Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Externe Speichersysteme - die Revolution läßt auf sich warten:

Online-Daten rotieren auch in Zukunft

09.06.1978

Betrachtet man die technische Entwicklung der externen Speichersysteme innerhalb der letzten fünfzehn Jahre, so sind in diesem Bereich entscheidende technische Fortschritte erzielt worden. Die allgemeine technologische Weiterentwicklung und der gestiegene Kapazitätsbedarf haben zu einer wesentlichen Veränderung im Einsatz peripherer Speicher geführt.

Im letzten Jahrzehnt gehörten die Bandspeichersysteme mit zu der Peripherie, die die geringsten technischen Weiterentwicklungen erfahren haben. Mit den üblichen Aufzeichnungsverfahren "NRZ" (Non-Return to Zero) und "PE"(Phase Encoding) konnte das Preis/Leistungsverhältnis über Jahre hinweg nur über die Bandtransportgeschwindigkeiten von 20 ips (Inch per Second) bis auf 200 ips verbessert werden. In diesem Rahmen wurden Datentransferraten von bis zu 320 Kilobyte pro Sekunde erreicht. Eine wesentliche Verringerung der Ladezeiten wurde mit der Einführung der "Single-Capstan"-Laufwerke und den "Easy-Load"-Systemen (automatische Bandeinfädelung) erreicht. Die Anpassung der Bandspeicherleistung an die heute üblichen Kanalgeschwindigkeiten von über 1 MB pro Sekunde wurden erst mit der Einführung des GCR-Aufzeichnungsverfahrens (Group-Coded-Recording) möglich. Damit konnte die Datentransferrate auf 1,25 MB pro Sekunde gesteigert werden. Sicher sind hiermit noch lange nicht die physikalisch gegebenen Grenzen der magnetischen Bandaufzeichnung erreicht. Man kann für die Zukunft auch hier noch beachtliche Steigerungsraten erwarten.

Was den Datenträger Magnetband anbetrifft, wird es auf diesem Sektor kurzfristig weder im Preis noch in der Leistung bahnbrechende Entwicklungen geben. Der Schritt vom Halbzollband zu dem im Audiobereich üblichen Viertel-oder Ein-Achtel-Zoll-Datenträger zu gunsten wesentlicher Kostenreduzierung der Laufwerke und des Mediums scheitert gegenwärtig weniger an den technischen Möglichkeiten und an den Datenträgern-Kompatabilitätskriterien, als vielmehr an den Marketing-Strategien der Hersteller. So sind in den kommenden Jahren von den großen Bandperipherieherstellern wie IBM, Telex, CDC, SDC, BASF und neuen fernöstlichen PCM-Herstellern wie Fujitsu kaum revolutionierende Neuheiten zu erwarten. Weniger unbeweglich zeigen sich hier die Mini/ MDT-Peripheriehersteller bei denen das Tape als billiger externer Speicher sowohl als Datenkassette als auch als Reel noch Zukunft haben wird. Im Bereich der Großsysteme wurde das Tape aufgrund des relativ hohen Operating-Aufwandes und mangelnder selektiver Zugriffsgeschwindigkeit immer mehr von anderen Massenspeichersystemen und "DASD" (Direct Access Storage Devices) auf den Einsatz im Bereich der Datensicherung und Archivierung verdrängt. Der Online-Speicherplatz auf Tape wird von heute durchschnittlich 0,005 Mark pro Kilobyte, bis 1980 voraussichtlich unter 0,001 Mark, pro Kilobyte sinken.

Die relativ junge Generation der Massenspeicher wurde Mitte der siebziger Jahre mit dem System IBM 3850 eingeführt. Entgegen erster optimistischer Prognosen seitens der gegenwärtig einzigen Mass-Storage-Hersteller IBM und CDC dringen diese Speichersysteme nur langsam in die Großrechenzentren vor. Der Massenspeicher ist entsprechend seiner Archivspeicherarchitektur zur Ablösung magnetbandorientierter Datenbanken prädestiniert. Mit einer Speicherkapazität von gegenwärtig 470 000 Megabyte könnte der Massenspeicher zwar kleinere Bandarchive ersetzen - die

relativ hohen Kosten lassen sich aber gegenüber dem Gesamtsystem nur in wenigen Fällen rechtfertigen.

Ungeachtet dessen werden voraussichtlich auch in diesem Jahr neue Massenspeicherversionen von IBM angekündigt. Man erwartet ein größeres Modell mit 940 000 MB Kapazität und kleinere Modelle für die Systeme /370-138 oder 148.

Gegenwärtig werden Magnetplattensysteme unterschiedlichster Bauart mit Kapazitäten von 2,5 MB pro Spindel bis zu 400 MB pro Spindel angeboten. So vielfältig wie das Kapazitätsspektrum sind auch die Datenträgersysteme, die vom kleinen Disc-Cartridge für Front-und Top-Loader mit und ohne Festplatten über Wechselplattenstapel bis zu 320 MB pro "Pack", den Winchestersystemen mit integrierten Schreib-/Leseköpfen bis hin zu den Festplatten-Systemen mit und ohne Festkopf-Einrichtung reichen. Die Zugriffsmechanismen bei den klassischen Disk-Systemen 2311 und 2314 der IBM _ - noch Hydraulik-Antriebe - sind fast aus den EMA-Systemen (Electromotoric Actuator) gewichen.

Durch die Einführung von Servospuren auf einer zusätzlichen Plattenoberfläche konnte die Spurdichte bei gleichzeitiger Reduzierung der Kompatibilitätsprobleme wesentlich erhöht werden, so daß Anfang 1970 die Spindelkapazität von 29 Mio Byte auf 100 Mio Byte gesteigert werden konnte. Wenig später wurden mit der IBM 3330/11 eine Wechselplattenkapazität von 200 Mio Bytes angeboten. Die Familie der Wechselplattenspeicher wurde dann Ende 1966 von ASF um ein emuliertes 3350-kompatibles Plattensystem mit 317,5 Mio Byte Kapazität erweitert.

Mikroprozessoren, die in der gegenwärtigen Plattenspeichergeneration noch vorwiegend Diagnose- und Serviceaufgaben dienen, werden im Verlauf der Weiterentwicklung die Intelligenz der Laufwerke erheblich steigern und die Steuerungsprozessoren für Verwaltungs- und Koordinationsaufgaben des Disk-Subsystems einsetzbar machen. So dürften zum Beispiel in absehbarer Zeit voll selbstverwaltete Online-Datenbanken-Systeme auf dem Markt erscheinen. Damit werden auch selbst verwaltete großvolumige schnelle Daten-"Buffer" in CCD- oder "Bubble"-Technologie als fest integriertes Medium der Online-Speicherhierarchie denkbar.

Offen bleibt, ob und wann der vollelektronische Halbleiterspeicher im Wettlauf der Speichermedien halbmechanische, elektromagnetische Speichersysteme in der ganzen Breite der Speicherhierarchie aus dem Feld verdrängt. So lange es preiswerter und schnell genug ist, tausende von MBs über mechanische Zugriffsarme und Schreib-/Leseköpfe dem System zur Verfügung zu stellen, wird die Masse der Online-Daten weiter rotieren. Noch heute wird auf Messen die Revolution der Online-Speichertechnik mit der restlosen Beseitigung der Mechanik aus diesem Bereich noch bis in die späten achtziger Jahre auf sich warten lassen.

*Memorex, Frankfurt