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Klassische Medien haben wenig Interesse an Innovation


01.09.2000 - 

Online-Magazine erhalten Konkurrenz

Die besten Chancen, sich im Internet mit Publikationen zu etablieren, haben die Online-Ableger klassischer Medien. Ihnen fehlt jedoch das ernsthafte Interesse, die Inhalte wirklich webkonform aufzubereiten. Sie laufen daher Gefahr, dass ihnen Newcomer mit neuen Geschäftsmodellen den Rang streitig machen.

Eigentlich ist das Web das optimale Medium. Fernseh- und Printjournalisten schwärmen davon, dass es dort nur solche Zeit- oder Platzbeschränkungen gibt, die vom Nutzungsverhalten des Publikums diktiert sind. Jahrzehnte vor dem Web-Boom haben Wissenschaftler entdeckt, dass sich Forschungsergebnisse im Internet wesentlich aktueller und sachgerechter weltweit zugänglich machen lassen als in Fachzeitschriften. Aktienbesitzer und Manager verdienen Geld damit, Börsen- und Wirtschaftsnachrichten sekundenschnell zur Verfügung zu haben. Und die rapide wachsende Zahl der privaten Surfer liest Webzines aus Begeisterung über die neue Technik, weil sie dort gezielt nach Themen suchen können, die sie interessieren und weil die Inhalte - fast immer - gratis sind.

Warum eigentlich entstehen trotzdem noch Printpublikationen zu so Internet-kompatiblen Themen wie E-Commerce und Online-Brokerage? Warum steigen in den klassischen Verlagen Auflagen, Werbeeinnahmen und Gewinne, während die Webzines bestenfalls mit Umsatzzuwächsen, viele aber mit dicken Verlusten aufwarten?

Mag sein, dass die Dotcoms als wichtigste Werbepartner, durch den Kurssturz im Frühjahr nur vorübergehend ausfallen. Richtig ist sicherlich auch, dass, solange die Web-Nutzung noch keine Selbstverständlichkeit ist, Webzines und andere Dotcoms die bisherigen Massenmedien nutzen müssen, um sich bekannt zu machen.

Es gibt aber auch grundsätzliche Schwierigkeiten im Web, Geschäfte mit Informationen zu machen. Zu den wichtigsten gehört, dass Surfer nur in Ausnahmefällen bereit sind, Geld dafür zu zahlen. Von größerer Bedeutung ist mittelfristig vielleicht, dass die Verleger im Web nicht mehr nur mit ihresgleichen konkurrieren, sondern im Grunde mit jedem, auf dessen Website sich für die werbetreibende Wirtschaft attraktive Zielgruppen einfinden. Das Spektrum reicht hier von der Massenbewerbung auf Online-Shops und Internet-Einstiegsportalen bis hin zu Business-to-Business-Marktplätzen.

Tatsächlich sind für viele User nicht "Spiegel Online" oder "Telepolis" die erste Anlaufstelle für Neuigkeiten, sondern die Web-Einstiegsseiten von Yahoo, Netcenter (Netscape), T-Online oder AOL. Dort können sie sich, wie einst beim Push-Dienst "Pointcast", ihren persönlichen InfoDienst zusammenstellen. Gehen die Interessen über Nachrichten, Wetter, Sport und Börsenticker hinaus, dann helfen meist nicht Webzines, sondern spezialisierte Anbieter weiter. So informieren sich Surfer über Reisen lieber auf Sites, über die sie auch gleich buchen können, oder über Bücher dort, wo es sie zu kaufen gibt. So gehörte es zu den ersten Sparbeschlüssen von "salon.com" den Reiseredakteur zu feuern, nachdem die Werbeeinnahmen eingebrochen waren.

In den genannten Fällen lassen sich die Redaktionen in die Rolle von Content-Lieferanten drängen - und das keineswegs ungern. Hierzulande haben sich zum Beispiel 30 Zeitungsverlage in der Zet.net AG zusammengeschlossen, um Inhalte wie Nachrichten und Wetterkarten als Dienstleister an interessierte Websites zu liefern. Auf diese Weise erreichen sie, dass der Portalbetreiber Inhalte bezahlt, die die Surfer umsonst haben wollen.

Konkurrenz kommt auch von Websites wie "epinions.com". Die Publikation sammelt die Meinung von Surfern zu beliebigen Produkten und veröffentlicht sie. Epinion nutzt als eine Art Leserbrief-Zentrale die Stärke des Internet, Stimmen aus aller Welt sammeln und veröffentlichen zu können. Auf internationaler Ebene macht das auch Ciao.com.

Tatsächlich finden sich bei Epinion etwa zu den G3-Powerbooks von Apple durchaus interessante Kommentare. Zu den Abenteuern des Zauberlehrlings Harry Potter hingegen findet sich in der Rubrik Bücher überhaupt nichts: Offensichtlich wenden sich die Leser mit ihrer Meinung in solchen Fällen lieber an den Buchhändler Amazon.com. Trotzdem haben Sites wie Ciao oder Amazon das Zeug, den Webzines die Butter vom Brot zu stehlen, weil sie sich nicht an redaktionelle Inhalte, journalistische Formen und zeitungsähnliche Darstellungsweisen gebunden fühlen. Dem haben die Webzines kaum etwas entgegenzusetzen. Eine Umfrage der Katholischen Universität Eichstätt unter 187 Online-Redaktionsleitern ergab, dass dort etwa die Hälfte der Inhalte von den Mutterpublikationen kommt und bestenfalls um Hyperlinks erweitert wird. Der konservative Umgang mit den Möglichkeiten des Web ist durchaus Programm, schließlich geht es den Internet-Ablegern von Magazinen vor allem darum, das eigene Kerngeschäft zu schützen.

MedienkulturenHauptkonkurrenten für Online-Magazine sind nach wie vor die herkömmlichen Medien. Besonders schwierig ist die Situation für Webzines, deren Inhalt sich wenig von Tageszeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten unterscheidet, weil diese Medien oft besser zugänglich sind. Oft sind Web-Nachrichten zudem nur unwesentlich schneller als das Fernsehen, dabei aber journalistisch oft weniger zuverlässig. Lediglich für die kleine Gruppe häufig reisender Informationsprofis wie Manager oder Journalisten ist es von großem Interesse, ihre Nachrichtenquellen weltweit via Notebook oder später via Handy nutzen zu können.

Generell hängt die Akzeptanz von Webzines stark von regionalen Bedingungen ab. Beim Internet-Vorreiter USA ergab eine Web-Umfrage von Juno Online Services im Vorfeld der Präsidentschaftswahl, dass 64 Prozent der Teilnehmer den Informationen im Web mehr trauen als den Nachrichten im Fernsehen. Eine Beurteilung, die vielleicht mehr gegen das US-Fernsehen spricht als für die Qualität der Web-Publikationen. Ähnliches gilt, wenn auch aus anderen Gründen, für die Zeitungen in Russland, die kaum mehr ein Publikum finden und so eine Marktlücke insbesondere für westliche Webzines öffnen.

In Großbritannien dagegen gaben 83 Prozent von 1000 im Netz befragten Surfern an, dass für sie das Internet nie die erste Nachrichtenquelle sein würde. 68 Prozent ziehen das Fernsehen vor, elf Prozent die Zeitung.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Akzeptanz von Web-Nachrichten von der Qualität herkömmlicher Medien abhängt. Es ist sicher kein Zufall, dass die CW-Schwesterpublikation "Computerworld Hong Kong" nach der Eingliederung von Hongkong in die Volksrepublik China eine Lobeshymne auf US-amerikanische Webzines wie "theonion.com", "salon.com" oder "peopledaily.com" angestimmt hat.

Anders sieht die Situation bei Fachinformationen aus, die in der Tagespresse üblicherweise zu kurz kommen. Gentechniker, Open-Source-Entwickler und Börsianer entnehmen ihre Informationen fast ausschließlich dem Internet. Insbesondere in Wissenschaftskreisen wurde das Netz schon immer als globale Informationsquelle genutzt. Die hier zum Teil seit Jahrzehnten existierenden Online-Magazine sind für die Werbung jedoch meist wenig interessant. Gut bewerben lassen sich derzeit aber Webzines mit wirtschaftlichen und informationstechnischen Inhalten.