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20.05.1977 - 

Wasserversorgung per Computer:

Online closed loop-Betrieb im Wasserwerk Kladow

BERLIN (sf) - "Bisher einmalig in Deutschland ist die vollautomatische Steuerung und Überwachung des Wasserwerkes Kladow", berichtet der stellvertretende technische Geschäftsleiter der Berliner Wasserwerke, Dipl.-Ing. Johann Naumann, nicht ohne Stolz.

Im Werk Kladow installierten die Berliner 1974 einen Prozeßrechner, der im geschlossenen, prozeßgekoppelten (Online closed loop) Betrieb arbeitet und nicht nur im Prozeß anfallende Daten erfaßt (was inzwischen auch in anderen deutschen Wasserwerken praktiziert wird), sondern dazu steuernd und regelnd in alle technischen Vorgänge eingreift ("bisher einmalig"). Mit diesem Projekt zogen die Berliner seinerzeit als erstes bundesdeutsche Wasserversorgungs-Unternehmen die Konsequenzen aus wachsenden Sicherheitsanforderungen bei gleichzeitiger Forderung nach Minimierung der Kosten (die Kassen der Kommunen sind bekanntlich chronisch leer): "Arbeiteten wir 1974 noch in drei Schichten rund um die Uhr, so können wir bereits im Laufe dieses Jahres auf einen einschichtigen Betrieb umstellen", berichtet Naumann.

Der Prozeßrechner (ein System AEG 60/10 mit 16 K Worte-Kernspeicher und 128 K Worte Plattenspeicher-Kapazität) übernimmt im Werk Kladow Steuerung, Regelung und Optimierung des Energiebezuges, der Grundwassergewinnung ferner der Reinwasseraufbereitung und der Reinwasserförderund ins Rohrnetz in Abhängigkeit vom Verbrauch bei vorgegebenem Druck.

Ein Doppelrechnersystem - der höheren Ausfallsicherheit wegen - war den Berliner Wasserversorgern zu teuer: "Da hätten wir noch einmal 500000 Mark drauflegen müssen", stöhnt Naumann (Hard- und Software sowie Prozeßperipherie für Kladow kosteten insgesamt 2,1 Millionen Mark).

Sollte im Kladower Werk der Rechner einmal ausfallen, wird - wenn es außerhalb der regulären Arbeitszeit passiert - über eine Personenrufanlage sofort ein Techniker verständigt. In der Zwischenzeit bleiben alle Maschinen im zuletzt eingestellten Zustand. Der herbeigerufene Techniker entscheidet dann vor Ort über entsprechende Maßnahmen.

Langfristig gesehen haben die Berliner Wasserversorger große Plane: Die übrigen sechs Wasserwerke der geteilten Stadt sollen ebenfalls auf einen vollautomatischen Betrieb umgestellt werden. "Dann könnte ein zentrales Computersystem die gesamte Wasserversorgung Westberlins steuern und überwachen", prophezeit Dipl.-Ing. Johann Naumann.