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20.03.1981

Online-Erstlingsprojekte gehören in den Papierkorb sagt das RZ Südwest: Kein Batch-Abschied ohne Personalprobleme

STUTTGART (je) - Im Zuge der rezessiven Erscheinungen in unserer Wirtschaft werden zwar auch die Kosten der elektronischen. Datenverarbeitung von den Betrieben zunehmend kritisch betrachtet, von Budgetkürzungen aber bleibt dieser Bereich zumeist verschont. Diese Beobachtung haben Horst Rippel, Geschäftsführer, und Franz Lanz, Abteilungsleiter des Rechenzentrums Südwest in Stuttgart gemacht und werten dies als ökonomisch kluges Handeln.

Warum es falsch wäre, bei der EDV den Rotstift anzusetzen, begründen die Stuttgarter folgendermaßen:

Erstens soll gerade die EDV das Instrument sein, mit dessen Hilfe rationalisiert werden soll, um so den Kostendruck zu mindern. Zweitens soll die EDV wichtige Planungsdaten schnellstmöglich zur Verfügung stellen, die ein flexibles Reagieren auf Veränderungen am Markt erlauben.

Diese Ziele sind nach Auffassung der RZ-Oberen nur durch ein funktionierendes Online-Informationssytem zu erreichen, das jedoch wiederum kostengünstig arbeiten muß. Mit der "EDV außer Haus" bieten die freien Rechenzentren hier eine interessante Alternative, die von den Unternehmensführungen vielfach nur deshalb nicht genutzt wird, weil es an allgemeinen Bewertungsnormen fehlt, meinen die Stuttgarter.

Sie geben dem betroffenen Anwenderkreis dazu folgende Denkanstöße:

Auch heute arbeiten die meisten firmeneigenen Rechenzentren noch überwiegend im Stapelbetrieb. Bei dieser Form der Datenverarbeitung liegen die Vorteile eindeutig bei einem firmeneigenen Computer. Die Gründe dafür sind:

- Batch-Programme benötigen keinen sehr hohen "Know-how-Level" des EDV-Personals.

- Es gibt keine Datensicherungs- und Recovery-Probleme.

- Verschiedene Anwendungen laufen getrennt voneinander ab.

- Durch Hardware-, Software- und Bedienungsfehler verdorbene Datenbestände können in aller Ruhe durch Wiederholung entsprechender Jobs wiederhergestellt werden.

Die Art der Verarbeitung zusammen mit veralteten Organisationsformen macht häufige Kontakte zwischen Fachabteilung und EDV-Personal notwendig.

Angesichts der aufgeführten Punkte wird schnell klar, daß EDV außer Haus bei reinem Stapelbetrieb nicht zu vertreten ist. Inzwischen hat sich aber bei allen EDV-Anwendern die Erkenntnis durchgesetzt, daß Stapelverarbeitung nicht den Anforderungen, die an eine EDV gestellt werden müssen, genügt. (Ausgenommen sind hier technisch-mathematische Berechnungen.) Batch-Listen sind, wenn sie am Bankschalter oder im Auslieferungslager ankommen, Makulatur.

Die Forderung heißt also, daß die maschinelle Verwaltung von Datenbeständen absolute Aktualität gewährleisten muß. Dies ist aber nur mit einer Online-Datenverarbeitung zu erreichen. Hat sich ein Unternehmen einmal für die Einführung der Online-EDV entschieden, so stehen ihm sogleich mehrere, alleine kaum zu bewältigende, Probleme ins Haus. Diese verteilen sich auf die Gebiete

- Organisation

-ÀKosten

-ÀKnow-how

-ÀAusbildung

-ÀAkzeptanz

-ÀPersonalbedarf

-ÀHardwareressourcen

Organisation

Soll es nicht dazu kommen, daß nach Ende der Umorganisation das neue und das alte Verfahren in einer unbrauchbaren Mischform nebeneinander weiter existieren, muß von vorneherein die konsequente Einführung der neuen Technologie sichergestellt sein. Erreichen läßt sich dies am besten, wenn ein Machtpromotor und ein Fachpromotor gemeinsam ans Werk gehen. Dabei ist es unvermeidlich, daß der Fachpromotor für eine gewisse Zeit erhebliche Machtbefugnisse erhält.

Ist dieser Fachpromotor aber Mitarbeiter des Unternehmens, dann besteht die Gefahr, daß er diese Gelegenheit dazu benutzt, vor allem seine Position innerhalb der Firma zu stärken und weniger dazu, perfekte Arbeit zu leisten. Bei einem externen Spezialisten stellt sich das Problem nicht.

Die Kostenentwicklung der EDV in der Zukunft ist geprägt von zwei eindeutigen Trends:

Das Preis-/Leistungsverhältnis im Hardware-Bereich verbessert sich immer mehr. Dagegen steigen die Kosten, die man für Software aufwenden muß, im Zuge der Einführung des "Unbundling" durch die Hersteller zum Teil drastisch. Dabei sollte man beachten, daß ein Rechenzentrum mit einer kleinen Installation (unter 50 000 Mark Monatsmiete) aus Sicherheitsgründen genauso zwei Systemprogrammierer benötigt wie ein wesentlich größeres. Bei den Systemsoftwarekosten ist diese Relation auch gegeben.

Bedingt durch den noch ständig zunehmenden Fehlbestand an Spezialisten ist auch weiterhin mit einem überdurchschnittlichen Anstieg der Personalkosten im EDV-Bereich zu rechnen.

Das Personal einer mittelgroßen, firmeneigenen EDV-Abteilung besteht heute zum großen Teil aus ehemaligen kaufmännischen und technischen Angestellten, die auf Grund der langjährigen Berufs- und Firmenerfahrung die anstehenden Probleme in der Stapelverarbeitung mit ausreichendem Ergebnis lösen können.

Bei Einführung der Online-Datenverarbeitung mit Echtzeitbetrieb werden die bisher im Stapelbetrieb erworbenen Erfahrungen und Kenntnisse zum größten Teil wertlos. Es ist eine völlige Umstellung der Arbeitsgewohnheiten von RZ-Leitung, Programmierung und Operating notwendig, die manchen Mitarbeitern nicht gelingt oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten bewältigt wird. Zum Beispiel muß die Systemprogrammierung ihr fachliches Wissensvolumen etwa um den Faktor fünf erweitern.

Jede Umstellung bringt Mehrarbeit im EDV-Bereich mit sich und ist deshalb nur mit mehr Personal zu bewältigen. Bei einem gelungenen Wechsel auf Online-EDV sollte aber bei dessen Abschluß EDV-Personal freigesetzt werden können. Welcher verantwortungsbewußte Unternehmer stellt Mitarbeiter ein, wenn er genau weiß, daß er diese in zwei Jahren wieder entlassen muß? Hinzu kommt, daß EDV-Könner sich hüten werden, in eine kleine oder mittlere EDV-Abteilung einzutreten, sind ihnen doch diese hier geäußerten Überlegungen nur zu gut bekannt.

Da die Stapelverarbeitung zunächst in vollem Umfang weiterlaufen muß, ist während der Umstellungszeit eine größere EDV-Anlage erforderlich. Ein solcher Wechsel der EDV-Verfahren ist über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren zu sehen. Die zu erwartenden Mehrkosten im Hardwarebereich können also ganz erhebliche Summen erreichen.

Will man aus einer ganz in ihrer jetzigen Stapelprogrammwelt aufgedenden EDV-Truppe ein schlagkräftiges Online-Team machen, so müssen alle diese Leute zunächst in der neuen Technologie ausgebildet werden. Die Kosten hierfür liegen pro Mann (oder pro Frau) durchaus der Größenordnung von 30 000 bis 50 000 Mark - wobei der Erfolg nicht automatisch gegeben ist. Denn gerade hier gilt das Sprichwort: Aus Erfahrung wird man klug, das heißt, das Erstlingsprojekt gehört in den Papierkorb!

Die Einführung der Online-EDV in einem Unternehmen bringt für einen großen Teil der Mitarbeiter eine völlige Veränderung in der gewohnten täglichen Arbeit mit sich. An die Stelle von Papier und Aktenordnern treten Bildschirm und Computer-System. Damit ist klar, daß der Schulung der Mitarbeiter eine hohe Bedeutung zukommt. Diese Ausbildung der Benutzer kann von der eigenen EDV-Mannschaft unmöglich zusätzlich oder gar nebenbei bewältigt werden.

Faßt man die vorstehenden Überlegungen zu einem Ergebnis zusammen, so erweist sich der Gang in ein branchenspezifisches Service-Rechenzentrum immer dann als ratsam, wenn

- eine Umstellung auf Online-EDV geplant ist,

- die jetzt installierte Anlage nicht einen Mietwert von 150 000 Mark übersteigt,

- die eigene EDV-Mannschaft nicht auf - je nach Situation - vier bis sechs erfahrene Online-Spezialisten zurückgreifen kann (Absicherungsproblematik),

- man sogenannte "EDV-Königreiche" innerhalb des Unternehmens vermeiden will,

- eine gute Akzeptanz der neuen Verfahren bei den Mitarbeitern erreicht werden soll,

- Kostentransparenz im EDV-Bereich angestrebt wird.