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16.02.1979 - 

Qualitätsgewinn durch

Online-Programmierung

Mit Walter Amstutz, EDV-Chef des Tonbandgeräteherstellers Willi Studer

(Revox) in Regensdorf bei Zürich, sprach CW-Mitarbeiter Günter Schilling.

- Der Markenname Revox steht in Kreisen der Tonband-Amateure und -Profis in hohem Ansehen. Wie wir uns überzeugen konnten wird hier im Revox-Stammwerk der Willi Studer, in Regensdorf der Computer zur Losung komplexer Aufgabenstellungen im Bereich der Produkt-Forschung und Entwicklung eingesetzt Stellt diese Anwendung die Hauptsache dar?

Wir haben unser Rechenzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabrikation installiert. Damit wird klar daß wir unsere EDV-Kapazitat vor allem für die Belange der industriellen Fertigung verwenden wollen Dieser Problemkreis umfaßt bei uns die Auflosung der Fertigungsauftrage (Stucklisten) und die Kapazitatsplanung mit Betriebsdatenerfassung, welche derzeit noch über Lochkarten abgewickelt wird. bis hin zur betrieblichen Kostenrechnung.

- An Ihren Installationsdaten läßt sich erkennen, daß Sie kein Anhanger der Mix-Hardware sind Um so bemerkenswerter ist die Tatsache, daß Sie, zumindest soweit dies die Systemdienstprogramme betrifft, sich wenig herstellen bunden zeigen. Ist daraus abzuleiten, daß Sie auch bei der Applikationssoftware Fremdprogramme verwenden?

Nein, ganz und gar nicht Mit Ausnahme vielleicht von Costing 70 - daß aber nicht als Fremdsoftware gezählt werden kann, weil es bekanntlich von der IBM stammt - haben wir fast die gesamte Applikationssoftware von Grund auf selber entwickelt. Für die Produktionssteuerung haben wir zum Beispiel das RICS von DBOMP auf DL/1 umgeschrieben. Dazu waren wir gewissermaßen gezwungen, denn nirgendwo gab es für unsere Betriebsgröße ein passendes Softwarepaket, das wir hatten verwenden können. Eine Feststellung, die besonders mittelgroße Industriebetriebe, welche sich mit ihrer EDV in den Bereich der Produktionsplanung und -steuerung vorwagen, machen werden.

Ohne näher darauf eingehen zu wollen, möchte ich zur Hardwarefrage feststellen, daß wir seit 1965 mit Anlagen der IBM arbeiten, Seither sind die Anwendungs-Anforderungen ständig gewachsen. Dieses Wachsen konnte hardwareseitig noch immer problemlos durch Aufstocken der IBM-Anlage bewältigt werden. So bestand denn, zumindestens in der Vergangenheit, kein Grund zu anderen Überlegungen.

- War der verhaltnismaßig große Aufwand, der Ihnen doch ohne Zweifel aus der nahezu vollstandigen Neuentwicklung den Applikationssoftware erwachsen ist der eigentliche Grund dafur daß Sie sich zu Beginn des Jahres 1978 für die Online-Programmierung entschieden?

Es war eine ganze Reihe von Gründen, die uns den Übergang zur Online-

Programmierung sinnvoll erscheinen ließ Ich mochte davon hier nur die wichtigsten nennen.

Abgesehen von der Ersterstellung der Programme, die bei uns auch heute noch

- wir arbeiten ja noch kein Jahr mit Online-Programmierung und haben demzufolge langst noch mehr alles daraufhin umgestellt - über Codierblatter und Lochkarten abgewickelt wird hatten wir vor allem bei den Programmtestes und -anderungen erhebliche Verlustzeiten, bedingt durch haufige Unterbruche, Wege und dergleichen in Kauf zu nehmen.

Besonders litt auch die Qualität der einzelnen Programme darunter, daß der Programmierer ständig auf sein vom Computer bedrucktes Papier, wie Programmlisten und Testresultate, warten mußte, er also nicht beständig an einer Arbeit bleiben konnte.

Der aus Sicherheitsgründen von uns angestrebte "Closed-Shop-Betrieb" im Rechenzentrum war bei dieser Art der Programmierung, wo doch jener Programmierer alle Augenblicke im Computerraum anzutreffen war, überhaupt nicht zu verwirklichen.

- Sie haben die Online-Programmierung mit Hilfe von Vollie und Assistenz der Computer Program Products (CPP), die dieses Produkt vertreibt, realisiert. Haben sich Ihre Hoffnungen, die Sie mit dem Übergang auf Online-Programmierung verbanden, bestätigt?

Mehr als das! Ohne jede Übertreibung kann ich nurmehr feststellen, und das wird Ihnen jeder unserer Programmierer gerne bestätigen, daß wir damit den Sprung von der Steinzeit der Programmierung ins Zeitalter der Jetliner spielend bewältigt haben.

Wir können dazu weiter feststellen, daß wir allen Unkenrufen zum Trotz die Online- Programmierung, gemessen an unserer wohl eher bescheidenen EDV-Betriebsgroße, sehr gut verkraftet haben. Darin sehen wir letztlich auch einen Beweis dafur, das Online-Programmierung nicht allein Großanwendern vorbehalten sein muß.

- Sooft man auch mit EDV-Anwendern, die Online programmieren, das Gesprach führt, immer nur hort man begeisterte Reden. Die Frage nach dem Warum kennt indes viele Antworten. Wo liegt denn nun bei Ihnen der Gewinn?

In erster Linie wohl darin, daß wir durch Online-Programmierung einen reinen Zeitgewinn von 30 bis 40 Prozent gegenüber dem herkömmlichen Verfahren herauszuholen vermochten. Und wir dürfen sagen, daß wir vor Einführung der Online-Programmierung keineswegs etwa schlecht organisiert waren. Wir meinen aber, nur das getan zu haben, von dem alles in der EDV-Branche ständig redet. Wir haben nur die Computerleistung an den Arbeitsplatz, und zwar an den des Programmierers, geholt, anstatt weiterhin mit der Arbeit an den Computer zu rennen. Natürlich ist es nicht damit getan, daß man ein, oder wie dies bei uns der Fall ist, zwei Bildschirm-Terminals im Programmierer-Büro installiert, sondern es muß auch noch die richtige Software dazukommen. Wir meinen diese gefunden zu haben.

- Was aber sagen und Ihre Programmierer dazu, daß Sie, wenigstens zeitweise, die Arbeit einer Datentypistin; verrichten? Und ist dieser Arbeits-Mix nicht eigentlich eine teure Angelegenheit für Sie?

Nehmen wir zuerst die Frage nach den Kosten. Sie ist quasi schon beantwortet, denn 30 Prozent Zeitersparnis, auf die acht bei uns eingesetzten Programmierer umgerechnet, ergeben in nur drei Monaten einen Betrag, der ziemlich genau dem des Kaufpreises von Vollie entspricht.

Da wir auch heute noch alle Ersterfassungen der Programme über die konventionelle Datenerfassung abwickeln, sitzen die Programmierer gar nicht so häufig und andauernd am Terminal. Es sei denn in der Testphase; und dann zu ihrem eigenen Vorteil. Ich bin fast versucht zu sagen, zu ihrem eigenen Vergnügen. Denn mit der Online-Programmierung hat der Programmierer einen direkten Draht zum Computer, was er sehr zu schätzen weiß. Er löst damit die ihm gestellte Aufgabe geradezu spielerisch. Keine Frage, daß ihm das gefällt. Es käme ihm daher auch gar nicht in den Sinn, seine Tippkünste als unter seinem Wert zu betrachten.

- Sie haben als eine der von Ihnen an die Online-Programmierung geknüpfte Erwartung die Qualitätsverbesserung der Programme genannt. Ihre pauschal geäußerte Zufriedenheit mit der Online-Programmierung läßt den Schluß zu, daß es Ihnen gelungen ist, mehr Qualität zu erzielen. Worauf führen Sie das im einzelnen zurück?

Wenn ich behaupte, daß am Bildschirm bessere Programme entstehen, dann nicht etwa deswegen, weil ein Editor für ein schönes Layout sorgt, sondern vielmehr, weil der Programmierer über den Dialog mit dem Computer sofort auf formale Fehler, beispielsweise über Cobol Syntax Check, aufmerksam gemacht wird. Damit wird ihm die Möglichkeit zur augenblicklichen Korrektur gegeben. Der ganze Programmiervorgang wird dadurch wesentlich konzentrierter abgewickelt. Der Programmierer kann sich demzufolge vermehrt mit dem logischen Problem seiner Aufgabenstellung befassen. Das ist vor allem in der Testphase wichtig. Er wird deshalb auch viel häufiger und erst noch intensivere Tests starten. Das alles führt erwiesenermaßen zu qualitativ erheblich höher stehenden Programmen, als wir dies zu fruheren Zeiten gewohnt waren.

- Hat die Einführung der Online-Progrmmierung bei Ihnen zu einer Aufstockung der Hardware geführt oder sonstwie mehr Kapazität erfordert?

Wir haben im Bereich der Programmierung zwei Bildschirm-Terminals zusätzlich benötigt. Mehr war nicht erforderlich. Ganz im Gegenteil konnten wir sogar Kapazitätseinsparungen realisieren. So wurde, nur um ein Beispiel zu nennen, unsere Source Program Library durch Einsatz von Vollie um mehr als zwei Drittel kleiner.

Walter Amstutz (38)

ist als Chef der EDV direkt der Geschäftsleitung der Einzelfirma Willi Studer, bekannt für die Produktion der Revox Tonbandgeräte, unterstellt. Er tragt auch die EDV-technische Verantwortung für das in der Bundesrepublik liegende Werk in Löffingen, in dem derzeit noch mit einer IBM 360-20 gearbeitet wird.

Hard- und Software

Im Rechenzentrum der Revox in Regensdorf bei Zürich arbeitet ein System IBM 370-138 ausgerüstet mit 1 MB. Insgesamt 18 Disk-Drives IBM 3344 und 3340 beinhalten eine Kapazität von 1260 MB. Neben einem über RJE angeschlossenen IBM S/1 arbeiten noch 12 Datenendgeräte IBM 3277 und 3284 Local oder über Modem mit dem zentralen Computer. An Programmiersprachen werden ausschließlich Cobol und Assembler verwendet. An System-software DOS/POWER/VS, DL/1 und CICS. Dazu wird mit FIRMPAC, Librarian, Vollie und Caposs-E eine Reihe von Fremdsoftware eingesetzt.