wurde und dieses Jahr seinen Dienst aufnehmen will. Minitel in Frankreich ruestet sich fuer den Wettbewerb. Hinzu kommen die diversen Anbieter von Internet-Zugaengen.

So verwirrend das Angebot auch scheinen mag, die Unternehmen lassen sich nicht in einen Topf werfen. Sie sprechen durch ihre differenzierten Services unterschiedliche Zielgruppen an. Datex-J bedient heute primaer die privaten Nutzer, deren Anteil der Fachzeitschrift "Password" zufolge 70 Prozent der Zugaenge ausmacht. Als nutzbringend wird vor allem das Home-Banking angesehen, das die Kontofuehrung unabhaengig von den Bankoeffnungszeiten von zu Hause aus ermoeglicht.

CW und PC-WELT mit taeglichen News online

Zudem sind im Datex-J-Angebot von 1&1 unter anderem die "COMPUTERWOCHE" mit taeglichen Nachrichten, dem woechentlichen Stellenmarkt, aktuellen Seminarterminen sowie dem sonstigen Verlagsangebot vertreten. Auch die CW-Schwesterpublikationen "PC- Welt" und "Macwelt" liefern taegliche Computer-News, waehrend die Zeitschrift "DM" zum Thema Geld informiert. Ebenso besteht die Moeglichkeit, sich Software zu bestellen, Nachrichten von Herstellern wie Microsoft, Intel, NEC oder Compaq zu lesen oder die Ausstattungsvarianten des neuen Polo zu begutachten. Einen Namen gemacht hat sich der Online-Dienst zudem durch die Angebote diverser Anbieter der Sexbranche - ein Thema, das sich uebrigens auch in den Newsgroups genannten Diskussionsforen des Internet grosser Beliebtheit erfreut.

Diese Klientel soll laut Aschoff bei 1&1 Online ausgegrenzt werden, dem neuen Service, den 1&1 auf Basis von Datex-J anbietet. Dafuer wurde auch der Online-Standard KIT entwickelt, der in Verbindung mit einem speziellen Softwaredekoder Windows-Komfort bietet und Bild-, Ton- und Videosequenzen unterstuetzt. Er soll das 13 Jahre alte CEPT-Format abloesen. Ausserdem will man kuenftig Zugaenge mit 14 400 und teilweise mit 28 800 Baud Uebertragungskapazitaet realisieren. Btx haengt der Ruf des Langsamen und Rueckstaendigen an, da sich die meisten Anwender via Modem bisher nur mit einer Geschwindigkeit von 2400 Baud einklinken koennen.

Fuer echte Online-Freaks war das Telekom-Angebot deshalb bislang keine Alternative zu Compuserve - auch wenn das Unternehmen aus Columbus, Ohio, nicht mit der elektronischen Kontofuehrung aufwarten kann.

Stark frequentiert sind dort die Foren, in denen Gleichgesinnte ueber jedwede Themen diskutieren. Haeufig genutzt wird zudem die Mail-Komponente sowie die Moeglichkeit, in den Forumsbibliotheken abgelegte Programme auf den Rechner zu laden. Es stehen aber auch viele Datenbanken, aktuelle Boersenkurse, Reiseinformationen, Electronic Mall etc. zur Verfuegung.

Verglichen mit Datex-J bietet Compuserve dem DV-Spezialisten mehr in bezug auf die berufliche Nutzung. So lassen sich in den verschiedenen Foren Hilferufe postieren, wenn bei der Software XY Probleme auftreten. Zudem haben diverse Hard- und Softwarehersteller eigene Foren eingerichtet, ueber die Support geleistet sowie Treiber und Patches zur Verfuegung gestellt werden.

Auch das Microsoft Network der Bill-Gates-Company wird wohl einiges Spezielle fuer die Gemeinde der Computernutzer bringen, waehrend Europe Online fuer die an allgemeinen und wirtschaftlichen Themen interessierten Anwender gedacht ist. Der Schwerpunkt soll bei Reise-, Wirtschafts- und Sportinformationen liegen, gab Mitbetreiber Burda auf der Multimedia-Messe Milia ´95 in Cannes bekannt (siehe CW Nr. 3 vom 20. Januar 1995, Seite 11: "Der Netzdienst Europe Online....").

Die Kunden lassen sich allerdings kaum mehr in geschlossene Netze locken. Profitieren kann nur, wer den Anwendern die schier unerschoepfliche Informationswelt des Internet erschliesst. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research rechnet zwar - bezogen auf den US-Markt - mit einem Anstieg der Nutzer proprietaerer Online-Dienste von heute 4,7 Millionen auf zehn Millionen 1997, begruendet durch den im Vergleich zum Internet leichter realisierbaren Zugang. Drei Jahre spaeter bleiben den Analysten zufolge indes nur noch 6,7 Millionen Teilnehmer den geschlossenen Services treu, wogegen 22 Millionen Anwender den Multimedia-Dienst World Wide Web nutzen werden.

Im Internet stehen rund 2000 Newsgroups zur Verfuegung, um mit Gott und der Welt ueber die verschiedensten Themen zu diskutieren oder bei Problemen Hilferufe zu plazieren. Der User kann unter anderem in Online-Bibliotheken nachschlagen, mit Hilfe von File Transfer Protocol (FTP) Software herunterladen, Fachbeitraege, Studienergebnisse, Produkt- und Herstellerinformationen abrufen oder Waren wie Blumen, Buecher, Sportartikel oder Pizzas bestellen.

Als Erreger des allgemeinen Internet-Fiebers kommt primaer das World Wide Web in Frage - ein Hypertext-basiertes Informationssystem mit grafisch ansprechender Praesentation, das einfach zu bedienen ist. Der Benutzer klickt sich ueber Hyperlinks von Information zu Information und von Server zu Server. In den USA ist die Internet-Adresse auf der Visitenkarte schon weit verbreitet. Waehrend frueher ueber die Universitaeten hauptsaechlich Studenten Zugang zum Meganetz hatten, kann sich heute ueber diverse Netzbetreiber jeder registrieren lassen. So bieten in Deutschland zum Beispiel Eunet, NTG/Xlink, Spacenet, MAZ und Contributed Networks (CN) Internet-Accounts in diversen Auspraegungen an (siehe Kasten Seite 76). Fuer Privatnutzer kommen zudem Vereine wie der Individual Network e.V. in Frage.

Dieser neuen Konkurrenz gewahr, bauen die Anbieter geschlossener Kommunikationsdienste an Wegen ins Netz der Netze. Prodigy aus White Plains, New York, kuendigte der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" zufolge als erster der Gilde die Verfuegbarkeit eines World-Wide-Web-Zugangs an.

Online-Dienstleister arbeiten am Web-Zugang

America Online arbeitet ebenfalls an einer WWW-Anbindung. Compuserve unterstuetzt neuerdings FTP, demnaechst soll ein WWW- Browser integriert werden. Mails lassen sich bereits seit laengerem zwischen Compuserve- und Internet-Anwendern austauschen, und auch das Usenet, die Internet-Newsgroups, steht den Kunden des Mehrwertdienste-Anbieters offen.

Auch 1&1 wagt sich weiter ins Internet-Terrain. Ueber den Rechner der Fun Kommunikations GmbH hat die Datex-J-Kundschaft die Moeglichkeit, sich in Telnet-taugliche Server mit .de-Domain einzuloggen. Telnet laeuft allerdings im Testbetrieb und funktioniert nicht immer so, wie es sollte, schenkt man den in Compuserve gefuehrten Diskussionen Glauben. Auch die Moeglichkeit der Mail-Kommunikation zwischen Datex-J und Internet soll verbessert werden, ebenso das Newsgroups-Angebot. Bisher hat der Telekom-Dienst nur 180 deutsche Newsgroups im Angebot.

Internet Relay Chat (IRC), die Online-Plauderecke im Internet, sollte 1&1 zufolge Mitte Dezember 1994 zugaenglich sein. Die Anwendung verzoegert sich aber offenbar noch. Einen Weg ins World Wide Web will man bis zur CeBIT realisiert haben. Dann wird laut Hermann Stoll, mit Aschoff Geschaeftsfuehrer der 1&1 Telekommunikations GmbH, ein neuer, WWW-faehiger Btx-Multimedia- Decoder vorgestellt, der bereits die Winsockets integriert. FTP stellt Stoll im ersten Halbjahr 1995 in Aussicht.

Aktionismus in Sachen Internet, wobei vor allem das World Wide Web gemeint ist, findet momentan vornehmlich auf Seiten der Anbieter statt. Unternehmen bauen Homepages schneller, als sich http://www.xyz.com aussprechen laesst, beschreibt ein Redakteur der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" treffend die Web-Manie. Im Oktober 1994 gab es in den USA nach Recherchen von Infobahn International rund 1,054 Millionen kommerzielle Domains, im Januar 1995 waren es ueber 1,316 Millionen. In Deutschland wuchs das Netz im gleichen Zeitraum von 168 995 auf 207 717 .de-Domains. Wer mit welchem Angebot zum Wachstum des Netzes beitraegt, melden die dreimal woechentlich auf den neuesten Stand gebrachten "What´s- new"-Seiten der NCSA. Die Neuerscheinungen reichen von Reiseangeboten wie Alaska Fish Cruise bis Zooop vom Center for electronic Art in San Franzisko und umfassen kommerzielle und nichtkommerzielle Web-Sites.

Nicht nur Computerhersteller haben das Internet als Moeglichkeit zur Information entdeckt, sondern auch die US-Brauerei Coors Brewing, Walt Disney, Playboy Enterprises, GEO, Addison-Wesley, um nur einige zu nennen. Die General-Electric-Tochter GE Plastics stellt zum Beispiel online 1500 Seiten Produktdaten bereit. Ueber Baynet preisen kalifornische Makler ihre Haeuser an.

Einmal bekannt, erfreuen sich die bunten Homepages regen Zuspruchs. 12 000 Zugriffe registrierte zum Beispiel GE Plastics im ersten Monat der Web-Praesenz. Beim Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" sollen es im gleichen Zeitraum 20 000 sein. Der Computerhersteller Digital Equipment Corp. berichtet von 250 000 Zugriffen pro Monat auf seinen WWW-Server.

Angestachelt durch stete Rekordmeldungen in bezug auf die Nutzerzahlen, verfallen Unternehmen in den Glauben an einen Millionen starken Kundenkreis, an einen Marktplatz, auf dem die Gesetze von Groesse und Macht nicht mehr gelten. "Das Netz aendert die Regeln. Kleine Unternehmen koennen wie grosse Firmen agieren. Groesse bringt weniger kommerzielle Vorteile als zuvor", schwaermt Nicholas Negroponte, Director des MIT Media Lab, in einem mit der "Computerworld" via Internet gefuehrten Interview.

Virtuelle Malls schiessen in den USA wie Pilze aus dem Boden und bieten von Moebel bis Kleidung die gaengige Palette herkoemmlicher Einkaufszentren. Zu den bekanntesten zaehlen die Internet Mall von Mecklerweb und das Internet Shopping Network. Konzentriert auf ein Produkt tummeln sich neben diversen Software- und CD-ROM-Shops zudem Anbieter wie Frank Franken´s Teehandlung, Sport Muskelkater der Buchhaendler JF Lehmanns, Pizzahut oder die Blumengeschaefte 800-Flowers und Flowerstop im Web. Chancen in der neuen digitalen Welt wittern ferner die Verlage, bei denen die Online-Praesenz mittlerweise zum guten Ton gehoert.

Grossen Reichtum bescheren elektronische Zeitungsstaender und Laeden, die rund um die Uhr geoeffnet sind, den Internet-Unternehmern allerdings noch nicht. Beim Blumenhaendler Flowerstop gehen zum Beispiel taeglich drei bis vier Anfragen ein.

"Das Angebot ist fuer den Anwender kostenlos, der Anbieter muss dafuer zahlen. Indirekt profitieren wir natuerlich durch das Image, das wir dadurch bekommen", erklaert Robert Zinner, Projektleiter WANs bei der Muenchner TLK Computer GmbH & Co. KG, die im Spaceweb- Marktplatz von Spacenet online praesent sind.

TLK bietet Hard- und Software fuer Internet-Provider und -Anwender an. Zur Zeit arbeitet man dort an einem "Internet Provider Starter-Kit" - laut TLK eine Art Plug-and-play-Loesung fuer POPs (POP = Point of Presence).

Mangelnde Sicherheit erschwert Online-Deals

Auch fuer Information-Seller entwickelt sich das Netz nicht ueber Nacht zum Goldesel. Sie leben von der Bereitschaft der Anwender, fuer Information zu bezahlen. Anbieter von Online-Datenbanken und elektronischen Informationsdiensten wie etwa Genios gibt es schon seit Jahren, sie gelangen aber nun durch die Popularitaet des Internet zu neuer Aufmerksamkeit. Willi Bredemeier vom Redaktionsbuero Bredemeier zeigt im Band 3 der Genios-Schriften zum Informationsmanagement, "Zeitungs- und Fachzeitschriftenverlage auf der Schwelle in die Multimedia-Zeit", die Entwicklung der deutschen Informationswirtschaft auf. Danach betrug das Wachstum im Online-Sektor 1993 8,3 Prozent, hervorgerufen durch Neueinsteiger und die Erschliessung neuer Teilmaerkte. Das Marktvolumen lag bei 948 Millionen Mark. Seitens der Nutzer war ein Rueckgang zu verzeichnen. "Ruecklaeufige beziehungsweise Stagnationstendenzen bezogen sich sowohl auf den oeffentlichen als auch auf den privaten Bereich und kamen querbeet wohl in allen Branchen vor. Die bekanntgewordenen Faelle koennen allerdings - von wenigen Ausnahmen nicht publiziert werden, weil Informationen darueber - soweit man auf Namen schliessen koennte - vertraulich gegeben wurden", schreibt Bredemeier.

Fuer Informationsanbieter, die sich das Internet beziehungsweise World Wide Web als Vertriebsplattform aussuchen, kommt erschwerend der Internet-Spirit hinzu. Sie handeln entgegen der bisherigen Kultur des Netzes, die gepraegt ist von einer weltweiten Verfuegbarkeit kostenloser Informationen.

Hinderlich fuer die umsatzgenerierende Nutzung sind auch die unausgereiften Abrechnungsmoeglichkeiten. Kreditkartennummern ueber das Internet zu uebertragen, empfiehlt sich aus Sicherheitsgruenden nicht. Die Internet-Branche arbeitet zwar mit einigem Erfolg an Verschluesselungsmechanismen und sicheren Uebertragungsprotokollen (Secure HTTP), als hundertprozentig verlaesslich gelten aber auch sie nicht. Hinzu kommt, dass seitens der Banken aus Angst vor mangelnder Sicherheit bis auf wenige Ausnahmen kein grosser Drang zum Internet besteht. Auch andere Konzepte, die derzeit zur elektronischen Abrechnung in der Diskussion stehen, sind untauglich, da ihnen der juristische Unterbau fehlt, schreibt Michael Schneider in seinem Beitrag (siehe Seite 69, "Elektronischer Handel...").

Die Unternehmen starten ihre Web-Aktivitaeten deshalb in erster Linie wegen des Image-Gewinns. Die Redaktion des "Spiegel" bezeichnet ihr Online-Engagement auf der Bundesdatenautobahn als Marketing-Instrument. Und auch Dave Bailey, Senior Marketing Analyst bei der United Parcel Service Inc. in Atlanta, setzt auf diesen Effekt.

Otto Normalverbraucher mit Heim-PC ist unter den Internet-Usern noch in der Minderzahl. Ueber die Eunet Deutschland GmbH gehen nach Unternehmensangaben zum Beispiel derzeit etwa 500 Personal-Eunet- Kunden mit Einzel-Accounts und Waehlverbindung sowie 850 Organisationen und Unternehmen ins Netz der Netze. Abschrekkend wirkt fuer viele Privatanwender hierzulande schon der Preis, der in Deutschland um ein Vielfaches hoeher liegt als in den USA, wo Internet-Zugaenge fuer rund 20 Dollar pro Monat zu haben sind. Mit am guenstigsten ist zum Beispiel der Muenchner Anbieter Muc e. V., der fuer volle Internet-Dienste via SLIP (Serial Line Interface Protocol) oder PPP (Point-to-point Protocol) 55 Mark pro Monat berechnet - kommerzielle Nutzung ausgeschlossen und maximal 5 MB Uebertragungsvolumen pro Monat (im Durchschnitt). Eunet knoepft dem Personal-Eunet-Anwender dagegen 20 Mark Monatsgebuehr mit einer Freistunde und 17 Mark pro weitere Stunde online ab.

Nicht viel besser sieht es bei 1&1 aus, die fuer Telnet und Internet-Relay-Chat neben den normalen Btx-Gebuehren 20 Pfennig pro Minute berechnen wollen. IBM kassiert von den OS/2-Usern 26 Mark im Monat (inklusive drei Online-Stunden) sowie sieben Mark fuer jede weitere Stunde.

Einen neuen Ansatz versucht die Frankfurter Sysnet GmbH mit Germany.net. Sie will ihre Web-Site ueber die Unternehmen finanzieren, die auf diesem Wege Informationen und Produkte anbieten. Aufgewertet soll die Sache durch zusaetzliche Dienste wie ein persoenliches Postfach, Artikel zu verschiedenen Themen etc. werden. Auf diese Basisservices - und die Werbung - koennen die Nutzer ueber einen kostenlosen Internet-Zugang zugreifen, der momentan in Frankfurt zur Verfuegung steht. Weitere Einwaehlpunkte sollen noch im Fruehjahr folgen.

"Die Anwender werden interaktive Services nur nutzen, wenn ihnen daraus ein unmittelbarer Gewinn entsteht. Fuer Anbieter bedeutet dies, dass der Schluessel zum Erfolg der Mehrwert ist, den sie ihren Kunden anbieten", warnt Peter Kabel von Kabel New Media im bereits erwaehnten Genios-Band vor einer falschen Einschaetzung des Marktes.

Als nutzbringend erweist sich das Internet, ueber die Funktion eines Transportmediums fuer E-Mails hinaus, im Geschaeftsleben. "Der Vorteil des Netzes ist, dass es global, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche verfuegbar ist", erklaert Russ Jones, Digitals Internet-Program-Manager, der CW-Schwesterpublikation "Infoworld". "Online koennen wir Fragen, etwa ueber technische Probleme oder Kompatibilitaetsschwierigkeiten, kontinuierlich beantworten. Die Hotline wird wesentlich weniger beansprucht, und die Vertriebsleute verbringen weniger Zeit mit einem Kunden." Auch der Verkaufszyklus werde kuerzer, da sich die Anwender schon vor dem Besuch eines Verkaeufers ueber die Produkte informieren.

Internet als Medium fuer den Softwareversand

Es ergeben sich neue Moeglichkeiten der Verbindung zum Wiederverkaeufer oder zum Endanwender. So richten Hersteller wie Microsoft, Informix etc. Homepages ein, ueber die sie die Kunden mit Produkt- und Unternehmensmeldungen versorgen. Auch Bug-Fixes, Utilities oder Add-ons lassen sich per Mausklick uebertragen. "Erst testen, dann zahlen" heisst neuerdings bei dem Datenbankspezialisten Oracle die Devise, der einige seiner Programme fuer einen 90-Tage-Test zum Download anbietet. Damit beschreitet das Unternehmen den Weg der elektronischen Softwaredistribution. Hier stossen die Unternehmen allerdings momentan auch an Grenzen, da die Zugaenge bei komplexen Programmen fuer die Uebertragung von grossen Datenmengen ausgelegt sein muessen.

Letztlich haengt es aber auch im Business-Bereich von der Bereitschaft der Nutzer, in dem Fall der Anwenderunternehmen, ab, einen Internet-Zugang zu realisieren. WAN-Experte Zinner von der TLK macht vor allem Computerfirmen und Verlage als neue Internet- Nutzer aus.

"Eine zielgerichtete Suche nach Informationen ist schwierig, da die entsprechenden Verzeichnisse fehlen beziehungsweise nicht auf dem aktuellen Stand sind", erklaert Werner Glaser, Fachgebietsleiter Kommunikationssysteme bei Knorr-Bremse. Deshalb mache es aus heutiger Sicht wenig Sinn, fuer alle Mitarbeiter des Unternehmens Internet-Anschluesse einzurichten.

Interessant sei das Internet fuer internationale Konzerne allerdings in bezug auf die Kommunikation. "Doch solange es keine sicheren Verschluesselungsalgorithmen gibt, scheidet das fuer sensitive Daten aus."

Dienste im Internet

Electronic Mail: Versenden und Empfangen elektronischer Nachrichten, mit MIME (Multipurpose Internet Mail Extension) auch Bild-, Video- und Audiodateien.

Usenet News: weltweite, nach Themengebieten aufgesplittete Diskussionsplattform.

File Transfer Protocol (FTP): Dienst zur Uebertragung von Dateien.

Gopher: hierarchisches Informationssystem zur Suche in Datenbanken.

Telnet: ermoeglicht das Login auf fremden Rechnern.

World Wide Web (WWW): multimediales Informationssystem, das die Verbindung zwischen einzelnen Seiten beziehungsweise anderen Servern ueber Hyperlinks realisiert.